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Kirche in WDR 3 | 21.03.2019 | 07:50 Uhr

Auf nach Galiläa

Auf nach Galiläa

Zehn Jahren ist das jetzt ungefähr her – da musste ich zu einem Seminar. Ich bereitete mich auf meine Weihe zum Diakonen. Und weil ich da künftig auch bei Hochzeiten assistieren würde, muss sich mein Bischof wohl gedacht haben: „Der Junge sollte ein wenig mehr über die Erfolgsbedingungen für eine gelingende Ehe wissen.“  Thema der Veranstaltung also: Wie können wir es schaffen, dass wir zusammenbleiben – und zwar gerne zusammenbleiben?

Der Referent begann mit einer Aufgabe. Wir sollten auf einer Skala von 1 bis 10 sagen, wie gut unsere eigene Ehe ist. 1 für: „Der Ofen ist aus.“ 10 für: „Wenn es noch besser wäre, dann wäre es unerträglich.“

Jetzt wollte es der Zufall, dass ich zufällig unmittelbar neben dem Referenten meinen Platz gefunden hatte. Und ich habe schnell gemerkt: Ich werde da wohl als erster antworten müssen... Aus der Vorstellungsrunde wusste ich mir allerdings noch: Alle waren 20 Jahre älter als ich. Alle waren verheiratet. Alle waren kreuzkatholisch.

In Sekundenbruchteilen schossen mir meine Möglichkeiten durch den Kopf. Und keine war wirklich überzeugend: Eine vorsichtige 3? Da würden wahrscheinlich alle denken, ich stünde kurz vor der Scheidung. Eine ehrliche 5? Bei diesen Musterkatholiken? Also sagte ich mutig: Acht.

Doch was kam dann? Nichts mit jeder Menge 9’en und 10’en. Da kamen 4’en, 5’en und 6’en. Damit nicht genug. Der Referent lachte. In meine Richtung. Weil meine Antwort typisch sei für so einen jungen Hüpfer. Er tröstete mich allerdings auch sofort: Weil wir in jungen Jahren einfach alle dazu neigen würden, die Ehe an einem Ideal zu messen, dass unerreichbar ist. Wir würden glauben, eine gute Ehe – das sei eine, in der immer alles perfekt ist.

Szenenwechsel. Viele Jahre später. Ich sitze im Auto und höre Radio. Bei einem Lied werde ich aufmerksam. Da heißt es „lieber Wolke 4 mit Dir als unten wieder ganz allein“. Und ich fühle mich an das Seminar erinnert. Weil Miteinander eben nicht immer auf Wolke 7 stattfindet.

Eigentlich ist es aber nicht nur in der Ehe so. Die größten Enttäuschungen produzieren wir uns selbst, weil wir das Erlebte am Erhofften messen. Weil wir die Wirklichkeit am Wunsch abgleichen. Weil wir Wolke 7 wollen.

Aber so, wie es die leisen Kräfte sind, die uns durch das Leben tragen, so sind wohl auch Zufriedenheit und Glück nichts, was wir auf dem Olymp finden. Sondern im Alltag. Für mich ist das deshalb einer der stärksten Sätze Jesu: Als er von den Toten auferstanden ist, seinen Jüngern begegnet, und dann ganz einfach nur sagt: „Geht nach Galiläa. Dort werdet ihr mich sehen.“ Mit anderen Worten: Geht zurück in die Fischerboote. Geht zurück an die Netze. Geht zurück an die Arbeit, in den Alltag – dort werdet ihr mich finden.

Mein Wunsch für Sie deshalb: Dass Sie mit Mut und Freude, frisch und frei und fröhlich in Ihren Alltag gehen können. Dass Sie sich getragen fühlen können von der Hoffnung  und dem Vertrauen darauf, dass Gott uns genau dort begleiten und begegnen wird. Dass uns dort im Kleinen, im Grauen, im vermeintlichen Unscheinbaren das wahrhaft Große erwartet.

Kommen Sie gut in den Tag! Ihr Diakon Claudius Rosenthal aus Altenwenden. 

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