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Kirche in WDR 5 | 28.08.2020 | 06:55 Uhr

Geburtstagsgrüße (zum 250. Geburtstag von G.W.F. Hegel)

Guten Morgen.

Jemand sagt etwas. „So ein Quatsch.“, denke ich und bin schon in Abwehrstellung. Das geht blitzschnell. Sofort fallen mir ganz viele Gegenargumente ein. Ohne weiter nachzudenken, starte ich meinen argumentativen Gegenangriff. Bei Georg Wilhelm Friedrich Hegel habe ich anderes gelernt. Der große Theologe und Philosoph würde 250 Jahre alt.

Bei Hegel habe ich gelernt, dass ich jede Meinung, jede Position eines Anderen zuerst prüfen soll. Was kann ich davon lernen und was daran ist wichtig zu bewahren? Auch wenn diese Äußerung so gar nicht meiner Meinung entspricht oder mir noch nicht ganz spruchreif zu sein scheint. Prüfet alles, und das Gute behaltet. So einfach ist das. Oder auch nicht. Ich finde es schwer, denn eigentlich möchte ich doch bestätigt werden in dem, was ich mir überlegt habe. In dem, was ich für wahr halte oder was ich für gut halte.

Was ich für nicht gut halte, sind Hegels Ansichten über Frauen. Was Hegel über die Frauen gesagt hat, das möchte ich hier nicht wiederholen. Strikte Ablehnung. Aber wenn es um zwischenmenschliche Beziehungen geht, um die Rollenverteilung innerhalb der Familie, dann kann Hegel auch mir hilfreich sein.

Es geht also bei dem genauen Durchdenken einer Position um die kritische Auseinandersetzung mit dem Anderen. Die bringt mich weiter. (1)

„Im andern bei mir selbst sein.“ Ein guter Satz. Auch von Hegel. Wenn es mir wirklich einmal gelingt, mich ganz auf meinen Gesprächspartner einzulassen und gleichzeitig ganz bei mir selbst zu sein. Dann gehen wir am Ende raus aus dem Gespräch und nehmen beide ganz viel mit. Und dann ist das auch gut für uns beide.

Alles ist zeitbezogen. Auch das habe ich von Georg Wilhelm Friedrich Hegel gelernt. Glücklicherweise auch sein Bild von Frauen. Auch wenn ich es im Geheimen natürlich gerne hätte, dass meine eigenen Vorstellungen zeitlos sind und immerwährend gültig. Weil ich sie heute als gut und richtig empfinde. Zum Beispiel: Gleichberechtigung und Freiheit für alle, egal welcher sexuellen Orientierung sie sind.

Als Philosophen der Freiheit hat man Georg Wilhelm Friedrich Hegel immer wieder bezeichnet. In diesem Sommer ist das natürlich ein ganz großes und wichtiges Thema. Wieviel Freiheit muss sein, wie viele Einschränkungen muss ich akzeptieren? Ich glaube, Hegel hätte nur wirklich nötige Einschränkungen akzeptieren können, um der Freiheit willen. Aber für ihn war auch klar: persönliche Freiheiten kann ich nur leben, wenn sie eingebettet sind in ein System oder einen Staat, der das Allgemeinwohl im Blick hat, das Wohl aller Menschen also. Denn das Wohl der Allgemeinheit ist die Voraussetzung für alle individuellen Freiheiten. Und nicht umgekehrt. So hat Hegel das gesehen.  

Ich weiß, dass andere das im Moment ganz anders sehen. Es ist, war und bleibt schwierig zu entscheiden, in welcher Situation was richtig und angemessen ist.

Für heute nur so viel: Herzlichen Dank dem Philosophen Georg Wilhelm Friedrich Hegel für seine tiefgehenden Denkanstöße und herzlichen Glückwunsch zum 250. Geburtstag. Am 27. August 1770 wurde Hegel in Stuttgart geboren.

 


Gerlinde Anders, Schulpfarrerin in Leverkusen.

 

 

1 https://www.srf.ch/play/tv/sternstunde-philosophie/video/hegel-wirkt-bis-heute?id=38b3078b-2be3-48e0-9fb2-84c5df61e592

 

  

Redaktion: Landespfarrerin Petra Schulze

 

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