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Kirche in WDR 2 | 11.03.2021 | 05:55 Uhr

Fukushima

An den 11. März 2011 erinnere ich mich gut. Das ist einer von diesen Tagen, die man eben nicht vergisst: Ich weiß, was ich gemacht habe, als die Nachricht vom Fall der Mauer kam. Ich weiß, wo ich war, als die Flugzeuge in die Twin Towers flogen. Und ich erinnere mich an diesen Freitag heute vor 10 Jahren. An das Reaktorunglück von Fukushima. Ich hab es vor Augen: Ich sitze im Wohnzimmer und starre schreckensfasziniert auf den Fernseher. In Japan bebt die Erde. Das stärkste Beben, das dort bis dahin registriert worden ist. Und dann der Tsunami. Wellen wie Hochhäuser. Schiffe, die wie kleine Papierboote an Land gespült und irgendwo in die Gegend gespuckt werden. Häuser stürzen ein. Menschen kommen ums Leben. Und dann erreicht das Wasser das Atomkraftwerk. Fukushima Daiichi. Den Namen habe ich an diesem Tag gelernt. Dem Erdbeben hätte dieses Wunderwerk moderner Technologie vielleicht getrotzt, auch eine Flutwelle überstanden. Beides zusammen ist zu viel. Ein stammelnder Experte rechnet im Interview vor, wie unwahrscheinlich ein solches Zusammentreffen ist. Eigentlich ausgeschlossen. Theoretisch. Praktisch aber offensichtlich nicht. Es kommt zur Kernschmelze. Und das gesamte Gebiet, kilometerweit, ist radioaktiv verseucht. Mit Folgen, die bis heute zu spüren sind. Trotz aller Anstrengungen. Dieser Tag hat bei mir einiges verändert: Ich kann seitdem nicht mehr recht folgen, wenn mir jemand sagt: Für den Fortschritt muss man auch mal Risiken eingehen. Vor allem, wenn wirtschaftliche Interessen darüber bestimmen, was Fortschritt ist und was nicht. Ich kann seitdem vielen Experten nicht mehr trauen, wenn sie mir erklären: Das Restrisiko ist minimal. Rechnerisch. Mit moderner Technologie ganz einfach zu beherrschen. "Ja sicher.", denke ich dann. "Kenn ich." An diesem Tag vor dem Fernseher hat sich mir ein Bibelwort im Kopf festgesetzt: „Vertrau auf den Herrn von ganzem Herzen und verlass dich nicht auf deinen Verstand.“ (Spr 3,5) Weil das, was man errechnet eben nur errechnet ist. Weil das, was eigentlich unmöglich scheint, uneigentlich eben doch sein kann. Ein gesundes Misstrauen gegenüber eigenen Meinungen und Einschätzungen erscheint da gut. Zumindest bei Dingen, die so viel kaputtmachen können, ist Demut angebracht. Und Rücksicht auf die, von denen man erwartet, dass sie die Risiken tragen. Die Bevölkerung. Die kommenden Generationen. Ich erinnere mich gut an Fukushima.

 

 

Redaktion: Landespfarrer Dr. Titus Reinmuth

 

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