#
Aktuelles

Beiträge auf: wdr3 

katholisch

Kirche in WDR 3 | 26.12.2020 | 07:50 Uhr

Engelheere

„Und plötzlich war bei dem Engel ein großes himmlisches Heer.“ Steht so in der Weihnachtsgeschichte. Und zur Zeit stehen sie auch so in manchen Wohnzimmern, Schaufenstern und Versandkatalogen. Ohne Ende Engel. Und die sehen sich alle sehr ähnlich. Junge Männer, wenn nicht gar kleine Kinder, silbern, golden oder vornehmlich weiß gekleidet und natürlich mit Flügeln. Flügel müssen sein, findet auch meine 9-jährige Tochter und philosophiert weiter: „Es könnten auch alte Omas sein, aber Flügel müssten sie schon haben.“

Und das trifft sich erstaunlicherweise ganz gut mit der Geschichte der Engeldarstellungen. Denn ob Sie nun in der Bibel nachlesen, oder bei Darstellungen im alten Orient nachforschen: schon damals hatten Engel Flügel. Und Federn an den Armen trugen auch die Gottheiten in Ägypten. Eher weiblich oder männlich, eher klein oder groß, eher alt oder jung – das spielte keine große Rolle. Insofern hat meine Tochter da erst einmal recht, wenn sie auch Omas mit Flügeln das Recht gibt, sich Engel nennen zu lassen. Und für die Flügel hat sie auch eine ganz erstaunliche Erklärung. „Das sind Taubenflügel. Die sind vom Heiligen Geist geliehen. Engel kommen ja schließlich auch von Gott, eben wie der Geist.“ Da bin ich ein bisschen platt. Von mir hat sie das jedenfalls nicht. Aber ich finde den Gedanken richtig gut. Engel tragen so den Geist Gottes vom Himmel in die Welt zu den Menschen. Dafür leihen sie sich – im bildlichen Sinne – die Taubenflügel. Und dann hängt die 9-Jährige noch einen Satz dran: „Vielleicht werde ich ja auch mal ein Engel. Aber ich glaube, dafür muss ich erst einmal tot sein.“

Instinktiv schüttle ich da den Kopf. Nein, das glaube ich dann irgendwie doch nicht. Nicht nur, weil ich sie auch schon mal Engelchen nenne. Sondern weil ich glaube, dass jeder Mensch zu einem Engel Gottes werden kann, zum Träger einer göttlichen Botschaft.

Und das sage ich nicht aus dem hohlen Bauch heraus, sondern auf der Grundlage des biblischen Befunds: Engel sind in der Bibel immer etwas rätselhafte Wesen. Sie tauchen plötzlich auf, sind in bestimmten Situationen einfach so da – und verschwinden dann oft ohne viel Aufhebens. In der Bibel sind die Engel also nur kurzzeitig da, an ihre Aufgabe gebunden. Bibelwissenschaftler formulieren das so: „Der Engel kommt ins Sein mit seinem Auftrag und er vergeht mit der Erfüllung seines Auftrags. Seine Existenz ist Botschaft.“ Also streichen Sie aus Ihrem Kopf den himmlischen Gottesstaat mit Engeln, die nur darauf warten, gesendet zu werden. Zumindest in der Bibel steht davon nichts. Aber durchaus biblisch ist die Vorstellung, dass sich ein Engel mal so vorübergehend in einem anderen Menschen zeigt. Ist ja nicht völlig abwegig der Gedanke. „Du bist ein Engel!“, könnte dann für einen Moment durchaus stimmen.

Heute wie in der Bibel erinnern Engel Menschen an das, was jetzt in ihrem Leben richtig und wichtig ist, was Gott von ihnen will, sie begleiten und schützen, sie stehen zur Seite. Sie schwingen keine großen Reden. Aber sie erinnern daran, dass jede und jeder eben auch ein bisschen Himmel braucht. Deshalb ist es doch gut, dass die Weihnachtsgeschichte von einem richtig großen Heer von Engeln spricht. Wir können gerade gar nicht genug davon haben.

Einen schönen zweiten Weihnachtsfeiertag wünscht Ihnen Christoph Buysch aus Krefeld.

katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen