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Das Geistliche Wort | 20.01.2019 | 08:35 Uhr

Die Micah-Challenge

Autor: Es ist gut 5 Jahre her. In einem weltweiten Vergleich stellt sich heraus: Deutschland ist das beliebteste Land der Welt. In einer BBC-Umfrage ist es auf Rang Nr. 1 gerückt. Gold! Wer hätte das gedacht: Wir – das beliebteste Land auf der großen, weiten Welt. 2013 war es so.

Woran liegt das? Natürlich an einem Lebensstandard, der vergleichsweise hoch und ansprechend ist. An einer Wirtschaft, die sich sehen lassen kann. Made in Germany steht nach wie vor für hohe Qualität.

Aber es gab noch einen anderen Grund, warum sich Deutschland diese Sympathien erworben hat. Wir haben uns offen und ehrlich mit dem dunkelsten Kapitel unserer Geschichte auseinandergesetzt. Also der Zeit von 1933 bis 1945. Dass wir hier die Augen nicht zu, sondern aufgemacht haben, auch das und vielleicht sogar gerade das hat man uns im Ausland hoch angerechnet.

Doch in den letzten Jahren scheint sich etwas zu verändern. Die Zeit der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft mit ihren 55 Millionen Toten und sechs Millionen ermordeten Juden – um nur diese zwei Zahlen zu nennen – wird vom Vorsitzenden der AfD als „Vogelschiss“ in unserer ansonsten glorreichen Geschichte bezeichnet. Andere in seiner Partei fordern eine 180-Grad-Wende in unserer Erinnerungskultur.

Für mich gibt es da einen tiefen, inneren Zusammenhang: Die unsere dunkle Vergangenheit beiseite schieben wollen, wollen auch unser Land nach rechts rücken. Rechtspopulisten haben Lust daran, Mauern wieder hochzuziehen. Sie sprechen Andersfühlenden, Andersdenkenden, Andersglaubenden, Woandersherkommenden die menschliche Würde ab. Schnell schalten sie diesen „anderen“ gegenüber auf eine Art Raubtiermodus um. Da sollen unliebsame Politiker mit ausländisch klingendem Namen wie Müll „entsorgt“ werden und Asylanten - wie sie sie verächtlich nennen - wünscht man nur ein Ticket: das nach Ausschwitz-Birkenau.

Um nicht missverstanden zu werden: Von dem her, was ich über den Stalinismus erfahren habe, das Pol Pot-Regime in Vietnam, die Niederschlagung der „Hundert-Blumen-Bewegung“ in China und über die Machenschaften der Stasi in der ehemaligen DDR hätte ich genauso große Angst vor einem Linksruck.

Aber im letzten Jahr waren es für mich die Ereignisse von Chemnitz, Dortmund und anderswo, die sich mir auf die Seele gelegt haben. Die Aufmärsche von Neonazis mit Hakenkreuz und Hitlergruß, die Hetzjagden auf andere, die anders aussehen, die Shitstorms, kurz: diese ganze Verbreitung einer Atmosphäre von Angst und Schrecken.

Da kann ich nur sagen: Das ist nicht das, was ich mir vorstelle, was ich mir wünsche. Nicht für mich. Nicht für meine Familie. Nicht für meine Freunde. Nicht für meine Gemeinde. Nicht für meine Stadt. Nicht für das Land, in dem ich lebe.

1. Musik: (0:14)

Track 10 To be continued (5:59), CD Dance of Fire Suite, Interpretin, Komponistin, Arrangement: Aziza Mustafa Zadeh, Weitere Interpreten: Al di Meola (Guitar), Bill Evans (Sax), Stanley Clarke (Bass), Kai E. Karpeh de Camargo: (String, Bass), Omar Hakim (Drums), Produzent: Reinhard Karwatky, 1995 Columbia Sony Music, LC 0162

Sprecherin: Das ist der Daumen. Der schüttelt die Pflaumen. Der hebt sie auf. Der trägt sie nach Haus. Und der Kleinste isst sie alle auf.

Autor: Was wir uns als Kinder gemerkt haben, das vergessen wir ein Leben lang nicht.

Aber lässt sich auch wirklich Wichtiges auf diese Weise einprägen? Können wir an einer Hand oder gar an drei Fingern abzählen, was wir zum Leben brauchen?

Der Prophet Micha dachte über diese Dinge nach. Schon im 8. Jahrhundert vor Christus. Michas Gesellschaft rang mit den schwierigen Fragen, wie man leben und lieben sollte mit Menschen, die einfach nicht so waren, wie man sie gern hätte. Die konkrete Situation, die Micha beklagte, könnte uns bekannt vorkommen. Da war die Schere zwischen Arm und Reich, die immer mehr auseinanderklaffte. Da waren Menschen, die ihre Machtpositionen hemmungslos ausnutzten und für ihren persönlichen Vorteil über Leichen gingen. Da waren die religiösen Instanzen, die mehr oder weniger komplett in einer Vertrauenskrise versanken und die kein Mensch mehr ernst nehmen konnte.

Was wollten die Menschen zur Zeit Michas? Sie wollten glücklich, erfüllt und zufrieden sein. Genau wie wir. Und wie uns heute, fiel es auch damals den Menschen schwer, etwas ganz Bestimmtes wirklich zu erkennen. Nämlich, dass es so ein Glück, so eine Erfüllung und so eine Zufriedenheit nicht geben kann ohne Rücksicht auf das Glück, die Erfüllung und Zufriedenheit der anderen. Also nur mit Rücksicht auf das Leben dessen, den die Bibel meinen „Nächsten“ nennt.

2. Musik = Musik 1 (0:12)

Autor: Die Menschen zur Zeit Michas hatten ihren Weg verlassen, sie hatten sich verlaufen und ihre Geschichte vergessen – ihre Geschichte als Kinder Gottes, der das Universum geschaffen hat und alles, was darin ist. Einschließlich derjenigen, die im Windschatten der Geschichte und auf der Schattenseite des Lebens stehen.

Micha ruft absolute Grundwerte in Erinnerung, derer man sich einmal bewusst war, die aber auf dem Weg wieder aus dem Blick geraten und unter den Tisch gefallen sind. Deshalb schreibt er:

Sprecherin: Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist und was Gott von dir fordert, nämlich nur eines: Gottes Wort halten, Liebe üben, demütig sein vor deinem Gott.

(Micha 6,8)

Autor: Das Wichtigste an einer Hand abzählen oder gar an drei Fingern? In dem Micha-Wort begegnen mir drei klare, einprägsame Richtungsangaben. Sie zeigen einen Weg, auf dem Leben gelingen kann und Segen bringt. Gottes Wort halten. Liebe üben. Demütig sein vor meinem Gott.

Diese drei Merkmale haben alle etwas zu tun mit uns selber, mit Gott und mit unserem Nächsten.

Das erste: Gottes Wort halten. Was sagt Gottes Wort, an das wir uns halten sollen? Auf der ersten Seite der Bibel begegnet Gott als Schöpfer, der uns erschaffen hat – als Gegenüber, mit dem er eine Beziehung will, ja als sein Ebenbild.

Auf der letzten Seite der Bibel wird erzählt von einem neuen Himmel und einer neuen Erde, wo die Tränen abgewischt werden und Gott selbst mitten unter uns Menschen wohnt.

Und zwischen der ersten und der letzten Seite wird die Geschichte der Menschen mit Gott erzählt: Wie er sein Volk aus der Sklaverei in Ägypten befreit, wie er ihnen Gebote gibt, damit ein Leben in Freiheit funktioniert, wie er Propheten schickt, die an Gottes Willen erinnern, dazu Lieder, Gebete und Weisheiten über das Leben… und immer will Gott in Beziehung sein zu uns Menschen.

In einer Situation, wo es in der Welt mal wieder drunter und drüber ging, lässt Gott durch seinen Propheten Jeremia mitteilen:

Sprecherin:

Ich weiß, was ich für Gedanken über euch habe,

Gedanken des Friedens und nicht des Leides,

dass ich euch gebe Zukunft und Hoffnung.

(Jeremia 29,11)

Autor: Und dann kommt der Augenblick in der Geschichte, wo sich Gott sich selber auf den Weg macht, selber Mensch wird in einem schreienden Kind in der Krippe irgendwo in einem Hinterhof der Welt. Der Mensch – er liegt Gott so sehr am Herzen, dass er sich einlässt auf das Abenteuer Menschsein und dabei jeden Moment menschlichen Lebens durchlebt. Jeden Kummer, jede Freude, jede Trauer, jedes Glück, Hunger, Durst, Ablehnung, angehimmelt werden. Freunde, Einsamkeit, Verrat, Tod und – Auferstehung.

Indem Gott selbst Mensch wird, würdigt er das Menschsein. Der Mensch hat eine Würde, die er weder erwerben noch verlieren kann, die im Tiefsten ganz und gar unabhängig davon ist, ob er mit einem Start Up-Unternehmen unter die Decke geht oder Konkurs anmelden muss, ob er schon Alzheimer hat oder noch nicht, ob er eine Augenweide ist oder eher Durchschnitt, ein Moll- oder eher ein Durtyp. Vor, nach und unabhängig von alledem haben wir Ansehen bei Gott, der anders und tiefer blickt. Friedrich Bodelschwingh, der Begründer der diakonischen Anstalten in Bethel, hat das so ausgedrückt.

Sprecherin: Es geht kein Mensch über die Erde, den Gott nicht liebt.

Autor: Diese Einsicht steht im Zentrum dessen, was Christen „Gottes Wort“ nennen. Sich daran halten, bedeutet immer auch, auf der Hut zu sein. Auf der Hut zu sein, wo die Würde eines Menschen in Frage gestellt, belächelt oder mit Füßen getreten wird.

3. Musik:

Track 1 We are the World von CD U.S.A. for Africa, Diverse Tina Turner etc.. Komponisten: Alberto Rousseau Mendizabal; Alejandro Chantrero Amores; Javier Sanchez Muñoz; 1985. ASIN: B001SMM9JY

We can't go on

Pretending day-by-day

That someone, somewhere soon make a change

We're all a part of God's great big family

And the truth, you know, love is all we need

(We are the world

We are the children

We are the ones who make a brighter day, so let's start giving)

Autor: Der nächste Hinweis des Propheten Micha für ein gutes Leben ist „Liebe üben“. Man könnte es auch übersetzen mit: Güte und Treue lieben.

Auf andere achten also. Freundlich Hallo sagen, eine angespannte Situation durch einen schönen Witz entschärfen, tatsächlich wählen gehen, sich irgendwo ehrenamtlich engagieren, einladen, sich einladen lassen, gemeinsam lachen, weinen, planen. Sonntags in die Kirche gehen und andere mitnehmen …

Eben: Liebe üben.

Und zuletzt gibt Micha uns noch mit auf den Weg: Demütig sein vor deinem Gott. Das könnte man auch so übersetzen: In Ehrfurcht den Weg gehen mit deinem Gott.

Und das heißt doch: Ich bin ein Weggefährte Gottes. Faszinierend. Gott bleibt für mich unbegreiflich und unverfügbar. Vieles wird für mich im Dunkeln bleiben, manches komplett gegen den Strich gehen. Gott nimmt mir auch das Handeln nicht ab. Aber ich kann meinen Weg gehen mit Gott. Krisen, Zweifel, unbeantwortete Fragen, alles das sind Dimensionen im spirituellen Unterwegssein, alles das gehört zu einem Lebensgespräch mit Gott dazu. Und ich glaube: Ein demütiger, ein in Ehrfurcht zu Gott aufblickender Mensch weiß das. Und weil er das weiß, ist er schon deshalb gefeit gegen das Gift der Demagogen, die, egal ob sie von rechts oder links oder weiß woher kommen, alle eines gemeinsam haben. Nämlich dass sie das Heil versprechen und das Unheil bringen.

4. Musik = Musik 3:

Oh, send them your heart

So they know that someone cares

And their lives will be stronger and free

As God has shown us by turning stones to bread

And so we all must lend a helping hand

We are the world

We are…

Autor: Können wir das, was wir zum Leben brauchen, an einer Hand, ja an drei Fingern abzählen? Micha sagt: Ja, das können wir.

Sprecherin: Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist und was Gott von dir fordert, nämlich nur eines: Gottes Wort halten, Liebe üben, demütig sein vor deinem Gott. (Micha 6,8)

Autor: Jetzt kommt es darauf an, dies in die Tat umzusetzen. Das ist die Micah-Challenge. Die Herausforderung, die sich von Micha her stellt. Nach ihm hat sich übrigens ein global agierendes Netzwerk engagierter Christen benannt, eine Initiative, die das Ziel hat, diese Welt ein klein wenig heller zu machen, gerechter, lebenswerter und liebenswürdiger.

Lust, dabei zu sein? Mit dem Herzen? Einer klaren Stellungnahme? Einer gezielten Aktion? Es verabschiedet sich von Ihnen mit den besten Wünschen für diesen Sonntag und die kommende Woche Pfarrer Roland Hosselmann aus Lippstadt.

5. Musik: Track 1 We are the World von CD U.S.A. for Africa, Diverse Tina Turner etc.. Komponisten: Alberto Rousseau Mendizabal; Alejandro Chantrero Amores; Javier Sanchez Muñoz; 1985. ASIN: B001SMM9JY

Informationen: https://www.micahglobal.org/who-we-are

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