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Hörmal | 20.12.2020 | 07:45 Uhr

Die Macht der Schlüssel

Wer die Schlüssel hat, der hat die Macht! Deswegen sind auch die Hausmeister so wichtig. Ich muss da jedenfalls an den Hausmeister während meiner Schulzeit denken. Der hatte die Schlüsselgewalt über die ganze Schule. Vom Chemiesaal bis zur Sporthalle, vom Musikzimmer bis zum Keller – ihm stand förmlich alles offen. Und wenn man morgens zum Schulbeginn ins Klassenzimmer wollte, dann brauchte man eben von ihm den richtigen Schlüssel dazu. Dafür war jemand in der Klasse zuständig, der Schlüsseldienst hatte. Ich habe das mal ein halbes Jahr lang gemacht. Und irgendwie hab ich mich in der Zeit etwas mächtiger gefühlt, weil: schlüsselgewaltiger. Das war eben eine wichtige Funktion – und damit war auch eine gewisse Verantwortung verbunden: Der Schlüssel durfte ja nicht verloren gehen, und ich selbst musste zuverlässig und pünktlich sein. Das war auch nicht immer einfach …!

Aber: Wer die Schlüssel hat, der hat eben die Macht! Der kann Zugänge eröffnen und auch verschließen, und damit sind andere Menschen von ihm abhängig.

Dabei kann ich sogar selbst zum Schlüssel werden. Positiv, wenn ich ein gutes Wort einlege, damit zum Beispiel bei der Jobsuche eine Tür geöffnet wird. Negativ, wenn ich eine persönliche Entwicklung blockiere und verschließe. Manchmal sind es auch ganz persönliche Dinge, bei denen ich zum Schlüssel für andere werden kann: Ein Rat oder ein Hinweis erschließen eine Lebenssituation, deuten das Leben noch einmal anders, als es sich auf den ersten Blick darstellt. Ich glaube ja, dass dabei ganz häufig der Schlüssel darin besteht, einfach nur zuzuhören und Geduld zu üben.

Einer der Namen Gottes ist übrigens „Schlüssel Davids“. Mit diesem Namen wird Gott in besonderer Weise angerufen und zwar heute im katholischen Gottesdienst. Wenige Tage vor Weihnachten wird so sein Kommen erfleht. Da heißt es:

„O Schlüssel Davids, Zepter des Hauses Israel – du öffnest, und niemand kann schließen, du schließt, und keine Macht vermag zu öffnen: o komm und öffne den Kerker der Finsternis und die Fessel des Todes!“

Dahinter steht ein Ereignis, von dem der Prophet Jesaja berichtet (Jes 22,15-25). Es geht um die Amtseinführung von Eljakim als neuem Palastvorsteher in Jerusalem, der Stadt Davids. Eljakim werden Schlüssel auf die Schultern gelegt, als Herrschaftssymbol für seine neue Macht über Palast und Stadt. Noch heute gibt es ja ähnliche Rituale als Schlüsselübergabe bei einer öffentlichen Amtseinführung. Und dazu würden sogar die Worte passen, die einst Eljakim zugesprochen wurden: „Du öffnest und niemand kann schließen …“

Die christliche Auslegung hat dann diese Bibelstelle auf Jesus selbst übertragen. Nur, dass es nicht mehr um Türen und Tore einer Stadt geht, sondern im übertragenen Sinne um die Kerker der Finsternis und die Fesseln des Todes. Ich verstehe es so: Wie viele Talente sind auch heute noch im Menschen gefangen, werden blockiert und warten darauf, erschlossen zu werden? Wie viele Sehnsüchte und Wünsche sind gefesselt und abgestorben und müssen neu erweckt und befreit werden? Wo ist der Schlüssel dazu?

Vielleicht kann auch heute noch Jesus zum Schlüssel werden durch jeden von uns im Zuhören und im Vertrauen darauf, dass Gott immer schon da ist.

Wie auch immer: Ich wünsche Ihnen in dieser dunklen Jahreszeit ein gutes Zugehen auf Weihnachten: das Schlüsselfest der Christenheit.

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