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Kirche in WDR 2 | 03.09.2019 | 05:55 Uhr

Gottessuche

Erika Kerstner ist online gegangen, als das Internet noch für viele „Neuland“ war. Sie hat das zum Thema gemacht, was die Kirche seit geraumer Zeit mit voller Wucht beschäftigt: Vergewaltigung und Missbrauch.

Erika Kerstner ist selbst Betroffene. Sie geht mittlerweile auf die 70 zu. Vor fast 20 Jahren hat sie angefangen, Vernetzung im Netz anzubieten: für Menschen, die durch Missbrauch traumatisiert sind.

Wenn man so will, war sie die erste „Online-Seelsorgerin“ zu dem Thema. Und zwar nicht im Auftrag der Kirche, sondern ganz privat. Denn die Kirche hat das lange Zeit ausgeblendet:

Seelsorge für Menschen, die Vergewaltigung oder Missbrauch erlebt haben. Seit vor einem Jahr die Ergebnisse „Missbrauchsstudie“ veröffentlicht wurden, ist klar: Die katholische Kirche hat hier ein riesiges Problem. Und viele Betroffene fühlen sich in ihren Bedürfnissen nicht wahrgenommen oder sogar vereinnahmt, wenn sie hören, wie über das Thema „Sexualisierte Gewalt“ gesprochen wird.

Erika Kerstner hat sich schon im Jahr 2000 gesagt: Es muss doch eine Anlaufstelle für diese Menschen geben. Warum nicht im Netz? Und so hat sie eine geschützte Mailingliste gestartet, und dann regelmäßige Treffen – vor allem für Frauen, die Gewalterfahrungen gemacht haben. Erika Kerstner hat mit diesem Zugang den Betroffenen ermöglicht, über ihre Erfahrung zu sprechen und zu schreiben. Und für Erika Kerstner war wichtig, dass auch die kritischen Anfragen auf den eigenen Glauben Platz haben. Denn Missbrauch ist für die Betroffenen auch eine spirituelle Krise. Die Frage, warum Gott dieses Leid zulässt, stellt sich fast jedem gläubigen Opfer. Deswegen heißt die Initiative auch „Gottessuche“.

2012 hat sie mit zwei Kolleginnen ein Buch zu Seelsorge mit Traumatisierten herausgegeben – eine Hilfe für Seelsorgerinnen und Seelsorger, die bei diesem heftigen Thema oft verunsichert sind.

Ich bewundere Erika Kerstner für ihren Einsatz. Und ich schäme mich fast dafür, dass sie als Privatperson das spirituelle Anliegen der Betroffenen mehr im Blick gehabt hat, als die katholische Kirche, für die ich arbeite.

In diesen vielen Jahren hat Erika Kerstner eins gelernt: Die Begleitung Betroffener muss von Kirchenseite besser werden. Es braucht ein „hörendes Umfeld“ und Ansprechpartnerinnen oder –partner vor Ort, die wissen, was sie tun. Ganz wichtig: Es braucht Unabhängigkeit, damit für die Betroffenen wirklich Partei und Position ergriffen werden kann, ohne Angst vor Vereinnahmung.

Damit dieser private, überlebenswichtige Dienst aber weiter angeboten werden kann, braucht es Unterstützung – am besten deutschlandweit.

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