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Kirche in WDR 5 | 21.11.2019 | 06:55 Uhr

Die Macht des Faktischen

Guten Morgen!

Sie war immer ein artiges Mädchen. Hörte auf das, was die Eltern sagten. Eine gute Schülerin war sie, steuerte auf ein Einser-Abi hin. Als die Entscheidung anstand, was will ich werden, fragte sie beim Mittagessen: Darf ich Kunst studieren? Ihre große Leidenschaft. Eine Eins plus hatte ihr Lehrer ihr gegeben, der mit guten Noten eher knauserte. Sie weiß es heute noch, wie der Vater damals blass wurde. Kunst? Und wovon willst Du leben? Die Miete zahlen? Mach was Anständiges, geh zur Bank. Sie hatte geweint, aber nicht widersprochen. Vielleicht hatte er ja Recht. Was Solides ist nicht das Schlechteste. Und irgendwann war sie überzeugt davon, dass die Entscheidung die Richtige war, weil sie vernünftig war. 20 Jahre lang. Es ist wie es ist. Aber tief in ihr drin war so eine Sehnsucht: Eigentlich bin ich ganz anders. Nach Feierabend malte sie, im Urlaub und an Wochenenden besuchte sie Museen und Galerien. Aber der Traum wurde immer wieder bei Seite geschoben. Der Einzige, der spürte, dass die Entscheidung nicht richtig war, war ihr Mann. Er überredete sie, ihre Bilder einer Galeristin vorzulegen. Machte einfach einen Termin. Die Galeristin warf einen Blick auf die Bilder, einen sehr langen Blick. Und von da ab begann ihr Leben mit der Kunst. Vor Glück ist sie damals fast explodiert. Die Sicherheit wurde einfach weggewischt, die Vernunft zählte nicht mehr. Es folgten nicht nur einfache Jahre, sie mussten in der Familie kürzer treten, aber es hat sich gelohnt, sagt sie heute. (1)

Die Lebensgeschichte von Ingrid hat mich beeindruckt.

Veränderungen im Leben zu wagen, ist nicht einfach. Vieles spricht dagegen, oft sehr handfeste Argumente. Sicherheit, gutes Auskommen, wissen, was ich kann. Dennoch schlummern da manchmal jahrelang Wünsche und Träume in einem. Es muss nicht immer der große Traum sein, bei dem das Leben vollkommen umgekrempelt wird. Manchmal sind es kleine Dinge, die ich verändern oder überhaupt erst einmal angehen möchte. Und immer kommen dann Fragen: Schaffe ich das? Ist das Risiko nicht zu groß? Will ich aufgeben, was ich mir aufgebaut habe? Vertrautes hinter sich zu lassen bedeutet immer auch Unsicherheit. Und oftmals spricht einfach zu viel dagegen und ich akzeptiere, was gerade ist. Rechne nicht damit, dass sich noch etwas in mir entfalten könnte. So wie das in einer kleinen Geschichte erzählt wird:

 

„Eine stachelige Raupe sprach zu sich selbst: Was man ist, das ist man. Man muss sich annehmen, wie man ist, mit Haut und Haaren. Was zählt ist das Faktische. Alles andere sind Träume. Meine Lebenserfahrung lässt keinen anderen Schluss zu: Niemand kann aus seiner Haut. Als die Raupe dies gesagt hatte, flog neben ihr ein Schmetterling auf. Es war, als ob Gott gelächelt hätte.“ (2)

Vielleicht lächelt Gott Ihnen ja auch zu. Einen beflügelten schönen Tag wünscht Ihnen Pfarrerin Annette Krüger aus Witten.  


(1)    „Eigentlich bin ich ganz anders – Autorin Silvia Dahlkamp, in: Spiegel Wissen 1/2016, S. 34-36.  

(2   (2)  https://brunnen-verlag.de/eine-stachelige-raupe-sprach-zu-sich-selbst-was-man-ist-das-ist-man-man-muss-sich-annehmen-wie.html#

 

Redaktion: Landespfarrerin Petra Schulze

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