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Kirche in WDR 3 | 09.01.2019 | 07:50 Uhr

Die Alten ehren

Beim Discounter an der Kasse. Wie immer herrscht Gedrängel. Ein alter Mann schiebt seinen Rollator und will zahlen. Hinter mir Geraune, weil der Alte den Verkehr aufhält: „Können die hier keine zweite Kasse aufmachen?“

Der alte Mann ist grau, gebeugt, vermutlich schon nahezu achtzig. Er wirkt ein wenig verwahrlost; die Tasche an seinem den Rollator hat er vollgepackt. Alles für den täglichen Bedarf – auch Joghurt und Käse und ein 8er Paket Toilettenpapier. Erst muss er alles mühsam auf das Band packen, um es dann nach dem Kassieren wieder in der Tasche am Rollator verstauen. Das ist mühsam. Keiner hilft ihm; es geht nur langsam voran. Die Ungeduld in der Reihe an der Kasse steigt. Als er endlich alles verstaut hat, nennt die Kassiererin den Preis. Vor Anstrengung zitternd, nestelt der Alte ein Portemonnaie aus seinem Parka hervor. Er hat nur noch einen 20 Euro-Schein und ein paar Münzen. Das Geld reicht bei weitem nicht aus, um den Einkauf zu bezahlen. „Entschuldigen Sie … ich sehe nicht mehr richtig“ – der alte Mann ist hilflos. „Dann muss ich jetzt einige Waren zurückbuchen“, stöhnt die Kassererin sichtlich genervt. „Was wollen Sie hier lassen?“ Der Alte beginnt nun in der Tasche am Rollator zu kramen mit dem bereits verpackten Einkauf. Da passiert etwas Überraschendes: „Ich übernehme das!“ sagt ein junger Mann vor mir, sehr leise. Nur die Kassierin soll es hören. „Gut, dann lassen Sie mal alles drin!“ weist die Kassiererin den Alten an. Der ist sichtlich überfordert – von der ganzen Situation und der spontanen Hilfe.

„Danke“, bringt der Alte verlegen hervor, er weiß gar nicht, wie ihm geschieht. „Was bin ich Ihnen schuldig?“ „Ist schon“ gut, sagt der junge Mann. Die hinter uns Wartenden haben kaum etwas mitbekommen, sie sind froh, dass das es jetzt weitergeht.

Die spontane Hilfsbereitschaft des Mannes vor mir in der Warteschlange hat mich beeindruckt. Selbstverständlich war die schnelle Hilfe nicht. Eine Alltagsszene? – Ja, aber doch mit einer tieferen Botschaft:

Wenn ich alte Menschen erlebe, die auf Hilfe anderer angewiesen sind, dann frage ich mich: Wie wird es mir wohl ergehen, wenn ich mal so alt bin. Die Alten haben mir ja schließlich nur ein Stück Lebenszeit voraus. Und ich fände es wunderbar, so behandelt zu werden wie der alte Mann im Supermarkt.

Und zum Glück: Wie viele Menschen tun dies genau: die Alten mit Respekt und Freundlichkeit zu behandeln. Ich denke an die oft unterbezahlten Profis in den Alten- und Pflegeheimen, den Krankenhäusern und Hospizen, und auch die Familien, die sich mit Liebe und Fürsorge um ihre Alten kümmern, oft Jahre lang. Wie viele Menschen räumen denen, die alt, hilfsbedürftig und krank sind, Zeit in ihrem Leben ein!

Das ist gut biblisch! Denn da heißt es (Levitikus 19,32): „Vor einem grauen Haupt sollst du aufstehen und die Alten ehren“. Das „graue Haupt“ steht für „das Alter“. Und „ehren“ meint Respekt und Ehrfurcht vor jedem älteren Menschen, ohne Ansehen der Person. Eigentlich braucht dafür gar nicht so viel!

Aus Essen grüßt Sie Markus Potthoff.

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