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Kirche in WDR 5 | 25.05.2021 | 06:55 Uhr

Gehorsam

Vor einigen Monaten erhielt mein Schwiegervater die niederschmetternde Nachricht, dass er bald sterben werde. Der Krebs hatte sich zurückgemeldet, nachdem wir alle im vergangenen Jahr noch einmal aufatmen konnten. Der Gesundheitszustand verschlechterte sich rapide und für meine Frau und mich war klar, dass wir auf jeden Fall noch einmal zu ihm hin wollten, um Abschied zu nehmen. Wir fuhren also zu ihm ins Münsterland, die beiden Brüder meiner Frau und ihre Familien kamen auch. Mein Schwiegervater konnte alle seine Kinder noch einmal sehen und Abschied nehmen. In der Nacht darauf ist er gestorben. Uns war klar, dass wir gegen die Corona-Schutzverordnung verstoßen würden. Zu viele Haushalte kamen hier für einen halben Tag zusammen. Doch das haben wir für diesen Anlass in Kauf genommen. Nein, das war nicht nur ein in Kaufnehmen. Das war eine klare Entscheidung – nach einem doch schweren Abwägen. Das war vielleicht ungehorsam gegenüber dem Staat. Aber in manchen Fällen gibt es einen größeren Gehorsam. Ich gebe es offen zu: Mit dem Begriff „Gehorsam“ habe ich so meine Probleme. Damit verbinde ich meistens das Befolgen von Auflagen oder das Erfüllen von Anweisungen, die ich zumindest in dem Augenblick nicht ganz nachvollziehen kann. Und nicht selten pflege ich einen notorischen Ungehorsam, weil ich mich in meiner persönlichen Freiheit eingeschränkt fühle. Andererseits sind Regeln sowie das Befolgen von Ge- und Verboten grundsätzlich erst einmal sinnvoll. Gerade auch die Corona-Schutzauflagen. Keine Frage. So wird derzeit ein gemeinschaftliches Zusammenwirken erst ermöglicht mit all den unterschiedlichen Interessen, die manchmal auch ganz entgegengesetzt sein können. „Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen.“ – Das erwidern Petrus und die anderen Jünger, als ihnen vom Hohen Rat verboten wird, nicht mehr von Jesus und seiner Lehre zu erzählen. Rede- und Denkverbote wollten Christen also schon zu damaliger Zeit nicht hinnehmen. Das hat sich bis heute nicht geändert, auch innerhalb der Kirche nicht. Aber wer sagt uns heute, was Gott will? Darüber gibt es natürlich auch Streit, auch heute noch. Viele Zeitgenossen beanspruchen, dass der Heilige Geist durch sie wirkt und spricht. Naja – ich wünsche natürlich allen, dass der Geist Gottes zu ihnen spricht. Aber: in der Kirche gibt es ein Instrument, das noch mal zu prüfen: Die Unterscheidung der Geister. Sie soll helfen zu erkennen, was wirklich wichtig ist. Vielleicht kann ein entscheidendes Kriterium zum Befolgen oder sich Widersetzen einer Vorschrift oder Anweisung die Frage sein, ob ich durch mein Handeln jemand anderem schade oder ob ich ihm dadurch helfe. Also: Ist mein Ungehorsam rein egoistisch motiviert oder dient er jemand anderem? Auch im Nachhinein betrachtet war es beim Sterben meines Schwiegervaters die richtige Entscheidung, diesen Verstoß gegen geltendes Recht in Kauf zu nehmen. Es half ihm, aus dieser Welt zu scheiden und gab ihm Kraft für seinen letzten Weg, auch wenn die Minuten an seinem Sterbebett für uns sehr hart und emotional waren. Ich will mit der Geschichte nicht zum Corona-Regel-Brechen aufrufen. Aber ich werbe dafür, genauer hinzusehen. Und bei jeder Entscheidung zu fragen: Wem helfe ich dadurch außer mir selbst? Diese Weisheit bei solchen Entscheidungen, die wünsche ich uns allen. Kommen Sie gut in diesen Tag, Ihr Jan Hendrik Stens aus Köln.

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