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Sonntagskirche | 26.05.2019 | 08:55 Uhr

Halbleere Gläser

Wie mich das ärgert. Du bestellst dir ein Getränk und bekommst ein quasi halbleeres Glas serviert. Die Füllung reicht bei weitem nicht bis zum Eichstrich. Eine  Mogelpackung. Versprochen wird (zumindest in der Getränkekarte) etwas anderes. Da könnte ich aus der Haut fahren.

Hier am Niederrhein gibt die Legende von dem Kerl, der sich darüber mal in der Kneipe beim Wirt beschwert hat. „Hey! Das Glas ist nur halb voll“, poltert er über die Theke. „Ich hatte ein volles Glas bestellt!“. Da raunzt der Wirt zurück „Es geht dir also einzig und allein ums volle Glas?“ „Ja“, kontert der Gast.

Da schnappt sich der Wirt das große Bierglas, schüttet einen Teil des Inhaltes in ein Schnapsglas. Randvoll. Bis oben hin. „Wohl bekomm´s! Das volle Glas“, spottet der Wirt, der Gast ist sprachlos.

Tja, so kanns gehen. Man muss eben genau wissen, was mal will. Heute ist Europawahl. Und von diesem Europa hören wir in der letzten Zeit auch immer wieder, dass dieses „Glas Europa“ nur halb voll sei. Es sei eine Mogelpackung. Viel Luft sei da nach oben. Viele Chancen vertan, viel Bürokratie aufgebauscht, viele Entwicklungen nicht befördert, sondern verhindert. Dann werden Stimmen laut, die sich gegen ein Europa und seine Vorzüge richten. Dann werden Fakten geschaffen, die einer hart erarbeiteten Gemeinschaft den Rücken kehren sollen.

In der  Tat: bei manch einer europapolitischen Entscheidung drängen sich mir auch Fragezeichen auf. Aber: Um mal wieder ins Bild der Kneipengeschichte zu kommen:  Ein Ausstieg aus dieser Gemeinschaft und jede Schwächung macht eben kein volles Glas. Die Menge bleibt gleich. Nur das Gefäß ist eben kleiner. Die Probleme und Herausforderungen in unseren Breitengraden bleiben auch ohne ein vereintes Europa. Was auch bleibt: Die Tatsache, dass in unserer globalisierten Welt keine einfachen Lösungen greifen.

In einer Erklärung zum Beschluss des Europarates vom 9. Dezember 1955 zur Annahme der Europa-Flagge heißt es zur Symbolik der Fahne: 

Sprecherin:„Gegen den blauen Himmel der westlichen Welt stellen die Sterne die Völker Europas in einem Kreis, dem Zeichen der Einheit, dar. Die Zahl der Sterne ist unveränderlich auf zwölf festgesetzt, diese Zahl versinnbildlicht die Vollkommenheit und die Vollständigkeit.“

Hand aufs Herz: Vollkommen, vollständig, fehlerfrei, nahezu perfekt ist wohl keiner von uns. Warum sollte das bei Europa so sein? Aber ich setze auf diesen Ansporn, dass wir daran arbeiten. Eigentlich gar nicht so fremd, oder? In Ehe und Familie, im Freundeskreis und im Hobby, im Sport erstrecht ist doch gerade das unser Ansporn: Besser zu werden, zu wachsen, sich zu entwickeln. Da schauen wir eben nicht auf halb leere Gläser. Das nimmt den Mut und mindert die Energie.

Auch an Europa gibt es sicher einiges zu entwickeln. Vieles kann tatsächlich besser werden. Aber sehr viel ist eben auch schon gut, vieles ist schon erreicht.

Daher lade ich einfach an dieser Stelle mal ein: Helfen wir doch alle mit, ein wenig Luft raus zulassen, aus dem Glas Europa. Durch ihre Stimme haben wir dazu heute die Möglichkeit. Gehen Sie wählen! Im Gebet der Vereinten Nationen heißt es:

Sprecherin: „Unsere Erde ist nur ein kleines Gestirn im großen Weltall. An uns liegt es, daraus einen Planeten zu machen, dessen Geschöpfe nicht von Kriegen gepeinigt werden, nicht von Hunger und Furcht gequält, nicht zerrissen in sinnlose Trennung nach Rasse, Hautfarbe oder Weltanschauung. Gib uns Mut und Voraussicht, schon heute mit diesem Werk zu beginnen, damit unsere Kinder und Kindeskinder einst stolz den Namen Mensch tragen."

Und ich, ich gehe jetzt etwas „Luft raus lassen!“

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