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Kirche in WDR 3 | 23.06.2021 | 07:50 Uhr

Die schönste Nebensache der Welt

Guten Morgen.

Heute Abend ist es wieder soweit für „die schönste Nebensache“ der Welt: Jogi’s Jungs treffen bei der Fußball-EM im dritten Spiel auf die Ungarn. Ja genau – das Land, das unser Gegner auch beim legendären Endspiel in Bern 1954 war. Da werden sicher viele Erinnerungen zelebriert. Und am Ende hoffen wir doch, dass wir auch diesmal wieder das siegreiche Team sind. Wie damals mit Uwe Rahn und Fritz Walter.

Eigentlich schön, wenn die „schönste Nebensache der Welt“ wieder unter halbwegs normalen Bedingungen stattfinden kann. Die Zeit der Geisterspiele während der Corona-Pandemie scheint sich langsam aber sicher dem Ende zuzuneigen – für viele Fußballfans eine lange und bittere Leidenszeit. Aber auch die Fußballer selbst haben darunter gelitten – na klar, jetzt könnte man sagen: Das war Leiden auf hohem Niveau, während andere beruflich zum Nichtstun verdammt waren. Fußballer verdienen im Vergleich zum Bundesdurchschnitt extrem gut. Das war 1954 noch ganz anders - als die Männer von Sepp Herberger zwar zu Helden wurden, aber dennoch nur für ein paar D-Mark gegen den Ball traten: Die „schönste Nebensache“ ist ganz schön professionell geworden – mit einem Riesenberg von Geld im Hintergrund. Auswüchse wie Vereinswechsel gegen dreistellige Millionenbeträge oder utopisch hohe Summen für die Fernsehrechte erzeugen mittlerweile nicht nur Kopfschütteln beim einfachen Fußballfan, sondern auch in der Politik und sogar bei einer ganzen Reihe von. Bei der Nebensache ist Profit oft die Hauptsache: Fußballvereine sind mittlerweile zu Unternehmen geworden, die Gewinn erwirtschaften müssen, um die Investoren zufriedenstellen zu können. Nach vielerlei Meinung eine schräge Entwicklung, die dem Sport an sich nicht sehr gut tut. Das zeigt sich sogar in den unteren Ligen, in denen auch Ablösen und Spielergehälter gezahlt werden. Wenn Jugendliche Geld dafür bekommen, Sport zu treiben und zu spielen – dann sollte man hellhörig werden und zumindest die Frage sollte erlaubt sein, ob das denn wirklich so sinnvoll ist. Und was das mit diesen jungen Menschen macht.

Daher noch mal Rückblende ins WM-Jahr 1954: Aus Spaß an der Freud‘ sind damals die Helden von Bern angetreten, vielleicht noch aus Stolz auf das Vaterland – das hat ihren viel- und hochgelobten Teamgeist ausgemacht und sie zu siegeswilligen Spielern werden lassen. Verkläre ich da etwas zu viel? Jedenfalls scheint mir: Wenn es stimmt, dass Geld den Charakter verdirbt, dann kann man heutzutage sicher gute Hinweise darauf auch im deutschen Fußball bis in die Spitze des Deutschen Fußballbundes entdecken.

Und Jogi Löw? Dessen Zeit endet mit dieser EM als Bundestrainier. Wenn ich ihn richtig einschätze, dann hat er genau das immer wieder bitter erfahren, dass Geld die Welt regiert. Er hat immer wieder mit einer gehörigen Portion Idealismus versucht, dagegen zu halten. Sicher wurde die Nationalmannschaft auch vermarktet, aber ich habe ihn immer als einen erlebt, dem der Teamgeist am wichtigsten war.  Vielleicht gelingt es dem Bundestrainer in diesem Sinne in den Wochen der EM dem Werbe-Slogan des DFB gerecht zu werden und ihn den Spielern zu vermitteln, der immer von „der Mannschaft“ spricht. Nur so wird etwas bei diesem Turnier unter besonderen Bedingungen zu erreichen sein. Nur so wird dieses Turnier in unserem Land etwas ausstrahlen und die Stimmung nach der langen und quälenden Pandemie-Zeit aufhellen können. Der Mensch und eine Gesellschaft leben eben nicht nur vom Brot allein, sondern auch von den Nebensachen. Und auch als Kirchenmann sage ich neidlos: der Fußball bringt in diesem Land viele zusammen und –trotz aller Kritik – auch im Guten. Und das ist wichtig für unseren „Teamgeist“.

Ich wünsche Ihnen, wenn Sie heute ab 21 Uhr mitfiebern, einen spannenden Fußballabend. Und falls Sie sagen „die schönste Nebensache der Welt“ interessiert mich nicht so wirklich – dann wünsche ich Ihnen einfach einen entspannten Sommerabend.

Aus Jüchen grüßt Sie Ihr Ulrich Clancett.

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