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Kirche in WDR 5 | 18.11.2019 | 06:55 Uhr

Die Kraft der Schwachen

Guten Morgen!                    

Diesen Sommer habe ich ein paar Tage Urlaub in der Eifel gemacht. Hügel, Wälder und Seen laden dort zum Wandern ein. An einem bedeckten Tag habe ich eine Hinterlassenschaft des 3. Reiches besucht: die ehemalige NS-Ordensburg Vogelsang. Sie liegt idyllisch, man hat einen herrlichen Blick über die umliegenden Hügel und den See, der unterhalb liegt. Heute wird Vogelsang „Internationaler Platz“ genannt. Das soll deutlich machen, dass Menschen aller Religionen und Hautfarben hier willkommen sind. Heute ist Vogelsang ein lebensfreundlicher Ort.

Doch er stammt aus der dunkelsten Zeit der deutschen Geschichte. Hitler hatte die Macht ergriffen und brauchte auf allen Ebenen Gefolgsleute in der NSDAP. Auf der so genannten Ordensburg Vogelsang sollten sie ausgebildet werden. Die Männer lernten hier die NS-Ideologie. Sie lernten zu gehorchen und sich unterzuordnen. Aber wie sie zum Beispiel eine Gemeinde zu verwalten haben oder wie ein Staat aufgebaut ist – das lernten sie nicht.

Eine Ausstellung zeigt alte Fotos und Dokumente. Stolze junge Männer sehe ich, die sich auserwählt fühlen. Wenn sich die Parteiführung hier trifft, dürfen sie in Reih und Glied stehen, bewundert von ihren Familien. Die Angestellten, die hier arbeiten, sind stolz auf ihren Arbeitsplatz. Schwarzweißfotos zeigen junge Mädchen vor den Gebäuden der Ordensburg. Sie alle haben sich blenden lassen.

Ich gehe zum See hinunter und betrachte die Anlage von unten. Sie sollte Macht und Überlegenheit demonstrieren, doch sie wurde nie fertig gestellt. Für das größte geplante Gebäude liegen nur die Fundamente.

Die Nazis haben noch zwei weitere so genannte Ordensburgen errichtet. Eine vierte war geplant, wurde aber nie gebaut. Keiner der Teilnehmer hat die Ausbildung vollständig durchlaufen. Auf zwei Ordensburgen endete sie mit dem Krieg. Auf der dritten hat nie ein Lehrgang angefangen.

Vogelsang sollte die Macht der Nazis ausbauen. Es sollte Kraft und Stärke demonstrieren. Nichts davon wurde erreicht. An diesem Ort der Selbstüberschätzung fällt mir ein Bibelwort ein. Gott sagt: „Meine Kraft ist in den Schwachen mächtig.“ (2. Korinther 12,9) Ich habe diese Worte und ihre Bedeutung lange nicht verstanden. Ich habe immer gedacht: Wenn man schwach ist, erreicht man nichts! Von nichts kommt nichts! Es ist doch wichtig, sich anzustrengen! So oder ähnlich habe ich immer gedacht.

Aber hier in Vogelsang, an diesem Ort nationalsozialistischen Größenwahns, verstehe ich: Es waren die Schwachen, die in diesen dunklen Zeiten wirkliche Kraft und Größe bewiesen haben. Studenten haben Flugblätter verteilt. Beamte und Offiziere haben ihr Wissen um Hitlers Pläne ans Ausland weitergegeben, obwohl das lebensgefährlich war. Einfache Leute auf dem Land haben ohne viel zu fragen Juden versteckt. Es waren nicht viele, aber es gab sie. – „Meine Kraft ist in den Schwachen mächtig.“

Die Kraftmeierei der Nationalsozialisten dagegen – die ist untergegangen.

Auf die Schwäche vertrauen.

Dass Sie auf Ihre Schwäche vertrauen können, wünscht Ihnen,

Ihre Mareike Heidenreich aus Münster.

 

Redaktion: Landespfarrerin Petra Schulze

 

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