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Kirche in WDR 4 | 14.04.2021 | 08:55 Uhr

Die letzte Ehre



Manche ehrenwerte Dinge sind durch Corona einfach den Bach runtergegangen: Zu Beerdigungen gehen zum Beispiel. Das ist etwas, was ich mir mal vorgenommen habe: Nach Möglichkeit immer hinzugehen. Auch wenn ich selbst den Toten nicht gekannt habe, begleite ich Menschen zu Beerdigungen, wenn sie einen geliebten Verwandten verloren haben.

Das letzte Geleit geben. Das ist für mich Ehrensache, das gehört sich irgendwie. Ich weiß selbst noch, wie mitfühlend mir die Masse von Gästen auf dem kleinen Dorffriedhof vorgekommen ist, als wir meinen Vater beerdigt haben.

Seit der Pandemie sind solche empathischen Ansammlungen selten geworden. Umso berührender ist das gewesen, als ich vor einigen Wochen eine Münsterländer Beerdigung miterlebt habe: der lange Zug in die Kirche schien nicht zu enden, so viele Menschen waren gekommen, um auf Abstand einem liebenswürdigen alten Herrn die letzte Ehre zu erweisen.

Beerdigungen. Die erden einfach. Im wahrsten Sinne. Während der Tote in die Erde gelassen wird, ist es plötzlich glasklar, was im Leben zählt. Da wird alles Banale plötzlich irrelevant. Ich schaue hinterher, werfe Erde auf den Sarg, sage still „Pass auf ihn auf, Gott!“ und trete zur Seite. Vor mir und hinter mir sind die anderen. Alle mit ihren Gedanken an den Toten und an ihr eigenes Leben beschäftigt.

In diesen Situationen ist jeder ganz zurückgeworfen auf sich. Ich habe dann ausnahmsweise keinen Impuls, aufs Handy zu schauen. Der Tod sorgt dafür, dass ich das Leben neu denke. Weil er wachrüttelt. Ich stelle mir dann Fragen: Tue ich die richtigen Dinge? Lebe ich zu schnell? Können andere auf mich zählen?

Und ich bin sicher, das sind Momente, wo Gott extrem präsent ist. Ich glaube, dass er mit denen fühlt, die traurig sind. Und ich glaube, dass er der Ursprung meiner Fragen ist.

Auf dem Rückweg aus dem Münsterland ist mir das so richtig klar geworden. Beerdigungen sind extrem wichtige Rituale: für den Abschied eines Menschen, aber auch für das Neu Ausrichten des eigenen Lebens.

Am Wochenende findet die zentrale deutsche Trauerfeier für die Toten in dieser Pandemie statt. Dazu hat Bundespräsident Steinmeier eingeladen. Und ich finde, es ist eine Ehrensache, dass wir an diesem 18.4. all der Menschen gedenken, die gegangen sind – ohne dass viele mit ihnen mitgehen konnten auf ihrem letzten Weg.

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