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Kirche in WDR 4 | 12.02. 2019 | 08:55 Uhr

Die beste aller Welten

Guten Morgen! Charly Brown aus der Comicreihe „Peanuts“ schleicht bedrückt dahin. Er ist einfach „schlecht drauf“. Zu seinem Erstaunen kommt er bei der Psychotherapeutin Lucy sofort dran. „Was soll man tun, wenn nichts mehr klappt“, fragt er. „Wenn das Leben einfach so an einem vorbeirauscht, wenn nichts mehr Freude macht…“

Die Therapeutin hört nicht lange zu, sondern schreitet zur Tat: „Komm mal mit, ich zeig dir was…“ Eindringlich führt sie ihm den Horizont, die Wolken und die Erde vor Augen: „Siehst du, wieviel Platz da für jeden von uns ist?“ Und sie fährt fort: „Hast du schon mal eine andere Welt gesehen?“ – „Nein“, antwortet Charly. – „Wir sind uns also einig, dass es nur diese Welt gibt?“ – „Jawohl.“ – „Es gibt also keine Ausweichwelt für dich?“ – „Richtig“, sagt Charly. Da brüllt sie ihn an: „DANN LEBE GEFÄLLIGST IN IHR!“

Als Charly, erschüttert von solch einer gründlichen Beratung, flach auf dem Boden liegt, hört er gerade noch, dass diese Therapie ihn 5 Cent kostet. Nur 5 Cent. Dabei wäre ihr Rat doch Goldes wert. Das Leben wirklich leben, die Erde nutzen und genießen, die Mitmenschen wahrnehmen. Man hat ein Herz, wenn es nicht nur für sich selber schlägt.

Der Erfinder der „Peanuts“, Charles Schulz, der heute vor 19 Jahren gestorben ist, hat sich selbst und seine eigene Melancholie in seinen Zeichnungen immer wieder ironisch aufgespießt. „Weltschmerz“ nannte man eine solche Stimmung früher und schloss in diesen Begriff das Selbstmitleid ein, das mit nichts zufrieden ist.

Ich denke, diese Stimmung gibt es immer noch und sie scheint mir verbreiteter denn je. Das Wetter ist nicht recht, die Nachbarn sind zu laut, die Regierung packt nichts an, der Verkehr in der Stadt nervt, das Internet ist zu langsam, der Tatort ist auch nicht mehr, was er mal war und Skifahren geht nicht mehr wegen der Knie… Ständig bemitleide ich mich und meine Lebensumstände, meckere andere an und hülle mich in eine allgemeine Unzufriedenheit und Wehleidigkeit – bin eben: schlecht drauf!

Dabei könnte es so leicht sein, diese schlechten Gedanken loszulassen. Mit Lucy aus dem Peanuts-Comic gesprochen ist dies der Schlüssel dazu: Öffne dein Herz! Nimm nicht immer nur dich selbst wahr. Kreise nicht nur um dich selbst. Sieh nicht nur deine Sorgen, die ja durchaus berechtigt sein können, sondern sieh auch die Situation und die Nöte anderer. Und fixiere dich nicht auf all das was du nicht kannst oder erreichst, sondern gib deinen Gaben eine Chance. Sieh das alles wirklich, rät Lucy, dann können sich deine Nebel lichten und die Sonne durchlassen.

Im Hebräerbrief der Bibel findet sich eine solche lebensbejahende Haltung. Da heißt es: „Lasst uns festhalten am Bekenntnis der Hoffnung … und aufeinander achthaben und uns anreizen zur Liebe“ (Hebräer 10,23f.). Anders gesagt: Man hat ein Herz, wenn es nicht nur für sich selber schlägt.

Charly bleibt erst mal am Boden liegen. Aber vielleicht hat er ja die Botschaft verstanden. Das Leben, das Leben aller, ist der (Wohn-)Ort Gottes. Und wenn ich den Blick auf mein eigenes Leben auch mal verlassen kann und anderes Leben wahrnehme und an mein Herz lasse, dann spüre ich es vielleicht: Gott ist mir nah.

Ich wünsche Ihnen einen guten Tag, Ihr Pfarrer Michael Opitz aus Düsseldorf

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