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Kirche in WDR 3 | 30.05.2020 | 07:50 Uhr

Frömmigkeit-Gottesfurcht

Guten Morgen!

Es ist, als ob es mir die Kehle zuschnürt. Schweißausbruch, schnellerer Herzschlag und Atemnot. Mein Körper zeigt ganz klare Reflexe, wenn ich vor etwas Angst habe oder wenn ich mich fürchte. In unserer Umgangssprache unterscheiden wir nicht zwischen Angst und Furcht. Und trotzdem gibt es ihn, diesen Unterschied: Angst ist dabei immer diffus: Schaffe ich das? Was bringt mir die Zukunft? Da ist nicht ganz klar, worauf sie sich bezieht, die Angst.

Furcht dagegen ist zielgerichtet, sie hat ein konkretes Gegenüber, also die Dunkelheit, die Spinne oder den Zahnarzt. Angst und Furcht sind also nicht dasselbe.

In dieser Woche habe ich morgens über die sogenannten „sieben Gaben des Heiligen Geistes“ gesprochen. Ein uralter Begriff aus der christlichen Spiritualität. Und als eine der sieben Gaben des Heiligen Geistes zählt auch die Gottesfurcht.  Der Begriff ist sicher erklärungsbedürftig. Auch hier muss zunächst unterschieden werden zwischen Furcht und Angst. Über viele Jahrhunderte hat auch die Kirche dafür gesorgt, dass Menschen große Angst hatten vor Gott. Aber darum geht es hier nicht. Und Gottesfurcht ist auch nicht gleichzusetzen mit der Furcht vor Spinnen. Gottesfurcht taucht in der Bibel immer wieder auf, aber auch bei einem Philosophen wie Søren Kierkegaard. Es ist der Moment, ab dem einem Menschen bewusst wird, dass Gott tatsächlich wirkt. Der Gedanke, dass ich von Gott geliebt bin, erzeugt in mir zumindest Ehrfurcht und in vielen Glaubenden vor mir auch. Vielleicht trifft dieser Gedanke die Gottesfurcht am besten. Aber die Gottesfurcht lässt mich eben auch erkennen, dass ich als Mensch nicht Gott bin, nicht allmächtig und nicht ewig.

Vielleicht kann man dieses etwas in die Jahre gekommen Wort auch mit ‚Respekt‘ übersetzen. Wenn ich jemanden respektiere, dann akzeptiere ich ihn so, wie er ist, mit seinen Eigenschaften und Fähigkeiten, die eben andere sind als meine. Und so respektiere ich eben auch Gott. Er schenkt mir Kraft und Mut, wie es in der Bibel in Psalm 34 heißt: „Der Engel des HERRN umschirmt, die ihn fürchten.“ (Ps 34,8)

Das kann ich natürlich nur, wenn ich es freiwillig und ehrlich tue. Dabei hilft mir die Frömmigkeit. Schon wieder so ein altmodisches Wort. Auch sie ist eine der sieben Gaben von Gottes Geist, die er uns Menschen schenkt. Macht sie mich damit zu einem weltfremden Menschen, engstirnig und intolerant?

„Frommsein ist nichts anderes als Vertrauen“, so hat es der Dichter Hermann Hesse einmal formuliert. Ein frommer Mensch ist jemand, der auf Gott vertraut, im Sinne von: Ich lebe mein Leben als Mensch dieser konkreten Zeit, orientiere mich dabei aber an Gott. Die Geschichte ist voll von Menschen, die genau so gelebt haben. Und auch heute gibt es sie: Menschen, die an etwas glauben und daraus auch ihr Leben gestalten – das ist das Gegenteil von weltfremd und eine Bereicherung für jede Gesellschaft.

Wenn morgen Christen das Pfingstfest feiern und auf der ganzen Welt um die sieben Gaben des Heiligen Geistes beten, dann sind das neben Frömmigkeit und Gottesfurcht auch die Gaben Weisheit, Einsicht, Rat, Stärke und Erkenntnis.

Alle diese Gaben, über die ich in dieser Woche nachgedacht habe, sind in der christlichen Tradition Geschenke, die Gott uns Menschen machen will.

Ein frohes Pfingstfest wünscht Ihnen Pfarrer Andreas Möhlig aus Aachen.

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