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Kirche in WDR 4 | 12.02.2020 | 08:55 Uhr

Einen Menschen lieben

Sprecherin: „Was tun Sie“, wurde Herr K. gefragt, „wenn Sie einen Menschen lieben?“ „Ich mache einen Entwurf von ihm“, sagte Herr K., „und sorge dafür, daß er ihm ähnlich wird.“ „Wer? Der Entwurf?“ „Nein“, sagte Herr K., „der Mensch.“ (1)

Autor: Ertappt! Diese Kalendergeschichte von Bert Brecht hat es in sich! Wunderbar ist diese kleine Geschichte. Erfrischend. Humorvoll. Mit Tiefgang. Und biblisch noch dazu. Denn die Moral von der Geschicht‘?

Ein Mensch ist immer mehr als das Bild, das ich mir von ihm gemacht habe. Oder anders herum: Die Liebe macht sich kein Bild vom Andern.

In den Zehn Geboten heißt es deshalb auch: „Du sollst dir kein Bildnis machen!“ Kein Bildnis von Gott. Und damit auch keines seiner Ebenbilder, der Menschen. Denn Gott selbst, der in Christus Mensch geworden ist, ist immer größer als der Entwurf, den ich mir von ihm gemacht habe. Wie schnell bin ich mit Gott fertig. Vor allem dann, wenn ich merke: Er passt nicht in das Bild, das ich mir von ihm gemacht habe. Er ist nicht zu verstehen. Er handelt nicht so, wie ich es erwarte. Gott ist größer. Ist anders, als ich ihn mir vorstelle.

Bert Brecht, der Autor der kleinen Geschichte von Herrn K., entlarvt mit einem Augenzwinkern, wie schwer das mit der Liebe ist. Der Liebe zu Gott und den Menschen. Liebe – das heißt offenbleiben für das, was der andere oder die andere wirklich ist. Mir nicht vorschnell ein festes Bild machen. Liebe will zuerst den anderen verstehen und ihn nicht mit festen Vorstellungen in Beton gießen.

Im Alltag klingt das dann zum Beispiel so: „Du machst ja immer…“ oder: „Immer, wenn du… dann“.

Besser ist es, wenn ich versuche, genau zu sagen, was mich jetzt gerade stört, oder wie es mir jetzt gerade geht. Dann brauche ich nicht so einen Rundumschlag zu machen. Ist auch besser für den Haussegen.

Nicht selten aber haben solche Verallgemeinerungen eher etwas mit mir selber zu tun, als mit dem anderen. Zum Beispiel dann, wenn ich es in der Vergangenheit versäumt habe, zu sagen, was mich stört. Aus Bequemlichkeit. Oder auch um des lieben Friedens willen. Nur: Woher soll der andere das wissen, dass ich dies oder das nicht mag, wenn ich es nicht mitteile?

Wie heißt es so schön? Sprechenden Menschen kann geholfen werden. Betenden Menschen übrigens auch.

Deswegen heißt mein Gebet an diesem Mittwochmorgen: Gott, du bist ganz und gar Liebe. Bewahre mich davor, mir ein allzu festes Bild von meinen Mitmenschen zu machen. Lass mich lieber offen bleiben dafür, dass mein Mitmensch anders ist, als ich es mir in meinem Entwurf zurechtgelegt habe.

Gott mit Ihnen an diesem Tag – das wünscht Ihnen Pfarrer Frank Küchler aus Marialinden.

 

(1) Quelle: Bertolt Brecht: Geschichten vom Herrn Keuner, Frankfurt a.M. 1971, S. 33.

 

Redaktion: Landespfarrerin Petra Schulze

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