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Choralandacht | 24.10.2020 | 07:50 Uhr

„Gelobt sei deine Treu“ (eg 681, 1-4)

Autor: Ich habe sie sehr geliebt. Diese Allwetterjacke. Sie war mir ein treuer Begleiter. Zum Beispiel an stürmischen Tagen. Dann hielt sie mir den Wind vom Leib. Und der Regen prallte an ihr ab. Und im Winter, wenn es kalt war, wärmte mich das weiche kuschelige Innenteil, das man herausnehmen konnte. Ich habe sie lange getragen. Aber dann wurde der Stoff außen mürbe und bröckelig. Die Ärmel und der Kragen waren abgeschabt und irgendwann blieb mir nichts Anderes übrig, als sie zu entsorgen. Und mir eine neue Jacke zu kaufen, in die ich mich an dunklen und kalten Tagen einhüllen kann. ( 0.39)

 

Musik 1: Choral (Strophe 1) „Gelobt sei deine Treu“, CD-Titel: Gottes Tag sei gelobt, Text: Gerhard Fritzsche, Melodie: Johannes Petzold, Chor: Kleine Kantorei des Christlichen Sängerbundes, Leitung: Horst Krüger, Verlag: Verlag Singende Gemeinde

 

Sprecherin (overvoice)

Gelobt sei deine Treu,

die jeden Morgen neu

uns in den Mantel deiner Liebe hüllt,

die jeden Abend wieder,

wenn schwer die Augenlider,

das schwache Herz mit Frieden füllt. ( 0.32)

 

Autor: Ein Mantel ist für den Liederdichter ein treuer Begleiter. Ein geliebtes, altes Stück. Schon in biblischen Zeiten war ein Mantel ein ganz besonderes Kleidungsstück. Wenn ein Mensch im alten Israel so arm war, dass er seine Kleider ins Pfandhaus bringen musste, durfte er am Abend seinen Mantel wieder abholen, damit er in der Nacht vor der Kälte geschützt war und ihm der Mantel als Decke diente.

Hier ist es der Mantel der Liebe: Ein Kleidungsstück nicht für den Leib. Und auch nicht gegen den Regen und Wind. Sondern ein Kleidungstück für die Seele. Denn auch die Seele braucht Schutz. Schutz gegen eine andere Kälte. Eine Kälte, die das Herz bedroht. Eine Kälte, die dem Herzen die Herzlichkeit nimmt.

Es muss ein großer, alter Mantel sein, um den es hier geht. Denn er hüllt nicht nur den Liederdichter ein, sondern „uns“, wie er schreibt. Eine ganze Gemeinschaft. Jeden, der glaubt. Im Gottesdienst am Sonntagmorgen danken Christen überall auf der Welt für die Treue und Liebe Gottes. Und wenn die Abendglocken läuten ist es die Treue und Liebe dieses Gottes, die sie wie eine warme Decke einhüllt nach einem arbeitsamen Tag, wenn sich die Augen müde und schwer schließen.

 

Musik 1: Choral (Strophe 2)

Sprecherin (overvoice)

Wir wolln dem Namen dein,

im Herzen still und fein

lobsingen und auch laut vor aller Welt.

Nie hast du uns vergessen,

schenkst Gaben unermessen,

tagtäglich deine Hand uns hält. ( 0.32)

 

Autor: Das Lied von der Liebe und Treue Gottes soll nicht nur hinter Kirchenmauern und in unseren Herzen ertönen. Nicht nur die Kirche, auch die Welt, in der wir leben, braucht einen Schutz gegen die Kälte, die sich unter uns Menschen ausbreitet. Nicht nur, weil es Herbst wird und die Tage kürzer werden und die Nächte länger. Wir sehen die Bilder immer wieder. Bilder von Menschen, die alles verloren haben. Oft auch das letzte wärmende Kleidungsstück für eine kalte Nacht. Die ungezählten Menschen aus den Flüchtlingslagern in Griechenland, die ohne eine Decke über dem Kopf vor den Wintermonaten stehen. Wieviel soziale Kälte strahlt ein Europa aus, das unendlich feilscht mit Zahlen, wo es doch um die Verteilung von Menschen geht, die Gott liebt. Wo bleibt hier der Mantel die Liebe, der über diesen Menschen ausgebreitet wird? Schon Dietrich Bonhoeffer hat der Kirche in Deutschland das ins Stammbuch geschrieben: Eine Kirche darf nicht hinter ihren Kirchenmauern fromme Lieder singen, während draußen auf den Straßen schreckliches Unrecht geschieht, dem man sich entgegenstellen muss.

Das gilt wohl auch für das Lied vom Mantel der Liebe

Denn der Mantel der Liebe trägt einen Namen. Auf den meisten Mänteln, die wir heute kaufen, steht gut sichtbar die Marke des Herstellers, also wer diese Jacke gemacht hat. Der Mantel der Liebe aber trägt den Namen seines Schöpfers versteckt. Es gibt da diese Geschichte von dem französischen Mathematiker und Philosophen Blaise Pascal. Er hatte im Jahre 1654 eine mystische Erfahrung, die er in seinem berühmt gewordenen Mémorial, also einem Erinnerungsblatt, beschrieb. Ein kurzer Text auf einem schmalen Pergamentstreifen, den Pascal bis zu seinem Tod immer wieder neu in das Futter seines Rockes eingenäht hatte und der nach seinem Tod von einem Diener zufällig entdeckt wurde. Pascal trug diesen Zettel immer bei sich. Da stand in stammelnden Worten geschrieben:

 

Sprecher: Seit ungefähr abends zehneinhalb bis ungefähr eine halbe Stunde nach Mitternacht Feuer. Gott Abrahams, Gott Isaaks, Gott Jakobs, nicht der Philosophen und Gelehrten.

 

Autor: Eine Erinnerung an den Namen Gottes, den Mose im feurigen Dornbusch erfuhr. Gott stellte sich vor als ein Gott, der mit seinem Volk geht. Von Generation zu Generation. Nicht ein Gott der hohen Gedanken und Theorien, sondern der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs.

 

Musik 1: Choral (Strophe 3)

Sprecherin (overvoice)

Kleidung und Brot gibst du,

der Nächte Ruh dazu,

und stellst am Morgen über jedes Dach

das Taggestirn, das helle;

und mit der güldnen Welle

des Lichts nimmst du das Ungemach. ( 0.32)

 

 

Autor: Der Choral besingt Gott, den Schöpfer, der Himmel und Erde geschaffen hat, der unsichtbar jeden neuen Tag gegenwärtig ist in seiner Treue. Vor ein paar Wochen haben wir das Erntedankfest gefeiert, im Erntemonat Oktober.

Wie schön ist es, wenn wir an einem sonnigen Tag im Morgenmantel am Frühstückstisch sitzen, mit einer heißen Tasse Kaffee und knusprigen Brötchen, und die ersten Sonnenstrahlen fallen auf den Küchenschrank mit dem Brotkasten.

Auch wenn wir über heiße und trockene Sommer klagen, wir brauchen das Licht der Sonne und freuen uns daran. Die Sonn, die der Schöpfer als ein Kleid trägt, wie es in Psalm 104,2 heißt: „Licht ist sein Kleid“

Doch als der Liederdichter Gerhard Fritsche den Text dieses Liedes schrieb, lag Dunkelheit über dem Land. Der zweite Weltkrieg hatte gerade begonnen. Die Männer trugen unfreiwillig ganz andere Mäntel: Uniformen. Kriegsmäntel. Mäntel, an denen bald Blut und Schuld hängen würde, statt Liebe und Treue.

Doch auch in dieser Zeit ist Gott den Menschen treu geblieben, die auf ihn vertrauen.

 

Musik 1: Choral (Strophe 4)

Sprecherin (overvoice)

4. Gelobt drum deine Treu,

die jeden Morgen neu

uns deine abgrundtiefe Liebe zeigt.

Wir preisen dich und bringen

Dir unser Lob mit Singen,

bis unser Mund im Tode schweigt. (0.32)

 

Autor: Die abgrundtiefe Liebe Gottes hört auch da nicht auf, wo unser Mund zum Schweigen kommt. Der Liederdichter Gerhard Fritzsche war als evangelischer Jugendwart tätig. Auch er musste als Soldat eine Uniform anziehen, diese leidvolle Kriegskleidung. Und darin wurde er seit 1944 im Alter von 33 Jahren als Soldat vermisst gemeldet. Sein Mund schweigt seit dieser Zeit. Aber was er uns hinterlässt, ist auch ein Memorial. Das Lied vom Mantel der Liebe. Der Stoff der Liebe Gottes ist seine Treue.

Stoffe haben eine ganz bestimmte Struktur. Je stabiler diese Struktur ist, desto belastbarer ist der Stoff. Weil der Mantel der Liebe Gottes aus dem Stoff der Treue besteht, darum zerfleddert dieser Mantel nicht. Seine Ärmel werden nicht abgeschabt und sein Kragen nicht schmuddelig. Der Mantel seiner Liebe wärmt und schützt für alle Zeit.

 

Musik 1: Choral (Strophe 1)

Sprecherin (overvoice)

Gelobt sei deine Treu,

die jeden Morgen neu

uns in den Mantel deiner Liebe hüllt,

die jeden Abend wieder,

wenn schwer die Augenlider,

das schwache Herz mit Frieden füllt. ( 0.32)

 

 

 

Redaktion: Landespfarrer Dr. Titus Reinmuth

 

 

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