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Kirche in WDR 2 | 05.08.2019 | 05:55 Uhr

Begegnungen

Heute ist wieder Montag, und weil heute Montag ist, ist das Wochenende leider auch schon wieder vorbei. Tja.

Auch bei mir geht die Arbeit wieder los. Und ich will heute mal von meinem Job erzählen. Denn ich liebe im Großen und Ganzen das, was ich tue, wirklich sehr. Ich arbeite für die katholische Kirche als Pastoralreferent. Das heißt, ich bin kein geweihter Priester, bin verheiratet, aber ich bin trotzdem Seelsorger. Ist n bisschen kompliziert, vor allem die Berufsbezeichnung, aber die ist den meisten eh egal. Rund um St. Agnes kennen mich die meisten als Peter oder als Herr Otten und das reicht. Tja, und was mache ich so?

Bevor ich zu arbeiten anfange, mache ich hin und wieder Sport. Montags, mittwochs und freitags gehe ich in der Regel laufen. Morgens um sieben, im Winter um halb acht. Es ist schön, den Tag mit Bewegung zu beginnen. Laufen, Fahrrad fahren, egal. Am besten mit einem Partner. Das hilft gegen den Schweinehund, den inneren. Und ist auch nicht so langweilig. Und wenn du dich bewegst bringt das auch das Hirn auf Touren. Ich komme auf Ideen. Die Laune wird gut. Der ganze Mist, den es ja auch gibt, spielt auf einmal nicht mehr so die Rolle. Sondern wird ganz leicht. Seltsam. Aber sehr schön.

Neulich kommt mir morgens am Rhein beim Laufen eine Frau entgegen gejoggt. Naja, das ist jetzt nichts Ungewöhnliches. Allerdings steuerte sie nach kurzem Zögern auf mich zu und fragte, ob sie mich ansprechen dürfe. Klar, sagte ich. Was ist los?

Kurze Laufpause, also. Und die Frau beginnt zu weinen. Ihre Mutter sei gestorben. Und: Sie wisse nicht was sie tun solle. Direkt gefragt, sagt sie: Können Sie sie beerdigen?

Ich bin verblüfft. Wir setzen uns auf eine Bank. Ich blicke den Frachtern hinterher, die ihre schwere Last den Rhein hinaufschieben, sehe ein paar Dohlen hinterher und höre zu.

Ein paar Tage später treffe ich mich mit der Familie. Es stellt sich heraus, dass sie mich vor Jahren in der Agneskirche kennen gelernt haben. Wir trauern zusammen. Bereiten den Gottesdienst vor. Suchen Lieder aus. Und dann bestatte ich die Mutter der Frau, die mich beim Joggen angesprochen hat.

Ich empfinde das als ein unglaubliches Privileg, wenn Menschen mir dieses Vertrauen schenken und mir zutrauen, dass ich ihnen in solch einer Krise helfen kann. Und ich bin sehr dankbar dafür. Das ist eins der Dinge, die ich tun darf: Menschen in der Krise nicht allein lassen. Tote bestatten.

Sehr oft beginnt mein Beruf mitten auf der Straße, bei einer zufälligen Begegnung. Am Büdchen. Beim Spazierengehen mit dem Hund. Oder wie an diesem Morgen beim Laufen am Rhein. Ich liebe das sehr. Weil aus diesen zufälligen Begegnungen oft etwas entsteht, was ich am Anfang noch gar nicht abschätzen kann. Heilsames. Auswege. Aufbrüche. Kluge Gedanken. Gemeinschaft. Geschenk.

Ich liebe also meinen Beruf. Nicht mit Haut und Haaren. Aber doch die Dinge, aus denen im Zufälligen, Brüchigen das Leben neu entsteigt.

Dafür muss man nicht unbedingt Theologe oder Seelsorger sein. Es genügt ein offener, wacher Blick. Und den haben auch Sie. Ich wette. Wo auch immer Sie hin unterwegs sind. Welcher Schreibtisch, welche Aufgabe auch immer auf Sie wartet. An diesem Montagmorgen.

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