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Kirche in WDR 5 | 01.07.2019 | 06:55 Uhr

Ehrlichkeit

Guten Morgen!

Sie ist eine liebenswürdige alte Dame in unserer Nachbarschaft: Oma Paulsen. Ab und zu besuche ich sie. Oma Paulsen ist quicklebendig, aufmerksam und hoch interessiert an allem, was um sie herum geschieht. Heute bietet sie ihrem Gast Ingwertee mit Honig an. Sie gibt eine Ingwerwurzel in eine Teekanne, gießt sie halbvoll mit heißem Wasser und füllt den Rest mit Honig auf. Mit strahlendem Lächeln serviert sie das pappsüße Getränk. Es ist ungenießbar.

Wie soll ich mich verhalten? Ehrlich sein? Höflich lügen? Das Gebräu heimlich in der Küche wegschütten?

Mit der Ehrlichkeit ist es manchmal nicht so einfach. Sage ich die ungeschminkte Wahrheit, kann das hart sein, brutal sogar. Wahrheit kann verletzen und wehtun. Doch die höfliche Lüge, in diesem Fall ein Kompliment über den ungenießbaren Ingwertee mit Honig, diese höfllche Lüge erzeugt bei mir einen inneren Widerstand. Bedeutet sie doch, einen Menschen nicht ernst zu nehmen. Ihm die Wahrheit vorzuenthalten, weil sie ihn vielleicht verletzen könnte.

Natürlich will ich niemanden verletzen. Wahrheit ist manchmal brutal, doch Unwahrheit, Behauptung falscher Tatsachen, fake news – das richtet Schaden an. Lügen zerstören Vertrauen. Verleumdung beschädigt Menschen und vergiftet das Zusammenleben. Wenn man sich nicht gegenseitig auf die Wahrheit verlassen kann, fehlt dem menschlichen Miteinander eine wesentliche Grundlage.

Aber wo fängt das an? Wann wird aus einem harmlosen Schwindel eine Lüge? Die deutsche Sprache kennt viele Ausdrücke in dieser Richtung: flunkern, sohlen, mogeln, krücken, kohlen. Es kann Situationen geben, wo gerade die Liebe es gebietet, die Wahrheit abzumildern, einzudämmen, schonend zu verpacken. Wenn ich in meinem Gegenüber einen Menschen sehe, der - wie ich – von Gott geliebt wird, dann wird diese Liebe auch zwischenmenschlich eine Rolle spielen. Wahrheit und Liebe gehören nämlich zusammen. Ich habe die Freiheit, mit der Wahrheit bei der Liebe zu bleiben. Und mit der Liebe bei der Wahrheit. Für diesen Weg gibt es keine immer gültigen, idealen Regeln. Ich muss ihn immer wieder neu suchen. Die Liebe hilft mir bei dieser Suche.

Zurück zu Oma Paulsen. Wenn ich ihr offen und ehrlich sage, dass ihr pappsüßer Ingwertee ungenießbar ist, wird sie vielleicht enttäuscht sein, womöglich gekränkt. Schließlich hat sie das ungewöhnliche Getränk liebevoll für mich zubereitet. Vielleicht kann ich einen kleinen Schluck nehmen von ihrem Gebräu. Und den Rest stehen lassen. Falls sie fragt, ob ich es mag, freundlich antworten: Es ist wohl ein bisschen süß geraten. Das Gespräch dann auf ein anderes Thema bringen. Ihr auf andere Weise zeigen, dass ich sie gerne besuche.

Dass Ihnen heute Wahrheit und Liebe zusammen begegnen, wünscht Ihnen Ihr

Andreas Duderstedt aus Bielefeld

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