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Kirche in WDR 5 | 25.03.2019 | 06:55 Uhr

Gartenzeit

Die Osterglocke passt genau in die Vase auf ihrem Nachtschränkchen. Elisabeth lächelt. „Wissen Sie, ich hatte einen großen Garten. Und da haben im Frühling immer hunderte Osterglocken und Narzissen geblüht. Und Tulpen. Und im Sommer die Rosen. Ach, ich vermisse meinen Garten so…“ Weil ihre Tochter so weit weg wohnt, lebt Elisabeth jetzt im Seniorenheim. Hier fühlt sie sich wohl, vermisst aber ihren Garten. Da ist Elisabeth nicht die einzige. Viele Senioren kommen hier ins Schwärmen, wenn es um den Garten geht.

Bis auf Richard. Der stützt sich auf seinen Stock und meint: „Also, ich bin ganz froh, dass ich die Plackerei nicht mehr am Hals habe. Das ganze Laub im Herbst und Rasenmähen und Sprengen und das Unkraut aus den Beeten zupfen. Nee, nee… ist schon besser hier. Da geh ich in den Park, wenn mir nach Natur ist.“

Ich überlege: Trotz aller Arbeit – ein Garten kann wie ein Stück vom Paradies sein. Ein Ort, wo man den Alltag etwas hinter sich lassen kann. Beim Pflanzen und Ernten, sogar beim Unkrautzupfen oder bei einem Mittagsschläfchen in der wärmenden Sonne. Wenn ich mit meinem Hund an den Gartenanlagen vorbei spaziere, dann bewundere ich, wieviel Mühe die Schrebergärtner in ihr kleines Paradies stecken. Aber diese Mühe sieht, im Gegensatz zu anderer Arbeit, nicht mühevoll aus. Kreativ bebauen und bepflanzen sie das Stückchen Land und verschaffen sich einen ganz eigenen Lebensraum.

Da sind wir nicht weit weg von Eden, wie das Paradies in der Bibel heißt. Der Garten Eden – in der Bibel kann man nachlesen, wie vielfältig die Schöpfung hier war. Tiere und Menschen lebten hierfriedlich zusammen. Der Garten Eden – ein Sehnsuchtsort.

Die Realität diesseits von Eden sieht anders aus: Im letzten Sommer haben unsere Gärten und Grünflächen unter der Hitze und Trockenheit ziemlich gelitten. Wir mussten aus dem gemütlichen Mittagsschläfchen in der Sonne wachwerden und einmal mehr spüren: Wir leben leider nicht im Paradies. Der Mensch zerstört die Schöpfung. Gibt nicht genug auf sie Acht.

Achtgeben, wach bleiben! Das fordert auch Jesus von seinen Jüngern im Garten Gethsemane. Ausgerechnet hier, an diesem paradiesischen Ort, wird er von seinem Jünger Judas verraten und später verhaftet. Mit Jesus, dem Sohn Gottes, wird Gott selbst verraten.

Das hatte es schon einmal gegeben. Schon die ersten Menschen hatten Gottes Liebe verraten. Er hatte sie in den Garten Eden gesetzt, in paradiesische Zustände. Doch dann misstrauten sie seiner Liebe, beachteten seine Gebote nicht und wurden aus dem Paradies vertrieben.

Anders in der Geschichte Jesu. Nachdem er verraten und ermordet worden ist, kommt Maria am Ostermorgen zum Grab und sieht: Der Stein vor dem Eingang zum Grab ist weggerollt. Dort begegnet ihr Jesus. Sie hält ihn für den Gärtner, denn die Auferstehung hat ihn verändert. Und plötzlich scheint das Paradies wieder zum Greifen nah. Jesus – der geliebte Lehrer ist da – anders, aber da.

Mit dieser Geschichte im Ohr erscheint mir mein Garten heute anders. Er ist mehr als Dekoration. Das gute Leben, nachdem ich mich sehne, bekommt hier einen symbolischen Ort. Einen Ort, an dem ich Jesus, an dem ich Gott nahe sein kann. Denn hier ist Ruhe, hier ist Schutz, hier kann ich für mich sein und neu anfangen.

Es grüßt Sie, Pfarrerin Anne Wellmann aus Duisburg.

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