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Kirche in WDR 5 | 05.01.2021 | 06:55 Uhr

Gespräche

Seit sechs Jahren bin ich ein-, zweimal im Jahr in einem Gebirge im Hilfseinsatz, in der Grenzregion im Norden von Syrien und dem Irak. Und dort habe ich eine Freundschaft geschlossen mit einem Arzt aus Hessen – von der möchte ich Ihnen erzählen. Aber vielleicht muss ich erst einmal sagen, wie ich in diese umkämpfte Region komme.

Ich bin nicht nur Priester, sondern auch Fußballtrainer. Und in meiner Zeit als Kaplan  in Senden in Westfalen trainierte ich ein Fußballteam mit vielen Jesiden. Das ist die Volksgruppe, die im Shingal-Gebirge ihre Heimat hat. Und als dort 2014 der sogenannte Islamische Staat tobte, startete ich eine Hilfsaktion für die Familien meiner Jesidischen Freunde: Lebensmittel und Medikamente brachten wir in die Gebirgsregion. Die ist nicht nur entlegen – das Schicksal dieser Volksgruppe interessiert hierzulande wenige. Und so wurde ich aufmerksam auf diesen Arzt und Psychologen aus Hessen, der bei Facebook ähnliche Erfahrungen teilte wie ich. Seit 4 Jahren sind wir nun zusammen im Einsatz. Auf den ersten Blick könnten wir von unserer Herkunft und Weltanschauung nicht verschiedener sein. Er ist bekennender Anarchist. Ich bin katholischer Priester und eher geprägt durch die konservativere politische Herkunft meiner Familie. Deshalb nennen wir uns auch eigentlich nur noch „Don Camillo und Peppone“.

Und doch gibt es nur wenige Menschen, vor denen ich so viel Hochachtung habe, wie vor diesem Arzt. Es gibt so viel, was ich von ihm gelernt habe. Es gibt nur wenige Menschen, mit denen ich mich so innerlich verbunden fühle. Das, was uns vor allem miteinander verbindet, ist die Sehnsucht, den Menschen in Syrien und im Shingal-Gebirge ein wenig Hoffnung und Hilfe zu bringen. Und genau diese gemeinsame Sehnsucht macht uns offen für die Weltsicht und die Gedanken des anderen.

Wir führen manch kontroverse und hitzige Diskussion, wenn wir nach unseren Einsätzen abends im Quartier sind. Da geht es dann oft um die politische Ordnung daheim, bzw. um die Frage, wie viel Unordnung ihr gut tun würde. Während ich Traditionen etwas abgewinnen kann, weil sie eine Gesellschaft durchaus stabilisieren, wünscht er sich mehr herrschaftslose Freiheitsräume. Und doch entdecken wir mehr und mehr auch das Gemeinsame. Und auch die Werte und Meinungen, die wir nicht teilen, weiten den Horizont des anderen.

Meine „Don Camillo und Pepone“-Freundschaft zeigt mir: in aller Verschiedenheit gibt es doch immer etwas, was uns mit anderen Menschen verbindet. Die Sehnsucht, die Welt zu einem besseren Ort zu machen Ich entdecke mehr und mehr, wie heilsam es ist, sich in die Welt anderer Menschen zu begeben, ihnen nicht sofort meine Sicht der Dinge aufdrängen zu wollen, sondern von ihrer zu lernen.

Dies würde ich mir nicht nur für unsere Gesellschaft wünschen, sondern auch für meine Kirche. Von seinem eigenen Glauben Zeugnis abzulegen, bedeutet eben nicht, ihn dem anderen eintrichtern zu wollen. Es bedeutet die Bereitschaft, mit dem Gegenüber ins Gespräch zu kommen. Dann geht es darum, die Gegenwart Gottes in dieser Welt gemeinsam zu entdecken und Wege zu finden, ein Stück des Himmels schon hier lebendig zu machen.

Aus Steinfurt grüßt Sie herzlich

Pfarrer Jochen Reidegeld

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