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Kirche in WDR 4 | 22.06.2020 | 08:55 Uhr

Erquickliche Zeiten

Heute ist wieder Montag, und weil heute Montag ist ist das Wochenende leider auch schon wieder vorbei. Aber vielleicht ist das gar nicht so schlimm: denn am Freitag beginnen in Nordrhein-Westfalen die Sommerferien.

Gut, Sommerferien, das klingt in diesem Corona-Jahr womöglich etwas seltsam. Die Kinder sind monatelang nicht mehr in der KiTa gewesen, die Schulen sind im Notbetrieb – ob sich da überhaupt ein Feriengefühl einstellt? Abgesehen davon, dass viele Urlaubsplanungen im Sommer womöglich über den Haufen geworfen sind, weil das Reisen noch nicht oder nur ganz schwierig möglich ist. Zum Beispiel ins Ausland. Und viele Ferienfreizeiten und Zeltlager für Kinder und Jugendliche können nicht oder nur eingeschränkt stattfinden. Alles schwierig.

Gerade jetzt, wo Urlaub und Erholung so wichtig wären. In Krisenzeiten.

Mein erster Urlaub mit den Eltern war in so ner Krisenzeit. Ich war zehn Jahre alt. Kurz vorher war meine Oma gestorben. Sie war lange krank gewesen, und meine Mutter hatte sie zu Hause jahrelang gepflegt. Mit allem drum und dran. Damit war sie jahrelang voll an ihre Grenzen gegangen, und deswegen waren wir als Familie noch nie gemeinsam weg gefahren. Karneval war die Oma gestorben, und Ostern sind wir dann zum ersten Mal mit der Familie in die Ferien gefahren. Nach Holland, ans Meer. Diesen allerersten Urlaub werde ich nie vergessen. Denn zum ersten Mal habe ich meine Eltern in völlig anderen Rollen und Posen erlebt. Mein Vater, der sonst nie viel gelesen hat mit nem Buch über die Sagen des Altertums auf dem Sofa. Meine Mutter mit nem Kopftuch gegen den Wind am Strand und aufs Meer blickend. Spaziergänge in den Sonnenuntergang. Muscheln und Krebse suchen. Als hätte der Wind die Sorgen weggeblasen. Die Sonne all den Alltagsnebel aus den Köpfen herausgetrocknet.

Ich war ja noch ein Kind, und ich habe mich gefragt: Ist das real oder träume ich das gerade? So habe ich meine Eltern nicht gekannt. In einem fremden Land. Wie in einer anderen Zeit, einem anderen Raum. Es war neu und fremd, aber es hat mir gefallen.

Wahrscheinlich habe ich damals zum ersten Mal den Sinn von Urlaub, von Wegfahren und Reisen kapiert. Wie lebensnotwendig das ist: Abstand zu nehmen. Die Sorge um den Alltag abzugeben.

Ob mir damals zum ersten Mal das Wort „erquicken“ begegnet ist? Vielleicht. Erquicken ist jedenfalls ein wunderbares Wort. In seinem Klang steckt ja schon drin, worum es ihm geht: Nämlich durch einen Menschen oder eine Situation Belebung zu erfahren. Das Althochdeutsche Wort „queck“ steckt da drin. Lebendig, rege, munter bedeutet das. An einer Stelle legt die Bibel Jesus dieses Wort in den Mund: „Kommt alle zu mir, die ihr mühselig und beladen seid! Ich will euch erquicken.“

Nun war Jesus kein Reiseleiter. Aber er hatte ein Gespür für die Erschöpfung der Menschen. Und einen Sinn für Unterbrechung. Und dass es Menschen, Orte und Gelegenheiten geben muss, wo die Last abfällt, damit es leichter wird. Damit wieder Platz da ist für Lebendigkeit und Munterkeit.

Wie auch immer Ihre Ferien in diesem seltsamen Zeiten aussehen werden: Ich wünsche Ihnen erquickliche Zeiten. Die sind wichtig. Und dass sie bald beginnen. Vielleicht schon heute, am Montagmorgen.

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