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Kirche in WDR 5 | 23.10.2019 | 06:55 Uhr

Great again?

Guten Morgen.

Chris McLean ist Wirt des Plough and Harrows, ein kleiner Pub in einem kleinen Dorf gleich hinterm Kanal in der Grafschaft Kent in England.

Ein Kerl wie ein Baum, weit über zwei Meter groß, Hände wie Bratpfannen und Riesenschuhe. Chris hat diese merkwürdige Krankheit, er wächst immer weiter – ein Hormonüberschuss, verursacht durch einen gutartigen Krebs.

Chris ist der starke Mann in Dorf und Kirche. Er ist nicht nur Kneipenwirt, sondern auch Churchwarden, der Gemeinde, das ist so eine Mischung aus Küster und Kirchenvorsteher. Und in seinem Schatten, da versammeln sich abends die Leute im Pub und Sonntagmorgen in der Kirche – und Chris überragt sie alle.

Ich lerne Chris bei einer Reise kennen. Ich bin noch in der Ausbildung zum Pfarrer und meine deutsche Gemeinde hat eine Partnerschaft mit der Gemeinde in England.

Am Sonntag, beim Abendmahl stehen der Pfarrer der Gemeinde und ich im Altarraum der Kirche. Gleich sollen Brot und Wein ausgeteilt werden. Da geht Chris nach vorn und verschließt den Altarraum, mit einer schweren hölzernen Schranke. Die Gemeinde im Kirchenschiff ist sozusagen ausgesperrt.

Ich bin irritiert. Hier die einen, da die andern. Da wir Geistlichen, dort die Laien. Nun werden Brot und Wein ausgeteilt. Und das macht das Spiel komplett. Wir stehen. Die Gemeinde kniet. Vor der Schranke und „Brot und Wein “ werden herüber gereicht. Von oben nach unten.

Ich bin entsetzt über diese Inszenierung von Hüben und Drüben, heilig und nicht so heilig, ausgerechnet beim Abendmahl, dem Mahl der Liebe, der Gleichheit von Schwestern und Brüdern. Fast hätte ich mich, als die Reihe an mich kam, auch hinkniet auf meiner Seite – und aus Protest.

Es stimmt schon, die Kirche war lange Zeit schrecklich gut darin, Menschen vor Gott und der eigenen Macht klein zu machen. Und wo immer es noch so ist oder schon wieder, da ist Protest angesagt.

Auch außerhalb der Kirchen. In immer mehr Ländern, bei immer mehr Politikern und viel zu vielen Wählern scheint es einzig darauf anzukommen, irgendwie überlegen, mit anderen Worten „great again“ zu sein oder zu bleiben.

Funktioniert auch ohne höhere Mächte- Und überhaupt lässt man dabei Gott besser aus dem Spiel. Denn – so sagt Jesus einmal: „Wer unter euch groß sein will, sei euer Diener.“ (Markusevangelium 10,43)

Nach dem Gottesdienst, beim Bier im Pub, spreche ich mit Chris über meine Empfindungen beim Abendmahl, über die Schranke und über das Hinknien.

Erst wundert er sich und dann lächelt er, als wolle er sagen: Ich verstehe dich nur zu gut.  

Er der starke Mann in Kirche und Dorf, er der nicht aufhört zu wachsen,

er der sich, wenn er mit seiner Frau spricht, immer hinunter beugen

und in seiner Kneipe und im eigenen Haus immer den Kopf einziehen muss.

Chris lächelt und sagt: ‚Weißt Du eigentlich, wie gut das tut – einmal nicht groß sein zu müssen. Ich mache das gern.’ Einmal nicht groß sein, nicht alles im Griff haben müssen, sondern sich hinknien, sich voll Vertrauen dem hingeben, der größer ist als alle Vernunft.

So hatte ich es noch nicht gesehen. 

Einen großartigen Tag wünscht Ihnen,
Ihr Jan-Dirk Döhling aus Bielefeld.

 

Redaktion: Landespfarrerin Petra Schulze

 

 

 

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