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Kirche in WDR 5 | 29.04.2021 | 06:55 Uhr

Die digittale Seele

Guten Morgen,

 

ich bin jetzt Anfang 60. Und in meinem Leben habe ich schon so manche technische Revolution mitgemacht. Für mich wird das deutlich, wenn ich auf meine Musiksammlung schaue. Da gab es zu meiner Kindheit noch diese Schallplatten aus Vinyl. Davon habe ich noch viele. Damals gehörte Kratzen und Knacken zum Musikgenuss dazu. Dann mein erstes Tonband, bald abgelöst vom ersten Kassettenrecorder. Was habe ich damals nicht alles selber aufgenommen. Später dann der Walkman, um überall Musik zu hören – ganz zum Entsetzen meiner Eltern. Naja und dann die Ablösung durch den CD-Player. Aber auch der ist eigentlich schon wieder out, ersetzt durch USB-Sticks oder noch aktueller durch mein Handy. Da kann ich so viel Musik speichern, dass ich Tagelang hören kann – ohne Wiederholung. Mir zeigt diese rasche Entwicklung, in welchem Wandel wir heutzutage menschheitsgeschichtlich eigentlich stehen. Das Schlüsselwort heute heißt bei diesem technischen Fortschritt: Künstliche Intelligenz.

Damit können Maschinen menschenähnliche Intelligenzleistungen erbringen wie selbständiges Lernen, Urteilen und Probleme lösen.

Künstliche Intelligenz verspricht „ein Schlüssel zur Welt von morgen“ zu sein. Und das hat viele Vorteile und eröffnet neue Möglichkeiten und Perspektiven, um dem Menschen letztlich zu helfen: In der Medizin kann sie zum Beispiel Radiologen bei der Erstellung von Diagnosen unterstützen. Sie hilft aktuell durch die Auswertung von Bewegungsprofilen bei der Seuchenbekämpfung. Und es geht noch weiter: Ich denke an vollautomatische Einparkassistenten, moderne Übersetzungsprogramme, elektronische Kommunikation – als Chats – im Kundendialog von Unternehmen oder Bild- und Objekterkennung.

Solange das alles dem Menschen hilft, finde ich das wunderbar. Aber eine Entwicklung ist mir jetzt untergekommen, wo ich sehr skeptisch geworden bin: Es geht um einen digitalen Trend am Ende des Lebens – und darüber hinaus.

Konkret werden erste Systeme entwickelt, die Erinnerungen von Menschen konservieren, verarbeiten und dann durch digitale Assistenten mit der Stimme dieser Menschen sprechen. Damit können Angehörige nach dem Tod dieser Menschen das Gefühl haben, der oder die Verstorbene sei ja immer noch da und lebendig. Das wäre eine digitale Art der Auferstehung der Toten – oder anders formuliert.

Mit den Toten zu reden. Klingt doch paradiesisch. Eine neue Form des Weiterlebens. Und für die Angehörigen des Verstorbenen: Kein Blättern in Fotoalben oder Anschauen von Videos mehr, sondern echte Interaktion – bis in alle Ewigkeit. Schöne neue Welt.

Als ich zum ersten Mal darüber nachdachte, war ich von dieser Idee und diesen neuen Möglichkeiten künstlicher Intelligenz recht angetan. Je länger ich allerdings darüber nachdenke, fällt es mir immer schwerer das gut zu finden. Ja, es wird mir unheimlich. Weil Leben mehr ist als nur Reproduktion aus der Erinnerung. Und dazu gehört eben auch, dass alles endlich ist. Gewinnt doch das Leben erst durch den Tod seine eigentliche Bedeutung. Jede Entscheidung in meinem Leben, jeder Augenblick meines Lebens ist dadurch wertvoll, dass er endet und damit endgültig, weil einmalig ist. Wenn überhaupt, dann sehne ich mich danach, dass mein Leben einmal aufgehoben ist – nicht als künstliche Intelligenz, sondern als vollendete Gestalt. Und das, das kann ich mir bei aller technischen Entwicklung nur analog vorstellen, nicht digital. Denn bin ich nicht mehr als nur Technik? Steckt nicht in mir wie in jedem Menschen etwas Größeres, etwas Göttliches, eine Seele, die nicht digital reproduzierbar ist?

Es grüßt Sie Hans Ulrich Nordhaus aus Cappenberg

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