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Kirche in WDR 4 | 31.07.2021 | 08:55 Uhr

Freiheit braucht Regeln

Guten Morgen.
Letztens fielen sie mir in die Hand: meine wichtigen Urkunden. Heiratsurkunde, Urkunde zur Wahl in die Pfarrstelle… An meine Frau, an meine Gemeinde bin ich gebunden. Diese Urkunden erzählen eine merkwürdige Sache: Wenn ich mich in aller Freiheit an Menschen, an Gruppen binde, dann kann ich wirklich frei sein. Das ist mein Lebensrahmen, in dem ich mich bewege und mich frei fühle.

Diese merkwürdige Sache hat einen Ursprung: Das Volk Israel, von dem in der Bibel erzählt wird, hat vor über 3000 Jahren eine lange Leidenszeit in Ägypten erlebt. Mit Gottes Hilfe und mit zwei eigentümlichen Anführern - den beiden Brüdern Aaron und Mose - haben sie sich daraus befreit. So ist bei dem Volk die Gewissheit gewachsen: Mit Gottes Hilfe, an ihn gebunden, werden wir den Weg in die Freiheit finden. Auch wenn wir gerade nicht sagen können, wie der konkret aussieht.

Dieses besondere Verhältnis zwischen Gott und seinem Volk wird besiegelt. Mit einer Urkunde. Der Inhalt dieser „Ur-kunde“: die Zehn Gebote. Mose überbringt sie den Leuten auf Steintafeln. Die Zehn Gebote beschreiben nicht alle Lebensbereiche, aber Grundlegendes wird hier geregelt: wie wir unsere Zeit einteilen, zum Beispiel, die 7-Tage-Woche hat hier ihre Wurzeln.

Doch zunächst geht es um etwas anderes: um die Freiheit und um die Unsichtbarkeit Gottes. Auch wenn die Menschen sagen, sie hätten Gott an dieser oder jener Stelle ihres Lebens erfahren, ja wenn es Gott sogar selbst ist, der sich in diesen Zehn Geboten als ihr Befreier vorstellt – Gott lässt sich nicht von den Menschen vereinnahmen. Die Menschen sollen sich kein Bild von ihm machen und mit ihm herumprahlen.

Aber genau das geschieht jetzt: Mit einem unsichtbaren Gott wollen sie sich nicht begnügen. So unnahbar und unabhängig. Nein, so haben sie sich ihren Gott nicht vorgestellt. Als Mose nicht da ist, schmelzen sie ihren Goldschmuck ein und machen daraus eine Skulptur, ein goldenes Kalb. Und wie es so vor ihnen steht, ein Prachtexemplar ihrer Bemühungen - da sagen sie – ja, das ist der Gott, der uns befreit hat; unsere Freiheit - das ist das Ergebnis unserer gemeinsamen Anstrengung. Und die Leute geraten darüber in eine besinnungslose Begeisterung… das Produkt ihrer Hände, das was sie gemacht und geschafft haben, das soll ihr Gott sein! Das soll ihr Gott sein?!?

Als Mose den ganzen Spuk mitbekommt, ist er maßlos enttäuscht. Vor lauter Wut zertrümmert er die Steintafeln mit den Zehn Geboten. Das war’s dann? Nein. Es gibt dann noch einmal eine neue Chance – die Zehn Gebote werden noch einmal in Stein gehauen – der Bund zwischen Gott und seinen Menschen wird nicht aufgekündigt. Dieser Kontakt, diese Bindung zwischen Gott und den Menschen ist das Fundament für ein gutes Zusammenleben in Freiheit. Daher bleibt die bohrende, wichtige Frage bis heute: Was, wer ist wirklich der Grund unserer Freiheit?!

 

Ein gutes Wochenende wünscht Ihnen Ihr Eberhard Helling, Pfarrer aus Lübbecke.

 

 

Redaktion: Landespfarrerin Petra Schulze
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