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Sonntagskirche | 25.07.2021 | 08:55 Uhr

Guter-Hoffnungs-Segen

Geborgen. Geliebt. Gesegnet. Das ist in Kurzform die kraftvolle Zusage für Schwangere und ihren Bauchgast bei der Segensfeier für werdendes Leben. Dreimal im Jahr laden die evangelische und die katholische Gemeinde in Wattenscheid zu diesem ökumenischen Gottesdienst ein und das nun schon seit einigen Jahren. Aber noch immer ist es für michberührend und bewegend zu erleben, wenn Frauen sich und das Leben in ihrem Leib, ganz bewusst Gott anvertrauen wollen, seinen Zuspruch erbitten. So eine Segensfeier ist kein Gottesdienst der großen Zahlen. Bei uns sind es meist sechs Frauen, die dieser Einladung folgen. Manche von ihnen bringen den Vater und die großen Geschwister des Ungeborenen mit, andere teilen diesen Moment mit der besten Freundin, einige mit der eigenen Mutter. Und es gibt Schwangere, die ganz bewusst alleine kommen. Sie wollen sich ganz ungestört dem Kind in ihrem Bauch zuwenden. Diesem noch unbekannten Wesen, das ihr ganzes Leben verändert, an das sie sich erst einmal gewöhnen müssen. Gemeinsam mit anderen über das neue Leben staunen, ihm entgegenwachsen. Der Sehnsucht Ausdruck geben, es möge gut werden! Die eigenen Ängste und Sorgen Gott anvertrauen und spüren, es gibt eine Hoffnung, die das Menschenmögliche  übersteigt.

Und sich für einen Moment in dieser Hoffnung geborgen wissen, wie das Kind im eigenen Bauch. Dazu gibt es diese Feiern. Und das allein ist schon Segen genug! Und doch will dieser Segen ins Wort gehoben werden, braucht er Ausdruck und Form.

Gemeinsam stellen wir uns dazu unter das große Kreuz. Die Mütter legen die Hände auf ihren Leib, ihre Familien stehen hinter ihnen, stärken ihnen den Rücken. Und ich darf ihnen meine Hände auf die Schulter legen, sie anschauen, beim Namen nennen und für sie Gottes Segen erbitten. Das ist der Höhepunkt und zugleich der intensivste Moment der Feier. Gott wendet sich unmittelbar jeder Einzelnen zu. Unsicherheiten werden überwunden und Nähe zugelassen. Gesichter leuchten auf. Tränen fließen. Und Hoffnung ist da! Ein Segen ist kein magisches Ritual, das vor Unglück und Schmerz bewahrt. Segen ist die Zuversicht, dass es gut wird, wenn vielleicht auch anders, als ich es mir wünsche. Segen schenkt die Kraft anzunehmen, was kommt. Die Gewissheit, ich muss es nicht alleine schaffen. Segen gibt Hoffnung, gute Hoffnung!

Erst vor kurzem wieder haben wir einen solchen Gottesdienst gefeiert. Alles war wie immer. Doch für mich war alles neu. Eine der schwangeren Frauen in dieser Feier war meine Tochter Julia und in ihrem Leib mein erstes Enkelkind. Diesmal stand ich auf der anderen

Seite, gehörte ich selbst zu denen, die ein Kind erwarten. Zu denen, die Gott um seinen Segen bitten, für meine Tochter, für das Kind von meinem Kind! Und ich habe selbst gespürt, wie großartig es ist, zusammen mit Anderen guter Hoffnung zu sein.

Guter Hoffnung sein- ein altmodisches Wort, irgendwie aus der Zeit gefallen. Ich entdecke es gerade ganz neu. Denn ich spüre, jedes Leben braucht die hoffnungsvolle Erwartung, es wird gut! Gute Hoffnung stärkt, ermutigt, richtet auf, schenkt Kraft für den nächsten Schritt!

Nicht nur während einer Schwangerschaft. Vertrauensvoll dem Leben entgegen hoffen, mit Gottes Hilfe – vielleicht ist gerade dieser Sonntag ein guter Tag, um damit anzufangen.

Seien Sie gewiss, Gottes Segen ist Ihnen sicher!

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