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Kirche in WDR 2 | 03.04.2019 | 05:55 Uhr

Abofalle für Gutmenschen?

Abofalle für Gutmenschen?

Dauernd werde ich angesprochen: In der Köln Innenstadt laufe ich fast täglich an einem Spendenstand vorbei. Ein kleines Zelt, meist bestückt mit jungen Studenten, die mich mit irgendwelchen Fragen ködern wollen: ob ich Tiere mag, das Klima retten oder Journalisten befreien möchte. Oft heißt es einfach nur „Lass uns über etwas wirklich Wichtiges sprechen“. Darauf soll ich dann anspringen. Und ich gestehe, dass ich dann eher gefühlt 2 Meter weiter weg springe, als darauf anspringe.

Denn in Köln bin ich meistens auf dem Weg zu einem Termin, oder zum Essen in der Mittagspause und dann ist mir einfach nicht danach, über was „Wichtiges“ zu sprechen. Dann will ich einfach nur Klaus sein, der irgendwie versucht, seinen Alltag zu bewältigen und nicht die Welt retten muss. Und meist befürchte ich, dass ich an diesen Ständen in so eine Art Abofalle für Gutmenschen tappe: Nach dem schmeichelnden Gespräch wird es nämlich meist schnell bürokratisch: dann soll ich möglichst viele Daten da lassen, ‘ne Unterschrift geben, am besten gleich auch die Kontonummer….

Tut mir leid. Weil ich das schon so oft erlebt habe, winke ich meist ab und rufe von der anderen Straßenseite zu: „Hab keine Zeit“ oder „Ich spende schon“. Was bei manchen dieser Organisationen auch stimmt, manchmal ist das aber auch ‘ne schlichte Notlüge.

Und dann ärgere ich mich über mich selbst. Denn eigentlich sind die meisten Anliegen der Leute ja berechtigt. Und Spenden ist wichtig. Da haben die Studenten ja völlig Recht, wenn sie auf der Straße Werbung machen.

Je älter ich werde, je mehr ich in der Welt herum komme, umso mehr weiß ich, dass ich hierzulande so verdammt privilegiert lebe! Da möchte ich auch irgendetwas zurückgeben, damit mein Gewissen nicht platzt. Und zwar: ohne Spendenquittung, ohne, dass ich davon was habe – einfach, weil ich dieses Leben führen kann, inmitten des Kölner Innenstadtgewusels. Das ist doch ein verdammter Luxus: mir Sorgen zu machen ob die Schlange im Salatladen gleich in der Mittagspause nicht zu lang ist! Und wenn ich überlege, dass nach dem Horror-Zyklon Mitte in Simbabwe und Malawi immer noch fast doppelt so viele Menschen ums schiere Überleben kämpfen, wie in Köln leben … dann ist das doch peinlich, wenn ich mich übers Aprilwetter ärgere oder über die nervigen Spendensammler. Ja, die nerven manchmal. Aber: Im Grunde ist es gut, dass die Spendensammler da sind – selbst wenn sie nerven.

Aber, wie gesagt: ich denke, das Genervt-Sein bei den Spendensammlern zeigt mir im Grunde eine Regung an von meinem Gewissen. Und ich reagiere genervt, weil ich in dem Moment keine Lust auf mein Gewissen habe. So einfach ist das. Machts aber nicht besser.

Warum ich das heute gerade erzähle? Weil übermorgen in ganz Deutschland Ehrenamtliche auf die Straßen gehen werden, um Spenden zu sammeln. Sie werden einen fairen Kaffee gratis ausgeben an Leute in Fußgängerzonen, in Schulen, an Arbeitsplätzen und dann um eine Spende bitten. „Coffee-Stop“ heißt die Aktion des Hilfswerks Misereor und ist Teil der großen Spendenaktion in der Fastenzeit. Die Ehrenamtlichen können sich vor Ort entscheiden, wozu die freiwillige Spende dann eingesetzt wird: ob für die Krisenhilfe nach dem Zyklon oder für ein Jugendprojekt in El Salvador – oder für was ganz anderes. Immerhin unterstützt Misereor weltweit über 3.000 Projekte.

Und ich erzähle davon, weil ich mir dieses Jahr vorgenommen habe, übermorgen am „Coffee Stop“ nicht vorbeizugehen. Und auch wenn ich keinen Kaffee trinke, möchte ich da mal spenden. Und ich möchte denen am Stand danke sagen, stellvertretend für so viele, die Zeit und Herzblut für eine gute Sache am Spendenstand investieren. Denn auch wenn sie mich damit manchmal nerven, weiß mein Herz, dass sie damit meine Aufmerksamkeit verdienen….und ein paar Euro gerne auch.

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