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Kirche in WDR 4 | 05.08.2020 | 08:55 Uhr

Gott ist anspruchslos

 

Als wir das zweite Kind bekommen haben, stapelte sich plötzlich der Müll bei uns in der Wohnung. Massenweise Windeln, Plastikmüll von Essen, das wir bestellt hatten anstatt selbst zu kochen. Je öfter ich das sah, desto mehr schlechtes Gewissen hatte ich: Bewahrung der Schöpfung und so.

Ich schaffte es nicht jeden Tag zu kochen oder Brot zu backen oder die Wohnung richtig ordentlich zu halten, die Kinder brauchten all meine Kraft. Als dann noch die gefürchtete Alltagskrankheit aller jungen Eltern dazu kam, nämlich „Magen-Darm“, war ich restlos bedient. Ich hab geheult und zu meinem Mann gesagt: „Ich bin nicht mal zwei Kindern gewachsen, das kann ja wohl nicht sein. Ich schaff‘ das alles nicht.”

Das hatte ich von mir selber nicht erwartet, denn normalerweise finde ich Vollzeit arbeiten ganz selbstverständlich, eine saubere und aufgeräumte Wohnung auch, und am besten immer frisch gekochtes Essen auf dem Tisch.

Als ich am nächsten Tag mit meiner Mutter darüber telefoniert habe, hat sie zu mir gesagt: „Ich finde, dein Anspruch ist einfach viel zu hoch. Du musst in den ersten Wochen und Monaten doch überhaupt nicht alles selber kochen und alles selber backen und perfekt in der Wohnung aufgeräumt sein.“

Das hat gesessen, Im positiven Sinne. Und meine Mutter muss es wissen, denn sie hat uns vier Kinder über viele Jahre allein erzogen. Sie hat da eigentlich immer über ihre Grenzen hinaus für andere gesorgt. Im Vergleich zu Alleinerziehenden und vielen anderen fühle ich mich oft richtig privilegiert. Und trotzdem gelingt es mir nicht immer, den Blick dafür zu weiten, wie glücklich ich mich schätzen kann.

Am Tag nach dem Telefonat mit meiner Mutter kam übrigens die Patentante zu Besuch. Sie hat Essen mitgebracht, sie hat die Spülmaschine ausgeräumt und mit den Kindern gespielt. Währenddessen haben mein Mann und ich endlich den schwierigen Elterngeld-Antrag gemacht – deutsche Bürokratie ist einfach unschlagbar.

Als ich in die Küche kam, war alles ordentlich. Nicht genau so, wie ich es selber mache, aber völlig super in Ordnung. Und dann war ich meiner Freundin sehr dankbar. Das, was meine Freundin, die Patentante unseres Sohnes, für uns getan hat, tut Gott jeden Tag: er hilft mir und liebt mich - ganz ohne Anspruch. Ohne dass ich ihm was zurückgeben muss. Manchmal, ohne dass ich es merke.

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