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Hörmal | 25.10.2020 | 07:45 Uhr

Eine unglaubliche Geschichte

Seit dem 18. Lebensjahr ist Carsten alkoholkrank. Dazu Medikamenten abhängig. Zwei Mal Knast, zweimal beinahe tot. Immer wieder Therapien. „Das eine ist, trocken zu werden. Das andere: trocken zu bleiben.“

 

Der Theologe Paul Tillich hat mal gesagt: „Die Grenze ist der eigentliche Ort der Erkenntnis“.

Der Umgang mit Grenzen ist die Bewährungsprobe fürs Leben. Nicht der Alltag. Es sei denn, der Alltag ist „grenzwertig“, weil er Leben gefährdet. Wie bei Flüchtlingen, die ihre Heimat verlassen und in einem doppelten Sinn Grenzen überwinden müssen. Oder wie bei Suchtkranken, die aus der Spirale ihrer Abhängigkeit nicht mehr rausfinden.

 

Irgendwann bekommt Carsten Kontakt zu den Anonymen Alkoholikern. Er kann hier über seine Grenzen reden. Hier sind Menschen, die wissen, wovon er redet. Aus eigener Erfahrung. Sie kennen auch die spirituelle Dimension von Veränderungen und Heilung. In den zwölf Schritten der Anonymen Alkoholikern wird das ausdrücklich so genannt. Der Glaube an eine höhere Macht, der Glaube an Gott helfe, die eigene geistige Gesundheit wiederherzustellen. Dazu gehöre eine ehrliche Bestandsaufnahme der eigenen Grenzüberschreitungen und evtl. Wiedergutmachungen. Die Bitte, Gottes Willen im Alltag zu erkennen und zu leben.

 

Plötzlich steht der Riesenkerl vor mir. Wir kennen uns aus dem Knast. Ich war dort Gefängnisseelsorger. Carsten will getauft werden. Einen passenden Taufspruch hat er bereits aus der Bibel ausgesucht: „Alle Dinge sind möglich dem, der glaubt“ (Mk. 9, 23). Die Freundinnen und Freunde bei den AAs hätten ihm zu dieser Erkenntnis verholfen.

 

 

Dieser Satz steht im Markusevangelium: Ein verzweifelter Vater bringt seinen kranken Sohn zu Jesus. eine besondere Form der Epilepsie. Damals vermuten die Menschen böse Geister hinter seinen Krampfanfällen. Der Vater sagt zu Jesus: „Wenn du irgendwas tun kannst, dann hilf uns!“ Jesus antwortet: „Alle Dinge sind möglich dem, der glaubt!“ Daraufhin schrie der Vater verzweifelt: „Ich glaube! Hilf meinem Unglauben!“

 

Jesus nimmt den Jungen an die Hand und lässt ihn aufstehen. Eine irre Geschichte. Auch eine Geschichte zwischen Tod und Leben. Glaube und Heilung fallen hier irgendwie zusammen.  Und: Es gibt keinen Glauben ohne Zweifel! Und: Es gibt keinen Zweifel ohne Glauben!

Carsten hat so etwas Ähnliches erlebt. Befreiung.

Seit zehn Jahren ist er trocken. Heute hält er Vorträge in Schulklassen, Krankenhäusern und Seniorenheimen. Er diskutiert auf Podien mit Politikern und kommt mit seiner unfassbaren Geschichte in Deutschland rum. Einen Monat nach der Taufe beginnt er eine Ausbildung zum Betreuungsassistenten. Die Arbeit mit den alten Menschen macht ihm Freude. Die alten Menschen lieben ihn.

Eine unglaubliche, eine wunderbare Geschichte.

 

Redaktion: Pastorin Sabine Steinwender-Schnitzius

 

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