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Kirche in WDR 4 | 25.05.2020 | 08:55 Uhr

Gärten des Grauens

Heute ist wieder Montag, und weil heute Montag ist ist das Wochenende schon wieder vorbei. Tja, und an einem Wochenende vor ein paar Wochen, als der Lockdown langsam gelockert worden war, bin ich mit meiner Frau und unserem Hund an die Nordsee gefahren. Wind, Strand, Spaziergänge, Fischbrötchen, dicke Torten, Tee - was an drei Tagen halt so geht.

Am letzten Tag laufen wir zum Abschied durch den Museumshafen. Wir spazieren so an dem kleinen Fluss vorbei, der da in die Nordsee fließt und schauen uns die Vorgärten der Häuser an. Friesisch herb sind die, kurze Rasen, kleine Büsche, hier und da ein Kübel mit Blumen, liebevoll dekoriert mit kleinen Windspielen.

Auf einmal bleiben wir stehen. Kennen Sie diese so genannten pflegeleichten Gärten? Wo du nichts machen musst? Kein Rasen mähen – weil da kein Rasen ist? Keine Blumen gießen – weil da keine Blumen sind? Der hier sah so aus, als hätte einer ne Tonne Hundetrockenfutter ausgekippt. Dazwischen klein gemahlener Schotter in verschiedenen Grautönen, aus dem an zwei Stellen Büschel von Ufergras wie traurige Pinsel im Terpentinrausch rausragten und Passanten wie uns um Hilfe anflehen. Bitte holt uns hier raus! Hätte unser Hund da ne Wurst draufgelegt – das wäre gar nicht mal aufgefallen. Und in der Mitte ein Schwung, ja was war das? Sah aus wie ein Rinnsal kaputt gekloppter Glasbausteine. Ich sag zu meiner Frau: Wolltest du schon mal Blasensteine aus der Nähe sehen? So stell ich mir die vor. Und auf die hatte einer ein Stück Styroporstuck gelegt und draufgeschrieben – kein Witz: „Bitte nicht berühren.“ Ich frag meine Frau: Wer soll das denn bitte berühren? Sie sagt: Tja, die denken vielleicht: Kinder.  Ich sag: Kinder fangen an zu heulen, wenn die das sehen. Warum macht einer sowas? Sie sagt: Das Haus ist bestimmt ein Ferienhaus, und der, dem der Garten gehört, der hat vielleicht keine Zeit sich drum zu kümmern. Ich sage: Wer soll denn hier Urlaub machen? Einer, der sich selbst quälen will?

Im Internet gibt’s ne Seite, die heißt Gärten des Grauens, das ist eine Sammlung solcher Scheußlichkeiten. Spaziergänger haben Gärten wie diesem geknipst und hochgeladen. Ein Internetmuseum aus der Hölle, ein Sammelsurium der Trostlosigkeit. Das kommt davon, wenn Baumärkte zu viel Bedeutung bekommen.

Hätte der liebe Gott am Anfang der Welt gedacht: Ach Gott, ich hab gar nicht so viel Zeit, ich hole mal im Baumarkt ne Schubkarre Brekkies, einen Kofferraum voll Blasensteine, eine traurige Zypresse, kipp alles aus und nenne das Ganze Garten Eden – Adam und Eva wären doch freiwillig abgehauen. Und Noah hätte gefragt: Herr, wo ist der Gartenschlauch? Wenn du keine ordentliche Sintflut hinkriegst mach ich das selbst.

Das Paradies ist anderswo. Daran musste ich denken, als ich vor dieser Mondlandschaft stand. Nicht dort, wo Menschen Angst haben. Vor dem Unkraut zum Beispiel und davor, dass sich das Leben unkontrolliert verbreitet. Das Paradies ist anderswo. Wo das Leben explodiert. Nene, das Paradies ist wild. Nicht nur an einem Montagmorgen.

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