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Kirche in WDR 2 | 27.02.2020 | 05:55 Uhr

Esther Bejarano - Auschwitz Überlebende

O-Ton: Ich habe ganz viel Glück gehabt, ganz viel. Schon allein die Zeit in Auschwitz. Das ist ein ganz großes Glück gewesen.

Autorin: Esther Bejarano, 95 Jahre alt, Jüdin und Auschwitz Überlebende. Sie sitzt auf der Bühne und liest aus ihrem Buch „Erinnerungen“. Ihre Stimme ist fest, ihr Blick bestimmt, ihre Lippen geschminkt. Die ersten vier Wochen in Auschwitz habe sie nur Steine schleppen müssen. Von rechts nach links und am nächsten Tag von links nach rechts. Nach vier Wochen sei sie am Ende gewesen. Immer wieder musste sie für die Blockältesten Lieder singen.

O-Ton: Von Schubert, Bach, Mozart. Das war mein Glück.

Autorin: Das Mädchenorchester von Auschwitz suchte eine Akkordeonspielerin. Man fragte Esther, ob sie das könne. Ja, sagte sie. Dabei konnte sie nur Klavier spielen. Beim Vorspiel musste sie „Bel Ami“ spielen. Sie bekam den Job. Heute singt die 95-jährige den Song bei ihren Auftritten mit der Microphone Mafia. Akkordeon spielt sie nicht mehr.

Musik:  1:00-1:12  Länge: 0:12 min. , Titel „Bel Ami“, CD La Vita Continua, Track 14, aus der Box: “ama la vita”, Bejarano& die Microphone Mafia, KuS Entertainment GmbH 2018, LC 20702, AL!VE

Musik: Du hast Glück bei den Frauen, bel ami. So viel Glück bei den Frauen.
Autorin: Jeden Morgen und jeden Abend hat das Orchester gespielt – wenn die Häftlinge in Kolonnen zur Arbeit marschiert sind bzw. zurück kamen. Tag und Nacht haben die Öfen gebrannt. Tag und Nacht hat man sie verbrannt: 85 Prozent all derer, die jeden Tag mit den Zügen kamen. die Juden, die Homosexuellen, die politisch anders Denkenden. 1,1, Millionen.

O-Ton: Seit dem ich in Auschwitz war, kann ich einfach nicht an Gott glauben. Weil ich hab so viel Elend und so viel Schreckliches gesehen und hab immer gedacht, wo ist denn jetzt Gott. Ich kann einfach nicht mehr daran glauben, dass es jemanden gibt, der uns beschützt und der nur Gutes für uns will.

Autorin: Esther Bejarao ist viel unterwegs. Zusammen mit der Microphone Mafia rappt sie gegen rechts. In der Band spielen ein Jude, ein Moslem und ein Katholik. Oft treten sie in Schulen auf. Dann sagt sie den Schülern immer:

O-Ton: Ihr habt überhaupt keine Schuld an dem, was damals geschah, aber ihr macht euch schuldig, wenn ihr nichts über diese Zeit wissen wollt. Darum bitte ich Euch: Hört gut zu und verinnerlicht das, weil es ganz wichtig ist, das so etwas nie wieder passiert.


Quelle: „Wann geht der Himmel wieder auf“ aus der CD „Erinnerungen“, Esther Bejarano, dem Buch Erinnerungen beigelegt, Hrsg. Antonella Romeo, Verlag: LAIKA Galerie der abseitigen Künste, ISBN 978-3-948478-00-1, 2019 1. Neuauflage

Alle O-Töne sind von der CD kopiert mit der schriftlichen Genehmigung von Esther Bejarano.


Redaktion: Pastorin Sabine Steinwender-Schnitzius
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