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Kirche in WDR 4 | 16.12.2020 | 08:55 Uhr

fallen

Guten Morgen.

Ein kleines Kind braucht lange, bis es mit beiden Beinen fest auf dem Boden steht. Und dann dauert es noch ein bisschen, bis es mit eigenen Schritten gehen kann. Es hält sich fest. Zunächst an den Händen von Mutter und Vater, dann auch an einem Schrank oder einem Stuhl. Bis es wirklich freihändig gehen kann, fällt das kleine Kind einige Male hin. Dann gibt es ein paar Tränen, und bald rafft sich das Kind wieder auf, zieht sich vielleicht an einem Stuhl hoch und versucht weiterzugehen.

 

Die Eltern freuen sich, dass ihr Kind nun laufen kann. Aber sie wissen auch: Es wird immer wieder mal hinfallen, und es wird hoffentlich immer wieder aufstehen.

 

Ganz anders als die Uroma. Die hat Jahrzehnte lang mit beiden Beinen fest auf dem Boden gestanden. Doch jetzt im hohen Alter muss sie sich jeden Schritt gut überlegen. Wenn sie fällt, kommt sie allein nicht mehr hoch. Zum Glück hat sie einen Funknotruf immer bei sich. Er hängt wie eine Perlenkette um den Hals, und wenn niemand im Haus ist, kann sie damit Hilfe holen. Sie hat ihn noch nie gebraucht. Bisher ist immer alles gutgegangen. Ihre Angst ist: Jeder Sturz könnte der letzte sein.

 

Obwohl: Ihre Freundin ist selbst nach einem Oberschenkelhalsbruch wieder auf die Beine gekommen. Sie ist sehr dankbar, dass die Ärzte heute so viel können. Sie hat gar nicht erst lange im Krankenbett gelegen, sondern hat bald wieder laufen gelernt. Fast wie ein Kind. Natürlich konnte sie sich nicht an den Händen der Eltern festhalten. Dafür hat sie die Hand der Physiotherapeutin ganz festgehalten, bis der Griff immer lockerer wurde und sie spürte: Ich kann meinen Beinen und meinen Gelenken wieder vertrauen.

 

Ich glaube, solches Vertrauen ist das wichtigste beim Laufen lernen, egal ob als kleines Kind oder als alter Mensch. Ich brauche Vertrauen, dass die Beine mich tragen. Dieses Vertrauen in die Eltern oder Therapeuten nimmt einem Menschen die Angst zu fallen und gibt ihm den Mut, wieder selbst durchs Leben zu gehen.

 

Aber manchmal fühle ich mich im Leben so, als wäre ich gefallen, obwohl meine Beine noch ganz gut funktionieren. Ich habe das Gefühl, ich liege platt auf dem Boden und habe nicht den Mut, wieder aufzustehen.

 

Dann brauche ich jemanden, der mir die Hand hinhält. „Komm, ich helfe dir, wieder aufzustehen.“ Ich sehne mich nach so einer ausgestreckten Hand von jemandem, dem ich vertrauen kann. Das kann ein Mensch sein. Es kann aber auch Gott sein.

 

In der Bibel lese ich: „Gott hat Freude an einem redlichen Menschen und lenkt alle seine Schritte. Er mag fallen, aber er stürzt nicht zu Boden; denn der Herr hält ihn fest an der Hand.“ (Die Gute Nachricht Bibel, Psalm 37,23f)

 

Gott hält mich fest an der Hand, damit ich nicht falle. Aber wie ist das, wenn ich auf Gott mal nicht den Eindruck eines redlichen, eines aufrichtigen Menschen mache? Lässt er mich dann fallen? Ich glaube nicht. Ich glaube, er verhält sich dann wie Eltern, die ein Kind loslassen, damit es lernt auf eigenen Füßen zu stehen. Und wenn es dann doch fällt, ist die helfende Hand nicht weit.

 

Es grüßt Sie, Pfarrer Michael Nitzke aus Dortmund.

 

 

Redaktion: Landespfarrerin Petra Schulze

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