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Kirche in WDR 2 | 30.07.2019 | 05:55 Uhr

Erziehungsratschläge

Ich hab mich im Internet in sie verliebt. Sie ist  mit einer Lebensfreude über die Wiese getapert, die mich berührt hat. „Das ist meine, jetzt oder nie,“ habe ich gedacht. Vier Wochen später bringt man Perla zu mir: die kleine Hündin aus dem polnischen Tierheim. Sie trägt ein olles Halsband mit Leopardenmuster. Ihr Fell aber ist seidig. Ich finde sie wunderschön. Ich hingegen bin Perla egal. Das teure Futter, das ich nach weitreichender Recherche gekauft habe, verschmäht sie. In den Hundeschulen fallen wir mit Pauken und Trompeten durch.

Schade, dass ich keine Fleischwurst bin, sonst hätte ich vielleicht eine Chance bei ihr. Aber ich bin keine und habe auch keine – denn Perla hat einen empfindlichen Magen. Sie hört Null,  ist aber in einer Sekunde von null auf 180, um dann in Terriermanier den Feind: den Hund, die Katze, den Vogel, den Traktor, das Reh, quasi alles mit einer verbalen Krawallattacke fertig zu machen:. Ich bin mächtig überfordert mit diesem Kraftbündel. Damit bin ich allerdings die Einzige. Alle anderen wissen genau, was ich tun soll. Sagt A unerwünschtes Verhalten solle ich ignorieren, meint B ich müsse das unbedingt unterbinden. Sagt C, ich solle immer ein Auge auf meinen Hund haben, meint D, man darf seinen Hund auf keinen Fall das Gefühl geben, er sei der Mittelpunkt. Ist für E das A und O, dass ich immer vor meinem Hund esse und durch die Tür gehe, findet F das alles völlig egal.

Von den vielen Hundeerziehungsratschlägen bekomme ich nicht nur grüne, blaue und ultraviolette Flecken. Ich überlege sogar, Perla wieder zurückzugeben. Stattdessen beginne ich, sie mit der Hand zu füttern. Als wir wenige Wochen später eine unschöne Begegnung mit einem Wespennest erleben, läuft sie zielsicher zu mir und lässt sich die Insekten aus dem Fell suchen. Da weiß ich: Meine Geduld hat sich gelohnt. Perla fängt an, mir zu vertrauen. Und mir wird klar: Ich habe einen besondern Hund mit Geschichte, einen den ich als Welpe nicht habe prägen können. Ich habe einen kleinen Hund, dessen Krawall ich jeder Zeit bändigen kann und der deshalb keine Gefahr darstellt. Und vor allem: Perla ist ein Hund, kein Kind. Nie wird sie ohne mich an der Leine laufen, aber daran habe ich mich gewöhnt. Nie wird sie immer still und geduldig sein, aber manchmal wäre ich ja selber gerne mehr Krawall und Remidimi. Ich bin sehr glücklich, dass ich mir die Zeit genommen habe und unser Ding gemacht habe. Es ist unser Leben und unsere Geschichte. Nie würde ich anderen ungefragt Erziehungsratschläge geben, erst Recht nicht ohne die Geschichte der Menschen und Hunde zu kennen. Auch wenn es mir auf der Zunge brennt, zu sagen: Sich Zeit geben und sich vertrauen ist alles. Egal ob Mensch oder Hund.

Redaktion: Sabine Steinwender-Schnitzius

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