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Kirche in WDR 3 | 17.01. 2019 | 07:50 Uhr

Die Eintagsfliege

Guten Morgen.

Gibt es etwas, was sie in diesem Jahr oder zumindest in diesem Leben unbedingt noch machen wollen? Auch wenn Ihnen nicht sofort etwas einfällt. In den Buchhandlungen gibt es reichlich Anregungen: „1000 places to see before you die“. 1000 Sehenswürdigkeiten, die man unbedingt gesehen haben sollte, bevor man stirbt. Und ich kenne einige, die tatsächlich schon viele dieser Orte bereist haben und für sich „abhaken“ konnten. Und die dann von den exotischsten Stränden und den abgefahrensten Hotels berichten konnten. „Das ist der Hammer. Da musst du gewesen sein.“

Ich freue mich mit diesen Menschen und ich glaube ihnen, dass es dort richtig schön ist. Aber ich muss dort nicht gewesen sein. Ich mag solche Listen eigentlich nicht. Bis auf neulich: Da sehe ich einen Animationsfilm über die „to do“-Liste einer Eintagsfliege. (1)

In der Natur bringen es manche Eintagsfliegen auf bis zu sieben Tage Lebenszeit. Andere leben nur wenige Minuten. In dem Kurzfilm hat die Eintagsfliege genau eine Minute Leben. Und der Countdown läuft, von der ersten Sekunde des Schlüpfens an. Und man ist als Zuschauer dabei, wie die Eintagsfliege die Welt entdeckt und eine lange „to do“-Liste abarbeitet: den Angriff eines Vogels überleben oder aus dem Netz einer Spinne frei kommen.

Immer schneller arbeitet sie sich an dieser Liste ab, wobei sie selber meist gar nicht der Akteur ist. Atemlos taumelt sie von einer Aktion in die nächste, buchstäblich bis zur letzten Sekunde. Alles hat sie da noch nicht geschafft. Das Ziel berühmt zu werden, bleibt in der Liste offen.

Da fällt ein Tropfen Harz auf die kleine Fliege. Sie wird quasi konserviert, von einem Archäologen gefunden, in einem Museum ausgestellt, - und wird am Ende doch noch berühmt. Damit ist auch das abgehakt. Aberwitzig, wie diese Fliege möglichst viel in ihr Leben packen will. Lauter Höhepunkte.

Aber ob das Leben dadurch wirklich reicher wird?

Der österreichische Theologe Paul Zulehner schreibt: “Wir leben heute zwar länger [als unsere Vorfahren], aber insgesamt kürzer. Denn früher lebten die Leute dreißig [Jahre] plus ewig, und wir nur noch neunzig“. (2)

Was Paul Zulehner damit meint: Die Dimension der Ewigkeit ist vielen verloren gegangen. Darum packen sie alles in dieses eine kurze Erdenleben hinein.

Als Jesus vor 2000 Jahren im Osten des römischen Reiches in einem kleinen Ort in der Provinz in seine Welt kam, war das kein Ort, den man unbedingt gesehen haben sollte. Und es waren auch nur ein paar Hirten und später einige Ausländer, die diesen Ort überhaupt aufgesucht haben. In den ersten 30 Lebensjahren hat niemand von Jesus Notiz genommen. Und selbst danach hatte er es nicht eilig. Gott hat alle Zeit der Welt.

Jesus arbeitete keine „to do“-Liste ab. Jesus war den Menschen nahe. Und zwar den Menschen, denen er gerade begegnete. Da findet das Leben statt. Vielleicht in einer Kantine in Köln Kalk, in einem Nagelstudio in Rheinhausen oder an einer Bushaltestelle in Hattingen. Und dort einem Menschen begegnen und vielleicht auch Gott.

Er schenkt uns Zeit auf dieser schönen Erde und eine ganze Ewigkeit dazu.

Ihr Pastor Heinz-Bernd Meurer aus Bottrop.

(1) „ONE MINUTE FLY“, Kurzfilm von Michael Reichert, Deutschland 2008, auf der DVD: Was zählt im Leben, Matthias-Film.

(2) http://www.zulehner.org/site/zeitworte/article/64.html (letzter Abruf am 28.12.2018)

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