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Kirche in WDR 2 | 21.09.2020 | 05:55 Uhr

Etwas Gutes

„Liebe Kinder! Corona bringt doch immer auch etwas Gutes.“ Ich stutze. Steht das da wirklich? Steht da wirklich. Im Elternbrief unseres Kindergartens. „Liebe Kinder, Corona bringt doch immer auch etwas Gutes.“ Gemeint ist, dass der Kindergartengottesdienst jetzt im Moment nicht in der Kirche, sondern unter freiem Himmel stattfindet. Auf der Gemeindewiese. Hey, toll! Das macht Spaß!

 

Etwas Gutes. Ich denke an das ganze Chaos, das durch Corona entstanden ist. An die Bildung-und Betreuungslücken. An die Kranken und die Toten. An die Arbeitslosen und die  Pleiten. So wirklich Gutes finde ich da nicht. Alles eher dunkel und düster.

 

Naja. Einfach eine ziemlich unglückliche Formulierung einer ansonsten sehr netten Erzieherin. Kann ja mal passieren. Ich lege den Brief weg. Und bleibe trotzdem dabei hängen: Etwas Gutes? Immerhin: Ich habe es durchaus häufiger erlebt, dass Menschen auch in bösen Tiefschlägen in ihrem Leben etwas Positives entdecken können. So was kann man aber nicht allgemein, sondern immer nur ganz für sich persönlich sagen. Also - gibt es irgendetwas Gutes für mich an dieser Corona-Sache? Etwas, das ich vielleicht sogar behalten möchte? Nun, ich bin ruhiger geworden. Mache weniger Termine, weniger Action. Und kann mich so den einzelnen Dingen viel mehr widmen. Mir ist wieder einmal ganz intensiv bewusst geworden, dass meine Familie das Wichtigste für mich ist. Und dass ich tatsächlich auf viele Begegnungen und Aktivitäten ganz gut verzichten kann. Ich habe gelernt, dass verlässliche Beziehungen auch Abstand vertragen. Und: Die in manchen Kreisen üblichen Begrüßungs-Umarmungen fehlen mir gar nicht. Bussi, Bussi. Das mochte ich schon als Kind bei Tante Uschi nicht.

 

Etwas Gutes? Doch, wenn ich so nachdenke. Für mich - privat, persönlich - gibt es einige Dinge, die gut sind. Selbst in einer in vielerlei Hinsicht so unguten und schwierigen Zeit. Gutes mitten im Falschen, sozusagen. „Seid dankbar in allen Dingen.“ (1 Thess 5,18) sagt die Bibel. Sie setzt es einfach voraus: In allen Dingen, in jedem Moment gibt es irgendetwas für das man dankbar sein kann. Es liegt verborgen unter einem Schutthaufen von Sorgen und Angst. Aber es ist da. Und es lohnt sich, danach zu forschen. Denn mit etwas Gutem im Herzen lässt sich auch Schweres viel leichter ertragen. „Liebe Kinder! Corona bringt doch immer auch etwas Gutes.“ Ich schüttele den Kopf. Und lächle. Wirklich eine sehr unglückliche Formulierung. Aber vielleicht, wenn man genau überlegt, doch gar nicht ganz verkehrt.

 

Redaktion: Pastorin Sabine Steinwender-Schnitzius

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