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Kirche in WDR 5 | 05.08.2019 | 06:55 Uhr

Festhalten verboten

Jetzt im Sommerurlaub in den Bergen gehört für meine Familie der Freibadbesuch einfach dazu. Die große Wasserrutsche ist für uns dann ein Muss. Letztes Jahr wurde die Rutsche modernisiert und mit einigen Hinweisen versehen. Oben am Einstieg in die Rutsche steht da jetzt zum Beispiel: „Festhalten verboten“. Na klar, denke ich, wie soll Rutschen denn auch sonst funktionieren? Und so lasse ich den Haltegriff oben an der Rutsche los und überlasse ich mich ganz selbstverständlich dem Wasserfluss – wissend, dass das Wasser mich am Ende der Rutsche sanft auffangen wird.

Guten Morgen!

Festhalten verboten! Das gilt nicht nur für das sommerliche Vergnügen, sondern immer: Wie will ich Neues entgegennehmen, wenn ich dafür die Hände nicht freihabe? Und im übertragenen Sinne gilt Loslassen für jeden einzelnen Moment meines Lebens. Das ist leichter gesagt als getan. Wie oft wünsche ich mir nämlich gerade in den schönen Momenten des Lebens, dass ich sie festhalten kann. Da ist zum Beispiel der runde Geburtstag meiner Mutter, den wir im großen Familienkreis fröhlich gefeiert haben. Auch wenn ich versuche, diesen Tag mit Hilfe von Fotos festzuhalten, so bleiben das nur Momentaufnahmen. Das Leben läuft beständig weiter, noch während ich die Fotos mache. Das gilt nicht nur für Familienfeiern, sondern auch für existentiellere Dinge: Da merkt jemand nicht, wann es an der Zeit ist, aus dem Erwerbsleben auszuscheiden und kann seinen Platz nicht räumen. Da gestehen Eltern ihren erwachsenen Kindern kein eigenständiges Leben zu. An anderer Stelle wird mit aller Macht versucht, dem Altern durch Kosmetik, Fitnessstudio und Kleidung ein Schnippchen zu schlagen, um die Jugend zu konservieren. Aber Festhalten geht letztlich nicht. Und ich finde: Loslassen garantiert doch die Dynamik und die Bewegung im Leben! Wenn ich mich an die Vergangenheit klammere, kann ich meine Gegenwart nicht wahrnehmen und habe keinen Blick mehr für meine Zukunft. Mein Leben stagniert.

Doch so einfach ist das mit dem Loslassen gar nicht. Ok – bei der Wasserrutsche weiß ich, dass ich sanft und erfrischt unten ankomme, aber sonst im Leben? Wenn ich loslasse, gebe ich etwas auf: meine Sicherheit, Vertrautes. Wird das Neue, das ich empfange, so gut sein wie das Alte, das ich losgelassen habe? Was ist, wenn ich nach dem Loslassen ins Bodenlose falle?

Zukunft ist immer offen und damit riskant! Mir fällt es daher oft schwer, mich dem Fluss des Lebens so einfach zu überlassen wie bei der Wasserrutsche. Es braucht großes Vertrauen darin, dass etwas Gutes kommen wird und ich muss mich auf jeden Fall auf Ungewisses einlassen. Diese Herausforderung ist so alt wie die Menschheit.

Bereits in der Bibel lese ich, wie schwer es den Menschen fällt, loszulassen. Da ist Jakob im Alten Testament, er kämpft eine ganze Nacht mit einem starken Gegner, Mann gegen Mann. Er beißt sich geradezu fest im Kampf, hält fest, koste es, was es wolle. Als er merkt, dass er nicht so einfach gewinnen wird, begreift er schließlich, dass er gegen Gott kämpft und spricht zu seinem Gegenüber die Worte: „Ich lasse dich nicht los, wenn du mich nicht segnest.“ (Gen 32, 27). Es klingt paradox, doch erst durch das Loslassen erhält Jakob den Segen Gottes.

Ich finde die Haltung des Jakob befreiend: Ich brauche nichts krampfhaft festzuhalten, denn ich bin von Gott gesegnet. Oder anders formuliert: Wenn ich weiß, dass ich letztlich von Gott in meinem Leben gehalten werde, dann brauche ich gar nichts mehr krampfhaft festzuhalten.

Aus Gladbeck grüßt Sie

 

Meike Wagener-Esser



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