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Kirche in WDR 4 | 16.11.2020 | 08:55 Uhr

Die Welt liegt im Argen

Friedrich der Große, König von Preußen, genannt 'der alte Fritz', fragt bei einer Schulinspektion einen Jungen: „Wo liegt Potsdam?“ - „In Preußen, Majestät!“ - „Und Preußen?“ - „In Deutschland, Majestät!“ -“Und Deutschland?“ - „In Europa, Majestät!“ - „Und Europa?“ - „In der Welt, Majestät!“ - „Und die Welt?“ - Der Junge stutzt einen Augenblick und sagt dann: „Die Welt liegt im Argen!“

Guten Morgen. Zurzeit befinden wir uns in der jährlichen Friedensdekade der christlichen Kirchen. Das Motto dieser zehn Tage im November lautet „Umkehr zum Frieden“. Immer wieder ist das natürlich ein ungemein aktuelles Motto. Ich befürchte nur, dass es in diesem Jahr sehr stark in den Hintergrund gedrängt und überlagert wird durch die Corona-Pandemie, die weltweit das Denken und Handeln der Menschen beschäftigt. Diese Krise wird uns, auch wenn sie hoffentlich bald eingedämmt werden kann, noch lange Zeiten hindurch begleiten. Sie zeigt uns deutlich, wie gefährdet unser Zusammenleben ist. Die wirtschaftlichen Folgen werden noch vielen Menschen große Sorgen bereiten. Die notwendigen Maßnahmen zur Eindämmung der Infektionen bringen unsere guten und schlechten Eigenschaften und Möglichkeiten ans Tageslicht. Plötzlich sieht man: Es gibt die fürsorglichen Menschen, denen auch die Gesundheit anderer am Herzen liegt. Und es gibt egoistische Charaktere, die für sich eine Freiheit fordern, die für alle gefährlich wird. Und nicht immer ist ganz einfach zu sagen, wo zwischen den beiden die Grenzen verlaufen. Denn es gibt nicht nur eine Lösung und welche Maßnahmen die wirksamsten sind, weiß niemand hundertprozentig.

Währenddessen Terror in Frankreich. Menschen lassen ihr Leben, weil sie in einer Kirche beten oder weil sie mit Jugendlichen über Mohammed-Karikaturen diskutieren.

„Die Welt liegt im Argen.“ Dieses Urteil über die Welt ist längst nicht überholt. Wie Friedrich der Große, diese Antwort des Schülers gehört hat? Wir wissen es nicht. Aber dieser schlagfertigen Antwort konnte er eigentlich auch nur zustimmen, denn er misstraute im Allgemeinen den Menschen, die Gegenwart seiner Hunde war ihm allemal lieber.

Aber ohne die Menschen kommt man nicht raus aus dem argen Zustand der Welt. Doch auf wen hören sie? Wer hätte heute die moralische Autorität ihnen Wege vom Argen zum Guten zu weisen, vom Hass zum Vertrauen, vom Krieg zum Frieden. Der evangelische Theologe Dietrich Bonhoeffer hatte 1934 die Vision, dass die Kirchen der Welt gemeinsam dazu imstande wären. Bei einer Friedenstagung auf der dänischen Insel Fanø sagte er diese vielbeachteten Sätze:

„Wie wird Friede? Wer ruft zum Frieden, dass die Welt es hört, zu hören gezwungen ist?, dass alle Völker darüber froh werden müssen? ...

Nur das Eine große ökumenische Konzil der Heiligen Kirche Christi aus aller Welt kann es so sagen, dass die Welt zähneknirschend das Wort vom Frieden vernehmen muss und dass die Völker froh werden, weil diese Kirche Christi ihren Söhnen im Namen Christi die Waffen aus der Hand nimmt und ihnen den Krieg verbietet und den Frieden Christi ausruft über die rasende Welt.“ (1) Ich denke, 86 Jahre später ist es an der Zeit, dass sich die Christen aller Konfessionen darüber einig werden, wie der Frieden Christi einer Welt, die in vielerlei Hinsicht im Argen liegt, bezeugt und gelebt werden kann. (#wieleben)

 

Friede sei mit Ihnen an diesem Tag, Ihr Pfarrer Rüdiger Schnurr aus Siegen.

 

 

 

 

( 1 ) London 1933-1935, DBW Band 13, Seite 300 f (DBW: Dietrich Bonhoeffer Werke).

 

Mehr Informationen zu einem guten Leben mit und in Krisen:

ARD-Themenwoche: #wieleben
https://www.rbb-online.de/themenwoche/

 

 

Redaktion: Landespfarrerin Petra Schulze

 

 

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