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Kirche in WDR 2 | 21.10.2019 | 05:55 Uhr

Fahrrad

Ich bin unterwegs. Zu Fuß und ohne Ziel hab ich viel Zeit, mir die Gegend anzuschauen. Eine ältere Dame fährt an mir vorbei. Auf einem Hollandrad. Grün, mit einem Korb hinten auf dem Gepäckträger. Hinter ihr ein Auto. Der Fahrer kann nicht überholen: Die Straße ist eng, hier und da parken Fahrzeuge. Also schleicht er mit höflichem Abstand hinter ihr her. So gehört sich das. Denke ich noch. Und höre im selben Moment, wie die Dame auf dem Rad anfängt zu schimpfen. Ziemlich laut. Und für eine ältere Dame ganz schön heftig: "Fahr doch vorbei, du Blödmann! Unverschämtheit! Was bildest du dir ein!" Ich nehme noch den erstaunten Blick des Autofahrers wahr, dann ist die Szene auch schon an mir vorbeigerollt. So kann es gehen. Der Autofahrer hat nichts falsch gemacht: Ist vorausschauend und rücksichtsvoll gefahren. Und dann das! Ungerechte Welt.

Ich meine, das gibt es häufiger: Menschen fühlen sich unwohl. Irgendwie unsicher und unter Druck. Und sie bauen diesen Druck ab, indem sie auf andere schimpfen. Auf einen vermeintlichen Gegner. Auf völlig Unbeteiligte. Eigentlich egal. Wenn man nur schimpfen kann. Dann ist der Druck erst einmal weg. Ehrlich gesagt: Ich mach das manchmal auch. Wenn ich morgens wieder mal meine Brille nicht finde und Angst habe, vor lauter Sucherei zu spät ins Büro zu kommen. Dann fange ich an, auf meine Kinder zu schimpfen. Obwohl ich genau weiß: Ich habe die Brille selbst verbummelt. Ich kenne jemanden, der schimpft auf Flüchtlinge. Obwohl er gar keine kennt. Und eigentlich auch ganz andere Sorgen hat: Seine Firma will Stellen abbauen und er fürchtet, es könnte ihn treffen. Was das mit Flüchtlingen zu tun hat? Nichts. Aber egal. Schimpfen als so eine Art Sorgen-Ventil. Wahrscheinlich ist das nur allzu menschlich. Schädlich ist es trotzdem: Es reißt Gräben auf zwischen Menschen. Es beschädigt Beziehungen. Es füttert Vorurteile. Und all das bleibt. Und ist immer noch da, wenn der Druck, den man gespürt hat, schon längst Vergangenheit ist.

Ein Tipp dazu aus der Bibel. Da steht: „Wer das Leben lieben und gute Tage sehen will, der hüte seine Zunge, dass sie nichts Böses rede.“ (1. Petr 3,10) Böse zu reden bringt dir nichts Gutes. Heißt das. Also: Pass auf, was du so redest. Lass deinen Stress nicht an anderen aus. Sei lieber konstruktiv. Schimpf nicht auf deine Kinder, such dir einfach einen Platz für deine Brille. Schimpf nicht auf die Flüchtlinge, setz dich lieber mehr für politische Veränderungen ein. Und wenn schon ein Autofahrer so nett ist, dich nicht zu überfahren: Sag vielleicht einfach mal: „Danke.“

 

Redaktion: Manfred Rütten

 

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