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Hörmal | 03.06.2021 | 07:45 Uhr

Fronleichnam, die „Scheibe“ und Beuys

„Herr Nelißen, muss ich die Scheibe auch essen?“ – 10 Jahre ist das her, da bin ich mit den Erstkommunionkindern bei der Fronleichnamsprozession in Münster-Wolbeck mitgegangen. Ich war damals in der Ausbildung zum Pastoralreferenten. Und als der Priester in der Messe bei der Wandlung die Hostie hochgehoben hatte, da tippte mich der kleine Lucca von hinten an und fragte: „Herr Nelißen, muss ich die Scheibe auch essen?“ Nun ja, was sollte ich sagen: Lucca musste die Scheibe damals natürlich nicht essen. Aber um diese „Scheibe“ ist es bei Luccas Erstkommunionvorbereitung gegangen und um die „Scheibe“ geht es auch heute den Katholik:innen bei diesem Fest: Fronleichnam. Es geht um den Leib Christi. Und Luccas Frage vor 10 Jahren war für mich auf eine Art ein heilsamer Schock: Selbst Monate mit Erstkommunion-Gruppenstunden schaffen es manchmal nicht, zu, was Katholiken da glauben: Brot und Wein werden zu Leib und Blut Christi bei der Messfeier. Und das wird heute gefeiert, genauer: das Brot wird zur Schau gestellt in der goldenen Monstranz bei einer Prozession, mit viel Musik und viel katholischem Brimbamborium. Es bleibt abstrakt. Eine Scheibe ist eine Scheibe, ist eine Scheibe. Oder doch nicht?

Ich habe mich gefragt, wie ich das Lucca erklären würde, was wir Katholiken da feiern, jetzt nach 10 Jahren. Und ich habe mir überlegt, das mit der „Scheibe“ mal aus einem ganz anderen Blickwinkel zu betrachten. Und dabei bin ich auf Joseph Beuys gekommen. 100 Jahre ist das ja her, dass der geboren wurde. Einer der wichtigsten Künstler aus Deutschland im letzten Jahrhundert.

Was Beuys als Künstler ausgemacht hat, war: Er hat Aktionen gemacht und alltägliche Dinge und Handlungen mit ganz neuem Sinn aufgeladen. Fett und Filz zum Beispiel als Energiespeicher. Beides wurde für ihn persönlich zum Lebensretter im zweiten Weltkrieg, wie später erzählt wurde. Und so taucht beides immer wieder in seinem Werk auf.

Warum ich auf Beuys kam, als ich über die Scheibe, den Leib Christi nachdachte? Weil Jesus im Grunde dasselbe getan hat wie viele Jahrhunderte später Beuys. Jesus hat nicht Fett und Filz zum Lebensretter sondern Brot und Wein. Indem er beim letzten Abendmahl diese beiden Lebensmittel genommen hat und sagte: Das ist mein Leib und mein Blut. Das war ein kreativer Akt. Ob Jesus das spontan gemacht hat oder aus langer Hand vorbereitet – nun, das wissen wir nicht. Jedenfalls hat er den Sinngehalt des Stücken Brotes und des Weins mit einem Mal kreativ verschoben. Und das mit weitrechnenden Folgen: Brot und Wein werden Sie überall dort finden, wo Christen leben – selbst in Kulturen, die z.B. eher Reis essen.

Selbst wenn man aus Sicht des Glaubens nicht nachvollziehen kann, was die Christen da feiern, muss man zugestehen: Was Jesus da beim Abendmahl gemacht hat, das war eine der folgenreichsten Kreativaktionen der Menschheitsgeschichte  Eine „soziale Plastik“, würde Beuys sagen. Und sie ist insofern noch besonders kreativ, weil es dabei nicht nur ums Anschauen geht, wie bei einem Kunstwerk, sondern auch ums Einverleiben. „Die Scheibe“ wird ja in der Kommunion Teil von dem, der sie empfängt und isst. Und so hat schon vor Jahrhunderten der alte Kirchenlehrer Augustinus einen Satz geprägt, der besonders heute an Fronleichnam beschreibt, was sich da vollzieht: „Empfangt, was ihr seid: Leib Christi, damit ihr werdet, was ihr empfangt: Leib Christi.“ 

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