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Kirche in WDR 5 | 17.05.2019 | 06:55 Uhr

Europa - gezeichnet von Unvollkommenheit

Europa wählt. Was das mit „Kirche im WDR“ zu tun hat? Möchte ich Ihnen gerne erzählen.

Weil Europa und das Christentum eng miteinander verbunden sind. Das wird schon in der Flagge der EU deutlich: Die ist nicht nur deshalb azurblauer, weil  das die Farbe der Neutralität ist. Und da sind nicht nur deshalb zwölf Sterne zu sehen, weil die Europäische Gemeinschaft, damals in den 80er Jahren – als dieses Symbol „amtlich wurde“ – aus zwölf Staaten bestand.

Denn einer der Männer, die als Schöpfer dieses Motivs gelten, erzählte einmal, er habe sich für diese Flagge von der Bibel inspirieren lassen. Genauer gesagt von den apokalyptischen Visionen aus der Offenbarung des Johannes.  Da sei von der Gottesmutter Maria die Rede, die mit einem Sternenkranz geschmückt sei.

Die Geschichte eines Anderen, der Anspruch auf die Urheberschaft erhebt, ist übrigens ganz ähnlich: Er berichtet, dass er von einer Mariendarstellung in der Kathedrale von Straßburg[1] inspiriert worden sei. Um den Kopf der Statue sei ein Sternenkranz angebracht gewesen – und diese Sterne hätten wunderbar vor dem azurblauen Himmel geleuchtet. Da habe er dann gewusst, wie die Europaflagge aussehen müsse.

Zwei Mal die Gottesmutter Maria also. Ein Zufall?

Aber ist es ein Zufall, dass diese Maria in der Kunst regelmäßig mit blauem Umhang dargestellt wird? Dass sie häufig einen mit Sternen verzierten Heiligenschein trägt? Und dass sie nicht selten vor himmelblauem Hintergrund abgebildet wird oder auf einem sichelförmigen Sternenbogen steht?[2] Und jetzt passen Sie mal auf: Als der EU-Ministerrat den Beschluss über diese Flagge fassen wollte, da verlegte er das Datum. Vom 9. auf den 8. Dezember 1955 – also auf den Tag, an dem die Katholische Kirche die Unbefleckte Empfängnis Marias feiert.

Sie merken, worauf ich hinaus will? Irgendwie scheint der liebe Gott beim Thema „Europa“ wohl doch ein wenig die Finger im Spiel gehabt zu haben. Zumal die Zahl Zwölf in der Bibel eine ganz eigene Bedeutung hat. Denn wenn da von den zwölf Stämmen Israels die Rede ist, wenn es zwölf Apostel waren, die Jesus erwählt hat und wenn am Ende der Zeiten zwölf mal zwölf mal tausend Menschen zu den Erlösten zählen werden, dann soll damit eigentlich immer nur eines gesagt sein: Dass der liebe Gott für alle da ist. Dass wir alle seine Kinder sind. Und dass wir alle auf seinen guten Willen bauen dürfen. Ein schöner Gedanke für einen Kontinent, der Jahrhunderte die prächtigsten Erbfeindschaften pflegte.

Nun bin ich mir durchaus bewusst, dass manche mit dem christlichen Glauben nicht mehr viel anfangen können. Ich möchte deshalb die Europaflagge nicht christlich vereinnahmen. Es gibt aber einen Gedanken hinter dieser Flagge, der scheint mir aber ebenso christlich wie bewahrenswert: Denn in den amtlichen Erklärungen zur Bedeutung der Europaflagge heißt es, dass es zwölf Sterne seien, weil die Zahl Zwölf für Vollkommenheit steht, für Vollständigkeit und Einheit. Und mein christlicher Glaube sagt mir: Vollkommenheit, Vollständigkeit, Einheit – die werden immer etwas bleiben, was es zu erstreben gilt, was wir in diesem Leben aber wohl nie erreichen werden.

Das macht mich bescheiden mit Blick auf das, was vielleicht einmal nicht so gut läuft auf unserem Kontinent. Wo ich nicht nachvollziehen kann, was Europa-Parlament oder EU-Kommission da beschlossen haben. Da werde ich dann etwas maßvoller in meiner Kritik. Und da verteufele ich eine Idee nicht nur deshalb, weil es mit der Umsetzung immer mal wieder hakt. Weil ich eben weiß, dass wir unvollkommen sind. Nicht perfekt. Und es beruhigt mich, wenn ich sehe, dass sich doch alle Völker Europas unter einer Flagge versammeln, mit der sie ausdrücken wollen: Wir mögen zwar immer wieder scheitern. Wir mögen immer wieder das Richtige wollen und das Falsche erreichen. Aber wir verabschieden uns nicht in nationale Engstirnigkeit nur deshalb, weil sich die internationale Wirklichkeit etwas sperrig zeigt. Sondern wir halten fest an der Idee und dem Wunsch und dem Willen nach Vollkommenheit. Deshalb stehen wir zusammen. Und bilden gemeinsam heute schon mehr, als wir einzeln je sein könnten.

Dass wir dieses gemeinsame Ziel nicht aus den Augen verlieren – das wünscht sich Ihr Diakon Claudius Rosenthal aus Altenwenden.

[1] https://www.uni-trier.de/fileadmin/fb4/prof/VWL/EWP/Europa/schuman/kap_09.pdf

[2]                 Mit diesen und anderen Geschichten lässt sich durchaus noch fortfahren. Besonders schön: Als wenige Jahre zuvor die EU-Menschenrechtsdeklaration unterzeichnet wurde, geschah das in einem Festsaal in Rom unter einem gewaltigen Fresko, das nicht nur den vielsagenden Titel „Triumph der göttlichen Vorsehung“ trägt, sondern indem eine Engelsfigur besonders heraussticht, die diesen Triumph krönen möchte mit einem Siegeskranz aus zwölf hell leuchtenden Sternen.

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