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Choralandacht | 16.02.2019 | 07:50 Uhr

„Du hast uns, Herr, gerufen“(eg 168)

Autor: In der altehrwürdigen St.Petri Kirche mitten in der Stadt Soest gibt es viermal im Jahr am Sonntagnachmittag einen besonderen Gottesdienst. Petri Nova heißt er, statt Kanzelpredigt durch einen Talarträger gibt es Geschichten und Meditationen, Theaterszenen und Aktionen. Und all das kann nach dem Gottesdienst bei einem Imbiss noch locker im Gespräch fortgesponnen werden. Wichtig auch: es gibt viel Musik und neue Lieder, die meistens nicht im dicken Evangelischen Gesangbuch stehen. Das erste Lied freilich steht drin - jedesmal bei Petri Nova wird nämlich die erste Strophe von Nummer 168 gesungen:

Musik 1 (Chor, Bläserchor) Du hast uns, Herr, gerufen, und darum sind wir hier./ Wir sind jetzt deine Gäste und danken dir.

Autor: Im Petri-Nova-Gottesdienst begleitet allerdings kein Posaunenchor den Gesang, auch keine Kirchenorgel. Es spielt eine Band. Ganz nach dem Sinn von Pastor Kurt Rommel, der vor über 50 Jahren Text und Melodie zu diesem Lied geschrieben hat. Leidenschaftlich gern stand er im Talar auf der Kanzel, spielte im Posaunenchor mit und saß ebenso gern an der Orgel - und er hat gleichzeitig mit Begeisterung in seinen württembergischen Kirchengemeinden Gottesdienste in der Art von Petri Nova initiiert. Vor einem halben Jahrhundert durchaus noch ein Wagnis! Sein Ideal war es, gleichzeitig für Kinder und Erwachsene zu schreiben. Lieder wie dieses:

Musik 2 (Klaviersatz von Jan Janca),

overvoice Sprecher: Du hast uns, Herr, gerufen, und darum sind wir hier. Wir sind jetzt deine Gäste und danken dir. /Du legst uns deine Worte und deine Taten vor. Herr, öffne unsre Herzen und unser Ohr. / Herr, sammle die Gedanken und schick uns deinen Geist, der uns das Hören lehrt und dir folgen heißt.

Autor: Gottesdienst feiern heißt, Gottes Gastfreundschaft zu genießen. Als Gastgeschenk habe ich vielleicht nur meinen durch Alltagsgrau zerstreuten Geist mitgebracht. Und da steht nun keiner vorn, der mir zuraunzt: “Nun konzentrier dich mal!“ Gott sammelt meine Gedanken, macht mich hörfähig durch seinen eigenen Geist. Er setzt nicht voraus, dass ich ihm fromm Ohr und Herz öffne. Er hebt meine Verschlossenheit auf. Gottesdienst feiern heißt vor allem, sich von Gott dienen zu lassen. Seine Worte und Taten legt er uns vor, so heißt es im Lied. Wie ein Kellner uns also im Restaurant bedient und uns die Speisen vorlegt für die hungrigen Mägen - so dient uns Gott im Gottesdienst mit der aufgeschlagenen Bibel. Ohr und Herz können sich gleichsam sattessen an der Fülle der darin köstlich zubereiteten Begegnungen mit Gott. Für Kurt Rommel ist jeder Gottesdienst offenbar eine glückliche Wiederholung von dem, was am Ende des Matthäusevangeliums erzählt wird. Die Jünger von Jesus waren den heiligen Berg hochgegangen, um dort verabredungsgemäß dem Auferstandenen zu begegnen. Wir wissen, dass sie nicht mit kräftig ausschreitendem Glaubensmut nach oben gekommen waren…

Musik 3 (Vorspiel von Jan Janca)

Sprecher: Die elf Jünger gingen nach Galiläa auf den Berg, wohin Jesus sie beschieden hatte. Und als sie ihn sahen, fielen sie vor ihm nieder; einige aber zweifelten. Und Jesus trat herzu, redete mit ihnen und sprach: Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden.

Autor: „Du hast uns Herr, gerufen und darum sind wir hier“: einige der Jünger können dann nur fortsetzen: „Und was wir dir mitgebracht haben, das ist bloß dieses verschlossene Zweifelherz.“ Keineswegs reagiert Jesus darauf mit einem „Na dann eben nicht!“ Ausdrücklich heißt es: “und er trat hinzu“ - also gerade auch zu den Zweiflern. Und dann öffnet er mit himmlischer Energie durch seine Worte die verrammelten Zweifeltüren und schickt die Jünger mit sattem Herzen den Berg wieder hinunter in die Welt. Genau dies wiederholt sich für Kurt Rommel tatsächlich in jedem Gottesdienst. Spürbar wird das an der Fortsetzung seines Lieds, von ihm geschrieben, um am Ende eines Gottesdienstes gesungen zu werden:

Musik 1 (Chor/ Bläserchor) von: Wenn wir jetzt weitergehen, dann sind wir nicht allein. Der Herr hat uns versprochen, bei uns zu sein.

Autor: Mit dieser Strophe nimmt Rommel Jesus beim Wort, exakt bei dem Wort, das der seinen Jüngern auf dem Berg mit auf den Weg gibt: Sprecher: Darum gehet hin und lehret alle Völker: Taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe. Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende. Autor: Für Rommel ist wichtig, dass dieses „Ich bin bei Euch!“ kein Privatbesitz der Frommen ist! Am Ende seines Lebens hat er eine Art „Privatisierung in der neuesten Lieder-Entwicklung“ befürchtet und dazu geschrieben:

Sprecher: „…doch wenn die Öffnung nach Draußen fehlt, wenn der Missionsbefehl „Geht hin in alle Welt!“ oder „Gott liebt diese Welt!“ nicht beachtet wird, dann fehlt das Ziel. … solange uns der Friede auf der Welt gleichgültig ist, solange nützen uns schöne Glaubenslieder, und seien es Lobpreislieder, und die Hoffnung auf Erlösung am Ende der Tage nichts.“

Autor: Diese „Öffnung nach Draußen“ ist keine moralische Forderung von Jesus an uns, diese Öffnung macht er vielmehr durch sein Mitgehen erst möglich. Deswegen lauten die beiden letzten Strophen:

Musik 4 (Improv.)

overvoice Sprecher: Wir nehmen seine Worte und Taten mit nach Haus und richten unser Leben nach seinem aus. /Er hat mit seinem Leben gezeigt, was Liebe ist. Bleib bei uns heut und morgen, Herr Jesu Christ.

Autor: Ein Herz, das satt und stark gemacht wurde durch Worte und Taten von Jesus, das kann sich deswegen stark machen zum Beispiel für Kinder, die man nicht respektiert, für Kranke, die sonst gemieden werden, für Ausgegrenzte und Schuldige, die erstmal nur jemanden brauchen, der sich zu ihnen hockt und mit ihnen isst und redet. Kurt Rommel hat einmal ein einfaches Bild dafür gefunden, wie das ist mit der Liebe, die man kriegt und nicht für sich allein behalten kann:

Sprecher: Die Liebe ist wie ein Schneeball: behalten wir ihn in der Hand, dann schmilzt er, rollen wir ihn im Schnee weiter, dann wird er größer.

Autor: In den Worten und Taten von Jesus steckt Gottes Liebe, durch sie ist er auch angeeckt, sie hat ihn an´s Kreuz gebracht - und Gottes Liebe ist zugleich die Auferstehungs-Energie, die dafür sorgt, dass der Schneeball nicht schmilzt. Kurt Rommel hat dies auf seine Weise leben können. Nur ein Beispiel: als Rommel im Frühjahr 2011 gestorben war, da fand zeitgleich zu seiner Beerdigung in Fellbach eine Andacht in der Evangelischen Gemeinde von Beit Jala bei Bethlehem statt - dort hatte sich Rommel intensiv für ein Begegnungszentrum für jugendliche Muslime, Juden und Christen eingesetzt. Auch so wurde Gottes Schneeball-Liebe weitergerollt. Wir rollen sie auf unsere Weise weiter. Wir können das, weil Gott uns dient. Mit besonderen Gottesdiensten wie Petri Nova, mit ganz normalen am Sonntagmorgen, die genauso die Herzen sattmachen. Und Gott dient eben auch nach den Gottesdiensten mit seinen Worten und Taten, die wir in unserem Lebensalltag dann meist ganz unspektakulär weiterreichen können. Am Ende seines Lebens hat Rommel ein dickes Buch mit seinen gesammelten Liedern herausgebracht. Als Titel wählte er: „Der große Gottesdienst“, nach eigenem Bekunden wollte er damit zeigen, „dass unser ganzes Leben Gottesdienst ist“. Na, wenn das so ist…

Musik 5 (Intonation Schiebe)

Literatur:

Kurt Rommel: Kirche, Kino, Spiel und Lied. Mein Leben mit der Gemeinde, München 2013 Heinz Dietrich Metzger: „Du hast uns, Herr, gerufen“, in: Liederkunde zum Evangelischen Gesangbuch, Heft 17. S. 9-14

Musikinformationen:

Musik 1:

CD-Name: Lieder aus dem Evangelischen Gesangbuch

-Mit Herzen Mund und Händen

Titel: Du hast uns, Herr, gerufen, Chor und Bläser

Track:14

Interpret: Schwäbischer Posaunendienst, Göppinger Kammerchor

Leitung: Schwäbischer Posaunendienst: Erhard Frieß

Leitung: Göppinger Kammerchor: Jörg Sander

Künstlerische Gesamtleitung: Siegfried Bauer

Komponist: Kurt Rommel 1967

Texter: Kurt Rommel 1967

Verlag: Evangelisches Medienhaus GmbH

LC-Nr.:03078

Label: Imatel Mediengesellschaft mbH

Best.Nr.: unbekannt

EAN: unbekannt

Länge der verwandten Musik: 0.58

Musik 2:

CD-Name: Eigene Aufnahme des Komponisten

Titel: Klaviersatz zu eg 168

Interpret: Christian Casdorff, Klavier

Komponist: Jan Janca

Texter:---

Verlag: Klaviersatz zu eg 168, Noten: Carus Verlag

LC-Nr.:---

Label: ---

Best.Nr.: ---

EAN: ---

Länge der verwandten Musik: 0:39

Musik 3:

CD-Name: Eigene Aufnahme des Komponisten

Titel: Vorspiel zu eg 168

Interpret: Christian Casdorff, Klavier

Komponist: Jan Janca

Texter: ---

Verlag: Vorspiel zu eg 168, Noten: Carus Verlag

LC-Nr.: ---

Label: ---

Best.Nr.: ---

EAN: ---

Länge der verwandten Musik: 0:40

Musik 4:

CD-Name: Eigene Aufnahme des Komponisten

Titel: Improvisation zu eg 168

Interpret: Christian Casdorff, Klavier

Komponist: Jan Janca

Texter:----

Verlag:----

LC-Nr.:---

Label:---

Best.Nr.---

EAN:---

Länge der verwandten Musik: 0:27

Musik 5:

CD-Name: Eigene Aufnahme des Komponisten

Titel: Intonation zu eg 168

Interpret: Christian Casdorff, Klavier

Komponist: Friedemann Schiebe

Texter: ---

Verlag: ---

LC-Nr.:---

Label:---

Best.Nr. ---

EAN: ----

Länge der verwandten Musik: 0:26

Länge gesamter Beitrag: 9:30

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