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Kirche in WDR 3 | 23.01.2019 | 07:50 Uhr

Der Wille zum Sinn

Wussten sie, dass sie den „Willen zur Lust“ haben? Sigmund Freud hatte uns das einst attestiert. Sein Kollege Alfred Adler meinte eher, Sie und ich - wir hätten den „Willen zur Macht“. Freud und Adler – beides bedeutende Psychologen – wollten die Menschen in ihrer inneren Motivation erkennen und haben sie entsprechend eingeordnet. Sie haben erkannt, dass es im Menschen eine innere Kraft gibt, die ihn im Leben antreibt.

Beides lebt sicherlich in uns. Aber ich mag doch lieber die Aussage von Viktor Frankl. Ebenfalls Psychologe. Frankl sagt, der Mensch hat vor allem einen „Willen zum Sinn“. Der Mensch will nämlich wissen, wofür und warum er etwas tun oder lassen soll. Und das Wissen um einen Sinn, lässt ihn zu Höchstformen auflaufen – gerne nennt Frankl das auch die „Trotzmacht des Geistes“. Egal was passiert, wie das Leben verläuft, du hast immer und in jeder Lage eine Freiheit zu entscheiden, wie du dich verhältst, wie dich etwas mitnimmt oder dich beeinflusst. Der Mensch will wissen, warum etwas so ist und wofür er etwas machen soll. Er geht sogar so weit, dass er sagt: „wer ein Warum hat, erträgt fast jedes Wie“. Frankl musste es schließlich wissen. Er war Holocaustüberlebender. Als jüdischer Arzt, gefangen im KZ, hat er die Menschen in ihrem Leben und Überleben studiert. Das war sein Sinn in diesem schrecklichen Dasein. Er hat festgestellt, dass diejenigen, die jemanden hatten, für den sie überleben wollten, auch gesund blieben und viel öfter die Strapazen überlebten, als diejenigen, für die sich das Leben scheinbar nicht lohnte, weil niemand und nichts da war, wofür es sich lohnte weiter zu leben. Frankl selbst hat sich im KZ vorgestellt, dass er nach diesem Schrecken seinen Studierenden im Hörsaal in Psychiatrischen Vorlesungen über diese Zeit berichten konnte. Das half ihm, sich von all dem Schrecklichen zu distanzieren. So konnte er damit umgehen. Frankl hat einmal gesagt, er habe im KZ Menschen erlebt, die wegen dieser Unmenschlichkeiten zu Bestien geworden sind - oder aber zu Heiligen. Er sagt, selbst in dieser extremen Form des Überlebens hast du die Entscheidung des „Wie“.

Dass er das selbst so erlebt hat und – leider an sich erproben musste, das macht Frankl für mich in seiner Einschätzung des innersten Antriebs zu einer authentischen Größe. Sein „Wille zum Sinn“ ist fundiert und glaubhaft – kein theoretisches Konstrukt.

Ebenso wie seine Feststellung: Gott ist der Partner unserer intimsten Selbstgespräche. In all der Sinnsuche, die jeder Mensch in sich trägt, gibt es einen inneren Partner, den Frankl als Gott bezeichnet. Meine Gespräche auch mit Atheisten bestätigen das. Die Menschen, denen ich bisher begegnet bin, hatten alle einen Zuschauer, vor dem sie ihr Leben ausbreiteten. Einen Zuschauer mit unterschiedlichen Namen und Gesichtern. Nicht alle nennen ihn Gott.

Für mich selbst ist Gott der Helfer meiner Sinnsuche. Derjenige, der mir zu einem Warum und Wofür verhilft. Auch in schweren Lebensphasen. Jemand, der mir Schweres zwar nicht erspart, aber mir hilft, trotzdem mein Leben als wertvoll und sinnvoll zu erleben.

Ich weiß nicht, wer ihnen hilft in schwierigen Fragen oder schöne Momente. Ich wünsche ihnen aber, dass sie sich begleitet fühlen und immer auf einer befriedigenden Suche bleiben nach Sinn, warum und Wofür.

Ihre Sr. Jordana Schmidt aus Waldniel

Viktor Frankl: ... trotzdem Ja zum Leben sagen: Ein Psychologe erlebt das Konzentrationslager, Penguin 2018

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