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Kirche in WDR 4 | 26.08.2020 | 08:55 Uhr

Die Lilie und der Vogel

Autorin: Guten Morgen. Keine Sorgen haben. Ein schöner Gedanke. Als Lehrerin und Lehrer der Sorglosigkeit gelten in der Bibel die Lilie und der Vogel.

 

Sprecher: Darum sage ich euch: Sorgt euch nicht um euer Leben, was ihr essen und trinken werdet; auch nicht um euren Leib, was ihr anziehen werdet. Ist nicht das Leben mehr als die Nahrung und der Leib mehr als die Kleidung? Seht die Vögel unter dem Himmel an: Sie säen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln nicht in die Scheunen; und euer himmlischer Vater ernährt sie doch. (…) Und warum sorgt ihr euch um die Kleidung? Schaut die Lilien auf dem Feld an, wie sie wachsen: Sie arbeiten nicht, auch spinnen sie nicht. Ich sage euch, dass auch Salomo in aller seiner Herrlichkeit nicht gekleidet gewesen ist wie eine von ihnen (…) Denn euer himmlischer Vater weiß, dass ihr all dessen bedürft. (Die Bibel, Matthäus 6,25ff)

 

Autorin: Gott weiß, was ich wirklich brauche. Und Gott zu vertrauen, kann mir helfen, mich nicht grundlos zu sorgen. Eher zu schauen: Welche Begabung hat Gott mir gegeben? Was kann ich einbringen in die Gemeinschaft, in die Gesellschaft? Was habe ich schon alles und was davon brauche ich wirklich? Was fehlt mir? Es geht um das Erkennen von Begabung, von Liebe und Vorsorge, für mich und durch andere. Vielleicht geht es auch um das Erkennen meines Platzes in der Gesellschaft. Der Dichter, Philosoph und Theologe Sören Kierkegaard hat sich immer wieder mit dieser biblischen Geschichte beschäftigt und eine eigene hinzugefügt:

 

Sprecher: Es war einmal eine wunderschöne Lilie. Die stand an einer abseits gelegenen Stelle an einem kleinen Wasser und lebte in guter Nachbarschaft mit ein paar Nesseln sowie mit einer Anzahl anderer Blümchen in ihrer Nähe. Eines Tages besuchte ein Vogel die Lilie – und die Lilie verliebte sich in den Vogel. Weil er so launisch war. Und der Vogel konnte etwas, was die Lilie nicht konnte: er setzte sich an viele Orte und flog zwischendurch hin und her. Der Vogel war redselig, er erzählte von allem Möglichen. Er erzählte Wahres und Unwahres. Er sprach von weit prächtigeren Lilien, die an anderer Stelle stünden und wo eine große Freude und Munterkeit sei. So erzählte der Vogel, und jede seiner Erzählungen brachte die Lilie dazu, sich klein und kleiner zu fühlen. Einmal sagte er sogar, sie wäre so unbedeutend, dass er sich überhaupt frage, mit welchem Rechte sie sich eine Lilie nenne. Der Lilie ging es immer schlechter und eines Tages fragte sie den Vogel: Kannst du mich mitnehmen zu den anderen Lilien? Der Vogel zog sie mit der Wurzel aus dem Boden, und noch während des Fluges verwelkte sie. (1)

 

Autorin: „Alles Elend beginnt mit dem Vergleichen.“ So hat Sören Kierkegaard es einmal zusammengefasst. Und er hatte ja auch Recht damit. Aber andererseits gehört es ja wohl auch zur Existenz des Menschen dazu, sich zu vergleichen: Geschwister wachsen im permanenten Vergleich auf. Mit meinem Partner oder meiner Partnerin vergleiche ich mich unwillkürlich, egal ob bewusst oder unbewusst. Alle sportlichen Wettbewerbe leben davon, unsere Demokratie lebt von dem Vergleich der Ideen und der Kandidatinnen und Kandidaten. Der Preisvergleich ist gut und wichtig.

Ich glaube, Sören Kierkegaard hatte nichts gegen einen gesunden Wettbewerb. Seine Geschichte verstehe ich so: Stelle dich nicht unnötig in Frage. Bleib mal gelassen und an deinem Platz, an dem du Wurzeln geschlagen hast und aufgeblüht bist. Lass dich zu dieser Gelassenheit verführen, von lieben Menschen und von Gott.

 

(Ende WDR 4, Verabschiedung für WDR 3 und WDR 5: )

Einen Tag voller Gelassenheit wünscht Ihnen

Gerlinde Anders, Schulpfarrerin in Leverkusen.

 

 

1 vgl. http://soren-kierkegaard.virtusens.de/soren_kierkegaard_texte.php?suche=&lpos=4, Zugriff am 14.7.2020

 

 

 

Redaktion: Landespfarrerin Petra Schulze

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