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Kirche in WDR 3 | 12.01. 2019 | 07:50 Uhr

Du bist

2018 - Ein dramatisches, ja ich würde sagen ein schreckliches Jahr für die Katholische Kirche und für viele Menschen, an denen sich die Kirche versündigt hat.

Ich spreche von den Veröffentlichungen über den sexuellen Missbrauch in der Kirche in Deutschland, zuvor in Chile, den USA, in Irland. Unfassbare Verbrechen, jahrzehntelange Vertuschung, der Schutz der Organisation wurde vor den Schutz der Opfern gestellt; dann ein hilfloser Umgang der Verantwortlichen mit dem Thema in der Öffentlichkeit.

Und zwischendurch noch das: Papst Franziskus, der viel Schwung in seine Kirche gebracht hat, ja der mit der Kirche hart ins Gericht ging und Hoffnungen auf Reformen nährte, er produzierte selbst Negativschlagzeilen: Abtreibung bezeichnete er als „Auftragsmord“ – welch ein skandalöser Vergleich –, Homosexualität nannte er eine als „Modeerscheinung“ – was für eine diskriminierende Aussage. Und dann wurde aus dem Vatikan dem Theologie-Professor Pater Ansgar Wucherpfennig in Frankfurt St. Georgen die Amtszeit als Rektor nicht verlängert. Hintergrund war, dass sich Pater Wucherpfennig für Homosexuelle eingesetzt hat.

Schließlich scheint sich der Vatikan selbst zu zerfleischen: Da wird Papst Franziskus auch selbst offen attackiert: er halte es mit Lehre nicht so genau, ja eigentlich sei an der Spitze der Kirche ein Häretiker. Und so wundert es nicht, dass Insider von einen Kampf berichten, der in der Kirche tobt. Was für eine Lage!

Jedenfalls ist bei vielen Katholiken mittlerweile die Loyalität hart auf die Probe gestellt – bei konservativen ebenso wie bei Progressiven – um es auf dies beiden Pole einmal zu reduzieren. Viele Katholiken gerade in Deutschland diskutieren die Frage, wie lange sie noch Mitglied in dieser Kirche sein können oder noch wollen. Manche haben nun endlich einen Schlussstrich gezogen und sind ausgetreten. Kämpferische Kirchenkritiker triumphieren, die Kirche zerstöre sich selbst. Was ist bloß los mit dieser Kirche?

2018 – ein schreckliches Jahr für die Katholische Kirche. Vielleicht wird das Jahr 2018 tatsächlich aber zu einem Wendepunkt. Es gibt Ereignisse, hinter die gibt es kein Zurück mehr, hat Bischof Franz-Josef Overbeck aus Essen vor einiger Zeit gesagt.

Für mich zeichnet sich ab: Fragen, die seit langem gestellt werden, erhalten eine neue Dringlichkeit: die Frage nach Macht und Machtteilung in der Kirche, die Frage nach der Sexualität, besonders der Homosexualität, nach der Lebensform der Priester, das Verhältnis von Klerikern und Laien, die Rolle der Frau. Kluge Vorschläge zur Beantwortung all dieser Fragen liegen schon lange auf dem Tisch. Wie viele Menschen in der Kirche bin auch ich davon überzeugt, es wird Zeit für sichtbare Veränderungen, selbst wenn das Konflikte, ja neuen Streit bringt. Streit hat – wenn er fair geführt wird –immer etwas Klärendes. Und es müssen sich diese Fragen in der Kirche klären.

Ja, es muss etwas passieren. Ich jedenfalls werde bleiben, mitwirken und mich einbringen! Warum? Weil das Evangelium für mich eine „gute Nachricht“ ist. Dieser Botschaft verdanke ich lebensprägende Erfahrungen. Christ bin ich aus freiem Entschluss – ohne den, wäre mein Glaube nichts wert. Es ist für mich befreiend, dass die Botschaft des Evangelium nicht lautet: „Du musst“, sondern: „Du bist“ (Klaus Müller). Die Botschaft: „Du bist!“ heißt für mich: Ich muss mich nicht beweisen! Ich bin von Gott geliebt – ohne Vorleistungen zu erbringen.

Und deshalb engagiere ich mich auch weiter in dieser Kirche.

Aus Essen grüßt Sie Markus Potthoff.

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