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Kirche in WDR 4 | 02.01.2020 | 08:55 Uhr

Gleich an Würde

Autorin: Guten Morgen!

„Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren.“ So beginnt die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte der Vereinten Nationen. Ein Satz, wie geschaffen für den Beginn eines neuen Jahres – ein Satz für das persönliche Leben und für das Zusammenleben aller Menschen auf der Erde. In Deutschland ist die Würde des Menschen im Grundgesetz garantiert. - Alle Menschen sind frei und gleich.

Aber stimmt das so wirklich? Es gibt viele Situationen, da bin ich nicht frei und schon gar nicht gleich. Im Bewerbungsgespräch. Im Mitarbeitergespräch mit der oder dem Vorgesetzten. In einer Prüfung. Es gibt viele solche Situationen und immer sitzt mein Gegenüber am längeren Hebel. Ich bin darauf angewiesen, dass er oder sie diese Situation nicht ausnutzt.

So eine Situation wird schon in der Bibel beschrieben.

Das Volk der Israeliten lebt in Ägypten. Sie sind Sklaven. Da schickt Gott Mose, einen aus dem Volk, zum Pharao, dem ägyptischen König. Ganz allein soll er dort hingehen und im Namen aller versklavten Israeliten um Freiheit bitten. Was für ein schwerer Auftrag! Moses Antwort klingt denn auch nicht gerade begeistert: „Ich bin im Reden ungeschickt.“ Es hört sich fast wie eine Ausrede an. Ich kann Mose gut verstehen.

Gott sieht das anders. Er antwortet sinngemäß: „Du schaffst das schon. Und dein Bruder, der ist zwar auch ein Sklave, aber der kann gut reden. Der kommt mit und hilft dir.“ Gott hat leicht reden!

Wer trägt mich durch Situationen, in denen ich nur den Kürzeren ziehen kann? Wie verhalte ich mich gegenüber denen, die mächtiger sind als ich?

Eine Antwort darauf hat Adolph Freiherr Knigge. Heute verbindet man mit dem Namen Knigge ein Sammelsurium von Benimmregeln, die gar nicht von Knigge selbst stammen. Unbekannter dagegen ist sein eigenes Werk „Über den Umgang mit Menschen“, das am 2. Januar 1788 erschienen ist. Und da geht es um viel mehr, als bloße Benimmregeln.

Knigge beschreibt darin, wie einfache Menschen mit Fürsten, Vornehmen und Reichen umgehen sollen. Und er rät ihnen, selbstbestimmt aufzutreten.

Knigge selbst kam viel herum, arbeitete in unterschiedlichen Berufen und an vielen Höfen. Die Zustände dort empfand er als abstoßend, über den Lebenswandel der Fürsten äußert er sich überwiegend abfällig. Darüber möchte er seine Leserschaft aufklären. Gerade die Achtung vor sich selbst ist Knigge nämlich besonders wichtig. Er schreibt:

Sprecher: Suche nicht, Dir das Ansehn zu geben, als gehörest Du zu der Klasse der Vornehmen. Es gibt Menschen, die führen auf Unkosten ihres Geldbeutels den Luxus der Vornehmen und Reichen in ihren Häusern oder drängen sich in deren Zirkel ein, wo sie eine elende Figur spielen, nur hinterherlaufen müssen und keinen frohen Genuß haben, indes sie gute Freunde und weise Menschen von sich entfernen. – Handle selbständig! Verleugne nicht Deine Grundsätze, Deinen Stand, Deine Geburt, Deine Erziehung; so werden Hohe und Niedre Dir ihre Achtung nicht versagen können. (1)

Autorin: Ich muss zuallererst mir selbst vertrauen und wissen, wer ich bin und was ich kann. Fest im Glauben wie Mose. Redegewandt wie Aaron. Oder etwas anderes, was nur mich ausmacht. So bringe ich meine eigene Würde mit und die ist nicht vom Wohlwollen der anderen abhängig.

Autorin: Vertrauen in sich selbst und die eigenen Fähigkeiten wünscht Ihnen

Ihre Mareike Heidenreich aus Münster.

 

Quellen:

(1) Adolph Freiherr von Knigge: Über den Umgang mit Menschen, Frankfurt am Main 1977 (Erstausgabe 1788/31790), 3. Teil - Erstes Kapitel: „Über den Umgang mit den Großen der Erde, Fürsten, Vornehmen und Reichen“, Auszug gekürzt.

 

 

Redaktion: Landespfarrerin Petra Schulze

 

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