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Choralandacht | 17.08.2019 | 07:50 Uhr

"Großer Gott, wir loben dich" eg 331

Autor: „Großer Gott, wir loben dich“. Wenn man ein Kirchenlied sucht, bei dem sich die Gemeinde so richtig ins Zeug legt, dann ist dies mit Sicherheit eine gute Wahl. Hier können auch diejenigen mitsingen, die lange keine Kirche mehr betreten haben. Und viele, die sonst beim Singen eher zurückhaltend sind, schmettern diese Zeilen aus voller Brust. Ein Lied also wie gemacht für einen feierlichen Gottesdienst in einer voll besetzten Kirche mit einer großen Orgel.

Musik 1: Track 20: „Großer Gott, wir loben dich“, CD: Du meine Seele, singe, Wilhelmshavener Vokalensemble, Leitung: Ralf Popken, Komponist: Lüneburg 1668, Bearbeiter: Ralf Popken, Texter: Ignaz Franz, Verlag: Hansisches Druck- und Verlagshaus GmbH Hamburg, Label: edition chrismon, LC.-Nr.: 16005

Autor: Trotz aller Beliebtheit fand „Großer Gott, wir loben dich“ erst gut 100 Jahre nach seinem Entstehen so langsam seinen Weg in die Evangelischen Gesangbücher. Bis dahin hatte es eine Menge Vorbehalte gegeben. Denn eigentlich ist es ein katholisches Lied, geschrieben Mitte des 18. Jahrhunderts von Ignaz Franz, der seinerzeit Rektor des Priesterseminars in Breslau war. Grundlage seines Textes ist das sogenannte „Te Deum“, ein großer Dank-, Bitt- und Lobgesang aus frühchristlicher Zeit. Von diesem Text hat es im Laufe der Zeit viele Übertragungen ins Deutsche gegeben - unter anderem eine von Martin Luther. Am bekanntesten ist heute jedoch die Version von Ignaz Franz.

Musik 2: Strophe 1,Track 5: : “Großer Gott, wir loben dich”, CD: Morgenlicht. Kirchenlieder & Choräle, Interpreten:  Berliner Rundfunkchor, Leitung: Simon Halsey, Texter: Ignaz Franz 1768 nach dem „Te Deum laudamus“ aus dem 4. Jahrhundert, Melodie: Lüneburg 1668, Wien um 1776, Leipzig 1819; Arrangement: Hans-Georg Spiegel, Verlag: Deutsche Grammophon GmbH, Berlin, Labelcode: LC 00173 Label: Universal Music, Bestell-Nr.: 00289 479 1303, EAN: 0 28947 91303 0

Großer Gott, wir loben dich, Herr, wir preisen deine Stärke.
Vor dir neigt die Erde sich und bewundert deine Werke.
Wie du warst vor aller Zeit, so bleibst du in Ewigkeit.   

Autor: Insgesamt umfasst das Lied 11 Strophen, wobei sich der Text in drei Teile unterteilen lässt: Die ersten fünf Strophen loben und preisen Gott als Schöpfer der Welt. Sie reihen sich damit ein in das ewige Lob der Engel, Apostel, Propheten und Märtyrer. In der 5. Strophe wird dieses Lob auf Jesus Christus und den Heiligen Geist erweitert, während sich die Strophen 6 - 8 allein an den Sohn Gottes wenden. Sie verkünden, dass Christus auf die Welt gekommen ist, um die Menschen von der Sünde zu befreien. Damit hat er das Verhältnis zwischen Gott und uns wieder in Ordnung gebracht. Die letzten drei Strophen des Liedes schließlich schildern die Reaktion der Gemeinde auf das, was vorher besungen wurde. Die Menschen bitten in diesen Versen um Gottes Hilfe und Führung, sowie um sein Erbarmen, seinen Segen und seine Güte. Am Ende bringen die Singenden ihre Hoffnung zum Ausdruck, dass sie nicht verloren gehen, weil Gott sich über sie erbarmt.

Musik 2: Strophe 11:
Herr, erbarm, erbarme dich. Lass uns deine Güte schauen;
deine Treue zeige sich, wie wir fest auf dich vertrauen.
Auf dich hoffen wir allein: Lass uns nicht verloren sein.

Autor: Der Blick dieses Liedes ist also eigentlich sehr weit gefasst. Im Lob Gottes sind die Menschen mit der Erde ebenso vereint wie mit den Engeln. Gleichzeitig werden die heute Lebenden mit hinein gestellt in die große Menge derer, die früher schon an Gott geglaubt und ihm vertraut haben.

Allerdings ist es nicht einmal 100 Jahre her, dass diese Weite des Liedtextes unterschlagen wurde. Es hatte schon immer mal leichte Änderungen am Text und an der Strophenzahl gegeben. In der Zeit des Nationalsozialismus wurde dann allerdings das Lied massiv verändert. Die Zahl der Strophen wurde drastisch gekürzt. Alle Verweise auf alttestamentliche Texte mussten verschwinden. Das, was übrig blieb, bekam einen sehr engen Charakter, der nur noch das Wohlergehen des eigenen Volkes im Blick hatte:

Musik 3: Strophe 9,Track 3: „Großer Gott wir loben Dich“,  CD1: Die größten Choräle aus fünf Jahrhunderten, Interpreten: ERF-Studiochor & ERF- Studioorchester , Bearbeitung: Gerhard Schnitter, Text: aus dem „Te deum Laudamus“ Ignaz Franz 1768, Melodie: Heinrich Bone (1852, Lüneburg um 1668, Wien um 1776, Leipzig 1819)  Hänssler Verlag im SCM-Verlag, LC-Nr.: 07224, Label: hänssler-music , Bestell-Nr.: 97.072

Sieh dein Volk in Gnaden an. Hilf uns, segne, Herr, dein Erbe;
leit uns auf der rechten Bahn, dass der Feind uns nicht verderbe.
Führe uns durch diese Zeit, nimm uns auf in Ewigkeit.             

Autor: Diese Strophe ist eine Bitte an Gott: Er soll sein Volk in Gnaden ansehen und ihm helfen. Gemeint sind damit allerdings nicht die Menschen in einem bestimmten Land, sondern das Volk der Christen auf der ganzen Welt. Das ergibt sich aus den vorangegangen Strophen: Jesus hat allen Christen den Zugang zu Gott ermöglicht.

Wenn man jedoch auf diese Strophen verzichtet, dann lässt sich das Stichwort „Volk“ problemlos nur auf die eigene Nation begrenzen. Dadurch wird aber das ganze Lied sehr exklusiv und ausgrenzend. Denn das ist klar: Wenn Gott nur dem eigenen Volk seine Gnade und Hilfe schenken soll, dann sind die anderen außen vor. Und das wissen wir von aktuellen politischen Debatten: Die, die außen vor sind, werden ganz schnell zu „Feinden“ erklärt. Gegen die man sich verteidigen oder zumindest abgrenzen muss. Angeblich weil sie sonst alles verderben, was uns hier in unserem Land lieb und wichtig ist.

Musik 4: Track 6: „Großer Gott wir loben dich“ Interpret & Bearbeitung: Jochen Rieger, Melodie: Lüneburg um 1668, Wien um 1776, Leipzig 1819,  Verlag: Gerth Medien GmbH, LC-Nr.:  13743, Label: GerthMedien, Bestell-Nr.: 939396

Autor: Zum Glück ist „Großer Gott, wir loben dich“ heute wieder ein Lied, das nicht ausgrenzt, sondern zusammenführt. Schließlich ist es bei evangelischen wie katholischen Christen gleichermaßen beliebt. Und auch außerhalb von Kirchen und Kirchenzugehörigkeit erreicht dieses Lied die Menschen. Zum Beispiel vor einigen Jahren auf dem Weihnachtsmarkt in Basel: etwa 500 Leute sangen da mitten im größten Einkaufstrubel „Großer Gott, wir loben dich“. Trotz des trüben Regenwetters, das gerade herrschte, und trotz des ganzen Krams, der vor Weihnachten für jeden zu erledigen ist, entstand auf einmal durch das Singen dieses Liedes ein großes Innehalten und eine große Gemeinschaft.
Bei solchen Gelegenheiten, aber auch im ganz normalen Gottesdienst kann uns bewusst werden, wie umfassend die Gemeinschaft ist, zu der wir gehören. Tatsächlich zählen dazu nicht nur diejenigen, die wir gerade sehen und hören. Sondern auch Menschen an anderen Orten und zu anderen Zeiten. Dieser Liedtext stellt uns mitten in die große Menge derer, die ihn in den letzten Jahrhunderten gesungen haben. Und die dadurch neue Kraft und Hoffnung für ihr Leben bekamen.

Daran merken wir: Unsere Stimme ist Teil eines großen Ganzen. Und dieses große Ganze überwindet die Grenzen zwischen Konfessionen und Religionen, zwischen Rassen und Generationen durch das gemeinsame Lob Gottes.

Musik 5: Strophe 2, Track 2: „Großer Gott wir loben dich“, CD: Die schönsten Choräle, Interpreten: Wetzlarer Evangeliumschor, Wilfried Mann, Leitung: Margret Birkenfeld, Gerth Medien GmbH, Label: Schulte & Gerth, Bestell-Nr.: 939153, LC-Nr.: 00895, EAN: 4029856391533

Alles, was dich preisen kann, Cherubim und Seraphinen,
stimmen dir ein Loblied an, alle Engel, die dir dienen,
rufen dir stets ohne Ruh »Heilig, heilig, heilig!« zu.

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