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Kirche in WDR 5 | 06.08.2019 | 06:55 Uhr

Erinnern

Guten Morgen!

Sich zu erinnern ist wichtig, auch wenn es nicht immer leicht fällt.

Heute wird weltweit an den Abwurf der ersten Atombombe über Hiroshima erinnert. Das ist genau 74 Jahre her und hat enormes Leid über die Menschen in Japan gebracht. Die Bombe zerstörte ca. 80 % der Stadt und riss auf einen Schlag 90.000 Menschen in den Tod. An den Spätfolgen der Explosion starben danach noch einmal ca. 150.000 Menschen. Drei Tage später erfolgte der zweite Atombombenabwurf über Nagasaki. Über 60.000 weitere Menschen fanden hier den Tod. Sechs Tage danach gab der Kaiser die Beendigung des „Großostasiatischen Krieges“ bekannt. Und mit der Kapitulation Japans endete dann am 2. September 1945 der Zweite Weltkrieg endgültig.

Seit 1947 ertönt in Hiroshima am 6. August um 8.15 Uhr, dem Zeitpunkt des Abwurfs, eine Glocke, um an das grauenhafte Ereignis zu erinnern. Die Zeit scheint einen Moment aufgehoben zu sein. Das öffentliche Leben erstarrt. Die Menschen bleiben stehen, gehen in sich und schweigen. In Erinnerung an die Opfer werden hunderte Laternen entzündet und auf dem Fluss Motoyasu in Hiroshima ausgesetzt.

Das ist alles weit weg und der Atombombenabwurf lange her. Aber auch wenn ich nicht direkt selbst betroffen bin, so werde ich doch mit dem heutigen Datum erinnert an diese Gräuel des Zweiten Weltkriegs, der von deutschem Boden ausging und bin verwiesen auf das Grauen, das Menschen einander zufügen können. Ich weiß: Es gibt wieder vermehrt Stimmen, die fordern, die Vergangenheit doch ruhen zu lassen, alles sei doch so lange her und wir könnten das Geschehene ja nicht mehr rückgängig machen. Wozu also noch an all das Negative erinnern?

Meine Antwort: Um der Opfer willen! Und meine Antwort orientiert sich dabei am großen Theologen Johann Baptist Metz.

Wir müssen die Gedanken an die Opfer der Geschichte wachhalten. Denn das Mitleiden mit den Opfern ist die Voraussetzung für die Erwartung von Heil und Erlösung. Metz nennt das: Memoria Passionis, Leidenserinnerung. Und er geht noch weiter und beschreibt die Bedeutung von Leidenserinnerung: Erst in dem Augenblick, wo sich ein jeder das Leiden des Feindes vorstellt, gibt es Aussicht auf Frieden.[1]

Daher ist es wichtig, heute an den Atombombenabwurf zu erinnern. Und es ist auch wichtig, andere Gräueltaten der Geschichte nicht zu vergessen, oder sie gar, aufs Ganze gesehen, als nicht mehr erwähnenswert abzutun. Die Erinnerung ist wichtig, auch wenn es nicht immer leichtfällt, sich zu erinnern. Und das sage ich im vollen Bewusstsein, dass meine Geschichte als Deutsche mit dem zweiten Weltkrieg verbunden ist – auch wenn ich nichts direkt damit zu tun hatte, dafür bin ich zu jung.

Ich erinnere mich heute an den Abwurf der ersten Atombombe, weil ich die Opfer der Geschichte nicht erneut zu Opfern machen möchte, indem sie vergessen werden. Und ich erinnere daran, um mich damit für Frieden einzusetzen.

Aus Gladbeck grüßt Sie

 

Meike Wagener-Esser

 


 


[1] Assheuer, Jesus war Jude, in: DIE ZEIT, 31.07.2008 Nr. 32, zitiert nach: https://www.zeit.de/2008/32/Johann-Baptist-Metz.



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