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katholisch

Kirche in WDR 5 | 03.03.2020 | 06:55 Uhr

Fasten und Respekt

Ich sitze mit meinen Kolleginnen und Kollegen beim Abendessen. Wir alle arbeiten für das Bistum Essen. Die Themen fliegen hin und her, wie das in so einer entspannten Runde üblich ist. Dann sagt eine Kollegin ziemlich unvermittelt: „Erzählt doch mal, wann hattet ihr das letzte Mal so richtig Freude daran, katholisch zu sein?“

Ups – beredtes Schweigen herrscht plötzlich am Tisch. Alle schauen sich ein wenig ratlos an. Katholisch sein – heute? Gerade vor dem Hintergrund der ganzen Skandale wie Missbrauch und Machtgehabe? Und wir als hauptamtliche Mitarbeiter der Kirche – wir sehen nur „Struktur“: d.h. „Strukturreform“, „Sparmaßnahmen“, „Personalmangel“. Und dann die ganze Debatte über die Zukunft der Kirche mit dem „Synodalen Weg“, wo es gemeinsamer zugehen soll mit flachen Hierarchien und mehr Mitsprache. Katholisch sein ist heutzutage nicht gerade leicht, da bleibt die Freude manchmal auf der Strecke.

„Also gut“, sagt die Kollegin schließlich in das Schweigen hinein, „dann erzählt doch mal, wann ihr gespürt habt: Christsein macht Freude und gibt Kraft.“

Jetzt dauert es nicht lange, bis das Gespräch seine Lebendigkeit zurückgewinnt. Alle tragen mit ihren Erfahrungen dazu bei. Wir erzählen und hören voneinander, Geschichten von unerwartetem Vertrauen, von einem Neuanfang nach einem Konflikt, von geschenkter Zuversicht in einer Krisensituation.

Mich hat dieses Erlebnis ziemlich nachdenklich zurückgelassen. Ich habe mich gefragt: Wie steht es um die Kirche, wenn selbst uns hauptamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern spontan erst einmal nichts einfällt, was uns an dieser Kirche Freude macht. Ist Kirche wirklich bloß Institution oder eben Struktur, der die Inhalte verloren gegangen sind? Struktur hat ja eigentlich eine entlastende Funktion; sie kann für Sicherheit sorgen, kann Vertrautes schaffen.

Strukturen, die ich mir selbst zum Beispiel in meinem Alltag gebe, sind Ankerpunkte in stressigen oder unüberschaubaren Zeiten. Sie sind entlastend und helfen mir eins nach dem anderen zu tun. Sie ersparen mir im Zweifelsfall eine Priorisierung, wenn die mich gerade überfordern sollte: Soll ich heute noch eine Überstunde machen oder doch die Arbeit jetzt ruhen lassen und zum Sport gehen? Strukturen sind ja irgendwann mal als reflektierte und sinnvolle Rahmenbedingungen geschaffen. Es ist dann oftmals wohltuend, sich in diese Sinnzusammenhänge wieder einfach so – ohne langes Überlegen – hineinfallen zu lassen.

Natürlich können Strukturen auch einengen, sie setzen Grenzen. Ich kann in meinem Beruf als Personalverantwortliche in der Kirche auch nicht das machen, was ich gerade will. Und – das gehört zu meinem Beruf dazu – manchmal muss ich anderen auch Grenzen zeigen, muss sie an Strukturen erinnern. Aber eines scheint mir sehr wichtig zu sein: Bei allem was ich tue, muss der Respekt vor Kolleginnen und Mitarbeitern gewahrt bleiben, vor allem wenn wir als Christen in der Kirche arbeiten.

Interessant ist doch: Hirnforscher haben festgestellt, dass bei Respektlosigkeit und bei Schmerz die gleichen Gehirnregionen aktiv werden. Wem nicht in angemessener Weise Respekt entgegengebracht wird, der wendet sich schmerzvoll ab, im wahrsten Sinne des Wortes.

Daher ist es so wichtig, einander mit Respekt zu begegnen - und das nicht nur im kirchlichen bzw. katholischen Arbeitsfeld.

Aus Oberhausen verabschiedet sich Ingelore Engbrocks


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