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Hörmal | 26.04.2020 | 07:45 Uhr

Freundschaft auf Abstand

Neuerdings habe ich ständig Sonntagsbesuch. Und zwar auch mitten in der Woche.

Über die sozialen Medien, per Email oder telefonisch.

Plötzlich melden sich Freundinnen, Freunde, Bekannte aus längst vergangenen Tagen. Aus der Schulzeit, dem Studium, dem Job. „Hallo, wir werden uns wohl beim Abi-Treffen leider nicht sehen. Fällt ja aus … Wie geht es dir?“ Schreibt ein alter Klassenkamerad. Eine Freundin aus der Studienzeit ruft an: Wir haben Jahrzehnte nichts voneinander gehört und plötzlich ist sie wieder da – die alte Vertrautheit.

Freundschaften entstehen im Herzen und in der Seele. Sie bleiben manchmal über lange Distanzen lebendig – über viele Kilometer oder Jahrzehnte hinweg.

Sie brauchen Nahrung. Manche brauchen viel Pflege, ständiges Gießen, andere sind genügsam: Es reicht immer wieder ein kleines Tröpfchen Wasser und schon blüht das Herz auf. Ich weiß, ich kann mich auf die Freundin oder den Freund verlassen, auch wenn wir uns nur selten schreiben oder sehen. Was wir miteinander erlebt haben, verbindet uns tief.

Andere Bindungen haben sich gelockert – wir sind ganz andere Wege gegangen, uns fremd geworden. Nicht schlimm. Was wir hatten, war wunderbar. Loslassen ist dran.

Freundschaften entstehen im Herzen und in der Seele. Und sie hinterlassen Spuren. Die Jüngerinnen und Jünger Jesu haben Freundschaft geschlossen – mit Jesus und untereinander. Als ihr Freund getötet wird, sind sie tieftraurig. Das ist das endgültige Loslassen. Da wird keine Antwort mehr kommen. Jesus selbst zeigt ihnen Wege, wie sie mit der Trauer umgehen können. Kurz vor seinem Tod sagt er: Nehmt mich mit im Herzen. Ihr habt Erinnerungszeichen von mir. Das gemeinsame essen, in dem ihr euch zusammen an mich erinnert. Die wunder-vollen Geschichten, die ihr mit mir zusammen erlebt habt und die ihr weitererzählen könnt. Hoffnungszeichen. Ihr habt einander. Und Gottes Geist, den Tröster, der euch begleitet auf allen Wegen. Bis wir uns am Ende aller Tage wiedersehen.

Freundschaften entstehen im Herzen und in der Seele. Freundschaften schließen, zusammen sein und sich immer wieder verabschieden. Und doch im Herzen beieinander bleiben. „Du, ich wollte nur mal kurz hallo sagen. Wie geht es Dir? Lange nichts von dir gehört.“ In dieser Zeit der Kontaktsperre wird mir bewusster als sonst: Leben dürfen - ist nicht selbstverständlich. Freundinnen und Freunde haben - ist nicht selbstverständlich. Mir wird klar, wer mir etwas bedeutet. Wem ich das gern sagen möchte. Also schreibe ich, telefoniere, hinterlasse Sprachnachrichten, schicke Blumen oder kleine Päckchen. Und werde genauso überrascht. „Ich wollte nur mal hallo sagen.“

Komm rein. Was für ein schöner Sonntagsbesuch.


Redaktion: Pastorin Sabine Steinwender-Schnitzius

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